Ausblick: Die Nord/LB-Volkswirte Christian Lips (r.) und Valentin Jansen blicken positiv auf 2026. Foto: Paul Preuß

Nord/LB-Prognose verbreitet Konjunktur-Optimismus

13. Januar 2026

Die Nord/LB startet mit einer deutlich positiven Konjunkturprognose ins Jahr 2026: Mit einem erwarteten Wachstum im Bereich von einem Prozent sowohl für Deutschland als auch Niedersachsen ist aus Sicht der Bank ein Ende der Stagnation denkbar.

 

Die deutsche Wirtschaft wird in diesem Jahr nach Ansicht der Nord/LB-Konjunkturfachleute um 1,1 Prozent wachsen, die niedersächsische um 1,0 Prozent. Nach drei Jahren wirtschaftlicher Schwäche würde die Wirtschaft damit auf einen moderaten Wachstumspfad zurückkehren. Deutschland läge damit fast gleichauf mit den Eurostaaten und würde den Abstand zu den USA verringern. Dort erwartet die Bank eine um zwei Prozent wachsende Wirtschaft. 

Getrieben wird die deutsche Entwicklung von den Sondervermögen für Infrastruktur und Verteidigung, machte Chefvolkswirt Christian Lips deutlich. Zwar bleibe die Weltlage unsicher: Die US-Zollpolitik belastet die exportorientierte deutsche Wirtschaft, gleichzeitig nimmt dadurch die Konkurrenz aus China zu. Allerdings hätten sich im vergangenen Jahr Weltwirtschaft und Finanzmärkte als bemerkenswert widerstandsfähig erwiesen. Künftig werden in Deutschland die öffentlichen Ausgaben laut Nord/LB-Prognose für Wachstum sorgen, in diesem Jahr zunächst mit spürbaren Impulsen durch Investitionen in die Infrastruktur, danach zunehmend durch die Verteidigung.

Und je besser das Geld eingesetzt wird, desto größer der Wachstumsbeitrag: „Entscheidend wird nun sein, dass die höheren öffentlichen Investitionen eine möglichst nachhaltige Wirkung entfalten“, so Christian Lips. Alle Maßnahmen seien zu begrüßen, mit denen die Effektivität der Mittelverwendung gesteigert werde. 

Konjunkturelle Erholung möglich

Ihren Optimismus ziehen die Nord/LB-Fachleute aber nicht allein aus den Sondervermögen. Sie sehen vielmehr den Ansatz für eine zyklische Erholung nach den Jahren der Stagnation. Die habe schon im vierten Quartal 2025 begonnen. Auch die nicht länger restriktive Zinspolitik der Europäischen Zentralbank leistet aus Sicht des Teams um Christian Lips einen Beitrag. Der Funke müsse aber auch auf die privaten Investitionen überspringen. Bei einer Kapazitätsauslastung deutlich unter Normalniveau fehlt dazu aktuell aber noch die Motivation. Lips ist aber zuversichtlich, dass der Impuls etwa durch die Ausgaben für Verteidigung die Auslastung erhöhen können.

Der hellere Ausblick auf das Jahr bedeutet allerdings nicht, dass die deutschen Strukturprobleme überwunden sind. Nach wie vor gebe aus den vergangenen zwei Jahrzehnten viele ungemachte Hausaufgaben, sagte Lips. Vernachlässigte Infrastruktur oder ungelösten Fragen der Sozialsysteme gehören dazu. Energiepreise, Bürokratie oder der Fachkräftemangel belasten die Wirtschaft weiterhin. Aus Lips‘ Sicht sind das aber keine unüberwindbaren Konjunktur-Hemmnisse. Der Einsatz von KI etwa könne den Fachkräftemangel in Teilen auffangen, wenn das verfügbare Arbeitsvolumen durch das Ausscheiden der Boomer-Jahrgänge zurückgeht. Ein Selbstläufer ist das aber nicht: Schließlich sei auch die Digitalisierung noch längst nicht überall angekommen, und Lips warnte auch vor zu großer IT-Abhängigkeit.

Trotzdem bleibt die „konjunkturelle Story“ der Nord/LB positiv: „Es gibt gute Gründe für etwas mehr Optimismus.“ Das gilt allerdings nur, wennn die Rahmenbedingungen sich nicht ändern. Die weltweite Unsicherheit bleibt natürlich hoch angesichts der vielen Krisenherde. 

Nicht für die Konjunktur-Psychologie

Den Gedanken aber, dass man die Entwicklung zu positiv einschätze, weist die Volkswirte-Crew der Nord/LB von sich. Schließlich hat sie einen Ruf zu verlieren, denn für ihre Prognosegenauigkeit wurde sie schon mehrfach ausgezeichnet. Für das vergangene Jahr hatten sie ein Wachstum von 0,2 Prozent vorhergesagt und erwarten eine Punktlandung. Wobei dieser Wert knapp über Null für Christian Lips bereits den Beginn der Stabilisierung bedeutet, die sich in diesem Jahr aus seiner Sicht fortsetzen wird.