Der erste CeBIT-Bericht in der NW, einer von vielen.
Es war einmal ... die CeBIT. Und die NW war dabei.
13. März 2026 | von Klaus PohlmannEine Messe wie ein Naturereignis. Das sagte Hubert-H. Lange über die CeBIT. Und nicht nur an die zeitweise größte, wohl auch wichtigste Messe der Welt sollte man sich heute, am 12. März, erinnern. Sondern auch an Lange, Messevorstand, CeBIT-Chef, Sänger.

Zugegeben: Ich habe nie gehört, wie Lange „Die Heide brennt“ gesungen hat. Das soll er immer zur Halbzeit der Messe gemacht haben. Aber zu dieser Messe-Musikalie gibt es auch eine andere Erzählung, bei der Geschäftsbereichsleiter Jörg Schomburg, ein weiterer wichtiger CeBIT-Kopf, eine Rolle spielt.
Aber egal: Heute vor 40 Jahren öffnete die CeBIT erstmals als eigenständige Messe ihre Tore. Nervenkitzel, erinnerte sich Lange kurz vor seinem Ruhestand 2001 in der Niedersächsischen Wirtschaft: „Uns war klar, dass am Erfolg oder Misserfolg der Trennung unser berufliches Schicksal hängt.“ Seines, und nicht minder von Vorstandschef Klaus E. Goehrmann, gerade mal zwei Jahre bei der Deutschen Messe.
Das K steht für Technik
Über den Erfolg dieser ersten, aus der Hannover Messe herausgelösten CeBIT gibt es unterschiedliche Meinungen. Auch der NW-Bericht zählt damals noch einiges an Kritik auf: viel Fläche, zu große Messestände. Und sprach erstmal auch noch von „dem CeBIT“, dem Welt-Centrum der Büro-, Informations- und Kommunikationstechnik. Hätte es dann nicht CeBIK heißen müssen? Sagen wir es so: Das K steht für Technik. Oder Technologie, je nach Lesart, jedenfalls irgendwas mit Information.
Und die CeBIT gab ja auch schon seit 1970 als Teil der Hannover-Messe. Viel später gab’s dann auch noch eine CeMAT, eine

Logistikmesse. Und eine SchneeBIT: Die Büro-, Infomations- und Kommunikationstechnik versank 1987 in einem Wintereinbruch. Ich war erst später dabei, erinnere mich an Scott McNealy, der als Chef von Sun Microsystems bei der Messeeröffnung die Leute im Kongress-Centrum brüskierte: Alles Schlipsträger hier, das kann ja nichts werden mit digitalen Innovationen. Bei einem Messeauftakt hat mich der damalige Microsoft-Chef Steve Ballmer fast über den Haufen gerannt.

Machte alles nix. „Aber die CeBIT war anders, sie war gewaltig, ein Solitär. Sie machte Hannover einmal im Jahr zum Nabel der Informationstechnik weltweit, zeitweise konkurrenzlos. CeBIT, das war die Digitalisierung. Die Messe zelebrierte die Verzwergung der Hardware, erst bei der Größe der Geräte, dann in deren Bedeutung gegenüber Software und Service. Sie präsentierte den Höhenflug des PCs: In eigenen Arenen wurden neue Generationen von Betriebssystemen vorgestellt. Fast jedes Jahr ein neuer Trend, ob Internet oder mobile Telefonie. CeBIT: das war spätestens um die Jahrtausendwende digitale Innovation bis in jedes Haus.“ Schrieb die NW später. Fast 850.000 Besucherinnen und Besucher 2001, das war Spitze. Die CeBIT Home, der Versuch, Privatmenschen auf eine eigene Veranstaltung abzuzweigen, war da schon wieder Geschichte.
Merkels Menetekel
Und dann? Fragte Bundeskanzlerin Angela Merkel irgendwann, warum sie denn zwei Mal im Frühjahr nach Hannover käme, wo doch die inzwischen industriedominierte CeBIT und die digitalorientierte Industriemesse immer ähnlicher würden. Ein Menetekel. Merkels Wirtschaftsminister Peter Altmaier warb noch einmal fast flehentlich darum, die CeBIT zur erhalten. Doch auch Jan Delay konnte die Computermesse nicht retten: Der Musiker mit der näselnden Stimme wollte eine “wabernde Masse” vor der Bühne - und brachte das Messegelände tatsächlich zum Brodeln. Aber eben nicht die Wende. Die heraufdämmernde New-Work-IT-Generation ließ sich nicht begeistern. Das Konzert an einem lauen Sommerabend markierte das Ende. Der CeBIT.

