Auftragseingänge: Kleine Flamme Hoffnung
06. Februar 2026 | von Klaus PohlmannMit der Konjunktur ist ein bisschen wie am Lagerfeuer: Das ist ein kleines Flämmchen, das gerne aufflackern darf. Doch dazu muss man noch Zweige nachlegen.
Niedersachsens Wirtschaftsminister Grand Hendrik Tonne freut sich über die Auftragseingänge in der deutschen Industrie, die im Dezember laut Statistischem Bundesamt weiter angestiegen sind. Und tatsächlich: An den Zahlen kann man sich im Konjunktur-Winter fast ein bisschen wärmen. Bereinigt plus 7,8 Prozent – wofür, na gut, ganz wesentlich Großaufträge verantwortlich sind. Wer an den niedersächsischen Schiffbau denkt: Auch da wurden im Dezember Großaufträge gemeldet, die schlugen aber in der Statistik nicht durch. Die Branche insgesamt sank bei den Auftragseingängen ab.
In vielen anderen ging aber aufwärts, und zwar insbesondere beim Spitzenreiter Metallerzeugnisse – plus 30 Prozent – sowie im Maschinenbau. Die Aufträge kamen sowohl aus dem Ausland als auch, sogar noch etwas stärker, aus dem Inland. Zieht man die Großaufträge ab, bleibt immerhin noch eine ganz leichte Aufwärtsbewegung.
Vier Monate aufwärts
Wichtig aber der Trend im Dreimonatsvergleich: Das vierte Quartal legte gegenüber dem dritten bei den Auftragseingängen zum fast zehn Prozent zu. Der Dezember ist mittlerweile der vierte Monat in Folge, in dem die Auftragseingänge gestiegen sind.
Auf diese kleine Flamme Hoffnung hatte schon IHK-Hauptgeschäftsführerin Maike Bielfeldt Mitte Januar hingewiesen, als sie die Zahlen der aktuellen Konjunkturumfrage vorstellte - ebenfalls mit Blick auf die Entwicklung gegen Jahresende. Es werde aber, so Bielfeldt, noch einige Monate dauern, bis das auch in der Breite der Unternehmen ankommt. Bereits jetzt aber sei zu beobachten, dass zum Beispiel Automobilzulieferer versuchen, in der Verteidigungswirtschaft Fuß zu fassen.
Die Resonanz auf die aktuellen Zahlen in der Konjunkturbeobachtungs-Szene: Überraschung, weil mit dieser erneuten positiven Entwicklung nicht gerechnet wurde. Dann die Hoffnung auf eine tatsächliche zyklische Erholung. Das hatte auch schon die Nord/LB in ihrem Jahresausblick als durchaus möglich eingestuft. Und schließlich der Hinweis, dass sich erste Spuren der Sondervermögen für Verteidigung und Infrastruktur bemerkbar machen, und das gerade mit Blick auf Rüstungsausgaben, die sich gegen Jahresende als Großaufträge bemerkbar gemacht haben.
Steigende Exporte gegen Jahresende
Und passend zu diesem Hoffnungsflämmchen: Nur einen Tag nach den positiven Zahlen bei den Auftragseingängen veröffentlichte das Statistische Bundesamt auch ein Plus bei den Ausfuhren. Im Dezember 2025 sind die deutschen Exporte gegenüber November 2025 kalender- und saisonbereinigt um 4 Prozent gestiegen, und im Vergleich Vorjahresmonat um 2,7 Prozent.
Klar ist aber auch: Die nächste Zolldrohung kann den Aufwärtstrend wieder gefährden, ein Zollkonflikt ihn zurückdrehen. Und, darauf hatte IHK-Hauptgeschäftsführerin Maike Bielfeldt hingewiesen und nach Veröffentlichung der Auftragszahlen auch die Deutsche Industrie- und Handelskammer, die dringend notwendigen Strukturreformen bleiben ganz oben auf der Tagesordnung, um die deutsche Wirtschaft zu entlasten. Das sind die Zweige oder sogar Äste, die nachgelegt werden müssen, um mehr als Strohfeuer zu bekommen.
