Gruppenfoto bei der Konjunktur-Pressekonferenz der IHK Niedersachsen Maike Bielfeldt mit dem Konjunkur-Fachleuten Dr. Mirko-Daniel Hoppe (l.) und Dr. Martin Knufinke. Für ihn war es nach über 30 Jahren in der IHK die letzte Konjunkturauswertung.

IHKN-Umfrage: Stillstand mit Hoffnungsschimmer

16. Januar 2026 | von Klaus Pohlmann

Noch gibt es kaum Bewegung, die Konjunktur in Niedersachsen bleibt auf niedrigem Niveau mit einem Konjunkturklimaindikator unverändert bei 85 Punkten für das vierte Quartal. Positive und negative Entwicklungen in einzelnen Branchen gleichen sich bislang lediglich aus. Es ist aber zumindest ein Hoffnungsschimmer erkennbar.

 

Zum Jahreswechsel hat sich weder bei der Geschäftslage der niedersächsischen Unternehmen noch bei den Erwartungen grundlegendes getan: Zwar gibt es Verschiebungen, aber keine Bewegung nach oben. Das ergab die IHK-Konjunkturumfrage bei 2200 Unternehmen in Niedersachsen, die bis zum 12. Januar lief. Damit dauert die historisch lange Schwächephase der niedersächsischen Wirtschaft zunächst noch an. Das sagte Maike Bielfeldt, Hauptgeschäftsführerin der IHK Niedersachsen (IHKN), Mitte Januar in Hannover.

Es gibt aber Hoffnung, dass sich die Lage bessert. Der vielleicht deutlichste: die Auftragseingänge in der Industrie. Vor allem hier sieht Bielfeldt den Grund für eine Belebung der Konjunktur: „Allmählich“, wie sie bei der Vorstellung der Zahlen sagte, aber immerhin. 

Erste Effekte der Sondervermögen

Für die Entwicklung bei den Industrieaufträgen Ende vergangenen Jahres dürften neben einem Sondereffekt aus dem Schiffbau auch die Sondervermögen für Infrastruktur und Verteidigung verantwortlich sein. Es werde aber, so Bielfeldt, noch einige Monate dauern, bis das auch in der Breite der Unternehmen ankommt. Bereits jetzt aber sei zu beobachten, dass zum Beispiel Automobilzulieferer versuchen, in der Verteidigungswirtschaft Fuß zu fassen.

Auch einige andere Indikatoren zeigen leicht nach oben, wenn auch auf niedrigem Niveau. So sind die Exporterwartungen wieder leicht gestiegen, bleiben aber nach wie vor unter dem langjährigen Durchschnitt. Maike Bielfeldt hob dabei insbesondere ein anziehendes Geschäft in Großbritannien zehn Jahre nach dem Brexit hervor. Nach oben geht es auch mit den Exporten nach Indien, während die USA verlieren.

Ein Häkchen nach oben auch bei den so wichtigen Investitionsplänen. Für einen nachhaltigen Aufschwung müssen aber die Investitionen noch deutlich zulegen, so die IHKN-Hauptgeschäftsführerin. Noch kommt nach ihren Worten der Mitte vergangenen Jahres beschlossene Investitionsbooster nicht an. Für eine nachhaltige Belebung der Konjunktur sind dabei vor allem Investitionen in die Kapazitätsausweitung erforderlich. 

Dieses Motiv ist bei den Unternehmen jedoch nach wie schwach ausgeprägt, sogar mit einer leichten Tendenz abwärts. Stärker nach unten ging es mit den Investitionen in den Umweltschutz. Wenn Unternehmen derzeit investieren, dann insbesondere, um Anlagen lediglich zu ersetzen. Außerdem spielt Rationalisierung als Motiv weiterhin eine große Rolle. Die IHKN-Umfrage zeigt auch eine Verschiebung bei den Investitionszielen: Deutschland verliert als Standort gegenüber dem Ausland, insbesondere gegenüber Asien sowie Süd- und Mittelamerika. Auch Afrika werde künftig als Investitionsstandort zulegen, erwartet Biefeldt. 

Entlastung der Unternehmen nach wie vor dringend erforderlich

Für Investitionsentscheidungen sind Vertrauen und gute Rahmenbedingungen notwendig, so die IHKN-Hauptgeschäftsführerin. Die Effekte durch die Sondervermögen werden nach ihren Worten für eine nachhaltige Konjunkturbelebung nicht ausreichen: „Für ein stärkeres Wachstum brauchen die Unternehmen spürbare Erleichterungen bei Steuern, Lohnnebenkosten und Bürokratie – und zwar sofort.“ Diskussionen um Steuererhöhungen dagegen seien kontraproduktiv. Und unter den Konjunkturrisiken aber die Arbeitskosten am stärksten zugelegt. Deutlich oben stehen aber nach wie vor die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen: Mehr als zwei Drittel der Unternehmen sind dieser Auffassung. 

Auch die Inlandsnachfrage bereitet weiterhin Sorge. Die Konsumneigung etwa bleibt trotz einer leichten Aufwärtsbewegung Ende 2025 auf niedrigem Niveau. Unter Druck steht besonders der Textileinzelhandel. Rund 40 Prozent der Bekleidung wird inzwischen online gekauft. Um so wichtiger sei es, für mehr Attraktivität der Innenstädte zu sorgen, sagte Bielfeldt. Allerdings auch: Viele Städte seien durchaus voll, es werde eben nur entweder nicht gekauft oder online bestellt. 

Mit Blick auf den Handel wird auch die unterschiedliche Lage einzelner Branche deutlich. Ladengeschäfts sehen sich zunehmend unter Druck durch den Online-Handel, gerade auch durch chinesische Anbieter. Im Großhandel stagnieren die Geschäfte. Der Hochbau bleibt schwach. Dafür sucht der Tiefbau, der natürlich auch von den Sondervermögen profitiert, händeringend Fachkräfte: Vier von fünf Unternehmen nennen das als Top-Risiko für ihre wirtschaftliche Entwicklung.

Das schlägt sich schließlich auch in der Beschäftigungsentwicklung nieder. Während Industrie-Jobs verloren gingen, haben Banken und Versicherungen zugelegt. Und auch die öffentliche Verwaltung hat Stellen aufgebaut. Ein Grund sind auch hier die Sondervermögen. Um sie als Aufträge in die Wirtschaft zu bringen, sind zusätzliche Kapazitäten nötig.