Johannes Niggemann mit Konrad Adenauer: Wo und wann, ist nicht bekannt.
80 Jahre NW: Zu Beginn ein prägender Kopf
05. Juni 2026 | von Klaus PohlmannUnter den Chefredakteuren der Niedersächsischen Wirtschaft hat Dr. Johannes Niggemann einen besonderen Platz. Nicht allein, weil er der erste in der Reihe war.
Der bekennende, zutiefst religiöse Katholik Johannes Niggemann kam 1942 zur damaligen Gauwirtschaftskammer in Hannover, wurde Schriftleiter des Wirtschaftsblatts Niedersachsen, Vorgängertitel der NW. Hinter sich hatte er eine Odyssee: Nach zehn Jahren als Tageszeitungsjournalist, zuletzt im Ruhrgebiet, sah er sich ab 1933 im Konflikt mit den neuen Machthabern. Er sei „untragbar“ als Journalist für das Regime, das wurde ihm nach eigener Aussage vermittelt. Auch bei der katholischen Presse, wo er als freier Mitarbeiter schrieb. Jobs in der Verwaltung, fast zwei Jahre Militär, bis er nach Hannover kann. Dort waren Präsident und Hauptgeschäftsführer der Gauwirtschaftskammer aktive Nationalsozialisten: „Weshalb sie Anfang 1942 einen katholischen Wirtschaftsjournalisten aus Westfalen einstellten, der sich bisher mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser gehalten hatte, ist mehr als fraglich“, schreibt Anett Schweitzer in einem Gutachten. Weshalb also? Vielleicht, weil er 1923 über „Die Selbstverwaltung der deutschen Wirtschaft“ und damit eine IHK-Kernaufgabe promoviert hatte.
Eine Straße trägt seinen Namen
Schweitzers Gutachten entstand, als alle Straßennamen in Hannover durchleuchtet wurde, deren Benennung vor allem in die

Zeit des Nationalismus weist. Was für Niggemann gilt, weil er schon während des Krieges in Hannover arbeitete. Der Niggemannweg im Stadtteil Bothfeld heißt nach ihm, der an der die Kirche liegt, in deren Gemeinde der NW-Chefredakteur mitarbeitete.

Aber nicht nur das. Er war Vorsitzender der CDU-Fraktion im hannoverschen Stadtrat, kurzzeitig Vertretung des Oberbürgermeisters. Innerhalb der katholischen Kirche Ritter des Ordens vom Heiligen Grab, zeitgleich mit dem damaligen VW-Chef Heinrich Nordhoff. Er bereitete den Katholikentag 1962 in Hannover mit vor, den er aber nicht mehr erlebte. Kurz vor seinem Tod wurde er zudem in den Aufsichtsrat der Preussag AG berufen. Der von der Katholischen Soziallehre beeinflusste NW-Chefredakteur engagierte sich unter anderem für den Wohnungsbau, in der Genossenschaft Heimatwerk.
Lizenz für die neue Zeitschrift
Niggemann selbst erhielt auch die Lizenz für die neue IHK-Zeitschrift ab Mai 1946. Die Industrie- und Handelskammern, die das neue Blatt trugen, suchten damals noch auf unsicherer Grundlage ihren Weg in die Zukunft. In Hannover bereits seit mehr als einem Jahr, als sich IHK-Leute noch vor Kriegsende trafen, um über einen Neuaufbau zu beraten. Jedenfalls nach eigener Schilderung. Ob Niggemann zu diesem Kreis gehörte, lässt sich ohne weiteres nicht sagen. Vielleicht ging er auch seine eigenen Wege. Die werden ihn ohne Zweifel ins Anzeiger-Hochhaus geführt haben, wo die britischen Presseoffiziere arbeiteten. Und dort an einem neuen Nachrichtenmagazin mitwirkten: „Diese Woche“ ab November 1946, später „Der Spiegel“. Es bleibt Spekulation, ob Niggemann das im Anzeiger-Hochhaus wahrgenommen hat. Aber wir spekulieren gerne: Er galt jedenfalls bei vielen seiner Kollegen als erster, der in der IHK-Zeitschrift ein Wirtschaftsmagazin sah.
