Luisa Petri und ihr Cousin Julian Schmidt arbeiten bereits seit einigen Jahren im Unternehmen mit, das ihr Großvater 1962 gründete. Foto: Petri Feinkost

Petri Feinkost im Porträt: Gutes aus Glesse

05. Februar 2026 | von Georg Thomas

Mit 350 Mitarbeitenden stellt Petri Feinkost im Weserbergland Frischkäsespezialitäten her. Die Produkte des 1962 gegründeten Unternehmens sind heute in vielen Supermärkten in ganz Europa zu finden.

 

Kein Handyempfang, keine Autobahn weit und breit, dafür viel Wald und Fels – das ist Glesse. Vielleicht vierzig Häuser zählt das Dorf im Weserbergland, in dem die Petri Feinkost GmbH & Co. KG  ihren Sitz hat. Seit mehr als sechzig Jahren stellt das Familienunternehmen in dem Ortsteil der kleinen Gemeinde Ottenstein Produkte her, die heute meist als Frischkäsezubereitung in verschiedenen Varianten in Supermärkten in ganz Europa zu finden sind. „Von Zypern bis zu den Kanaren und auch in Schweden und dem Baltikum gibt es unsere Petrella-Produkte“, erklärt Luisa Petri, die das Marketing des Unternehmens leitet. Die 28-Jährige steht zusammen mit ihrem Cousin Julian Schmidt, der als Assistent für den produktionsseitigen Bereich zuständig ist, für die dritte Generation des Familienbetriebs, der 1962 von Claus und Waltraud Petri gegründet wurde. Deren Kinder Stefan und Markus teilen sich die Geschäftsführung des Unternehmens, das inzwischen mehr als 350 Menschen beschäftigt.

Herstellung von Petrella Frischkäse mit Schnittlauch in einer Produktionsanlage
Der Petrella-Frischkäse wurde früher fast nur an Käsetheken in Supermärkten verkauft. Foto: Petri Feinkost

Petri ist es in den letzten Jahrzehnten gelungen, sich erfolgreich in einer Nische zu entwickeln. Denn in Deutschland und Europa gibt es mehrere bekannte Marken im Frischkäseregal, die teils von globalen Konzernen in deutlich größeren Mengen hergestellt werden. „Schon unser Großvater hatte den Anspruch nur die beste Qualität zu verarbeiten. Und das leben wir auch heute noch“, erklärt Luisa Petri. Die Milch etwa kommt aus dem Weserbergland, von 22 Landwirtinnen und Landwirten deren Höfe sich alle in einem Umkreis von nur 30 Kilometern rings um den Betrieb befinden. Die Milch wird dann in einer eigenen Molkerei zu Frischkäse verarbeitet. Dabei setzt Petri bis heute noch auf das Tuchpressverfahren, eine aufwendige, traditionelle Herstellungsmethode. Die weiteren Zutaten wie Schnittlauch, Paprika, Knoblauch oder Zwiebeln werden von Mitarbeitenden in der Produktion gewaschen, geschält und je nach Rezeptur gekocht oder vorbereitet und später mit Gewürzen und dem Frischkäse verrührt. „Wir verfügen über bestimmt 600 verschiedene Rezepturen“, sagt die 28-Jährige. „Wir können auch kleinere Mengen in ausgefallenen Geschmacksrichtungen herstellen“. Gerade hat Petri für einen Discounter sogar Frischkäse mit Currywurstgeschmack produziert. „Wir werden gern von den großen Lebensmittelhändlern für besondere Produkte angefragt“, ergänzt Julian Schmidt. „Wir haben uns nicht nur mit der Qualität, sondern inzwischen auch durch Schnelligkeit und unsere Liefertreue einen guten Namen gemacht.“

Harte Preisverhandlungen gibt es dennoch. „Aber Qualität setzt sich langfristig immer durch“, sagt der für die Technik zuständige Assistent der Geschäftsführung. Petri hat in den letzten Jahren stark davon profitiert, dass die Frischkäsespezialitäten aus Ottenstein-Glesse seit bald zwei Jahrzehnten zum festen Angebot der großen Discounter wie etwa Aldi und Lidl gehören. Die Expansion der Märkte in neue Länder sorgte auch im Weserbergland für kräftiges Wachstum. Der 33-jährige Lebensmitteltechnologe mit BWL-Studium kann sich noch gut an die Zeiten erinnern, als ständig neue Ländergesellschaften der Discounter ihre Bestellungen bei Petri aufgaben. „Und inzwischen sind wir in vielen Ländern auch bei den anderen alteingesessenen Supermarktketten erhältlich.“ Allerdings gehört zur Wahrheit auch, dass ihr Großvater anfangs von dem Gedanken, ihre Produkte bei Discountern zu verkaufen, nicht so überzeugt war.

Dass es das Unternehmen heute überhaupt gibt, hängt eng mit einem Käsekuchen zusammen. Den Kuchen auf Quark- und Margarine-Basis hatten Claus und Waltraud Petri Anfang der 1960er Jahre zu einer Geburtstagsfeier mitgebracht. Einem Edeka-Händler aus Bodenwerder schmeckte dieser so gut, dass er das damals frisch verheiratete Paar davon überzeugen konnte, einmal die Woche einen Kuchen zu backen, den er in seinem Laden verkaufte. Und schon kurz darauf gab es weitere Nachfragen von anderen Händlern, sodass 1962 das Unternehmen entstand. Als die Produktion in der heimischen Wohnungsküche zu eng wurde, setzte sich der Ottensteiner Politiker Manfred Weiner dafür ein, dass das junge Unternehmen im Ort eine neue Bleibe findet. „Es gab damals auch die Überlegung, nach Bad Pyrmont oder Hameln umzuziehen – aber hier überzeugte das Grundstück sowie das familiäre und engagierte Vorgehen der Gemeinde“, berichtet Julian Schmidt.

Herstellung von Lebensmitteln in einer Produktionsküche, rote Masse wird in einen großen Edelstahltopf gefüllt

In seiner 63-jährigen Geschichte hat sich Petri immer wieder verändert. So wurde aus Käsekuchen im Laufe der Jahre das Hauptprodukt Frischkäse, das zunächst vor allem in Käsetheken verkauft wurde, die es früher mit Bedienung in jedem Supermarkt gab. Mit der eigenen Molkerei brauchte Petri keine Milchprodukte mehr zukaufen und konnte Rezepturen immer weiter verfeinern. 
Vor drei Jahren bereits stieg das Unternehmen in die Herstellung von veganen Produkten ein, die unter anderem auf Basis von Kokosöl und Mandelproteinen produziert werden. Die Petrella-Produkte ohne tierische Bestandteile scheinen den Zeitgeist voll zu treffen. „20 Prozent unserer gesamten Produktionsmenge sind inzwischen vegan“, erklärt Schmidt. 

Wie sich das auf die Bilanz auswirkt, möchte Petri nicht sagen. Das Unternehmen macht generell keine konkreten Angaben zu seinem Umsatz oder den Ergebnissen. Allerdings plant das Familienunternehmen gerade eine Erweiterung seiner Produktion nicht zuletzt aufgrund des Erfolgs der veganen Produkte. „Die Baugenehmigung liegt bereits vor.“ Bald soll es losgehen.

Internetseite von Petri Feinkost - Petrella