Lkw und Autos auf deutscher Autobahn, Verkehr und Transport im Web-Kontext Foto: Pixabay/hpgruesen

HUK-E-Barometer: Rekordzahlen beim Umstieg auf E-Autos

11. August 2026 | von Barbara Dörmer

Im zweiten Quartal 2026 hat die Häufigkeit der Umstiege auf Elektroautos bei Privatpersonen in Deutschland erneut stark zugenommen und erreicht Rekordwerte. Zu diesem Ergebnis kommt die HUK-Coburg Versicherungsgruppe in ihrem Anfang August veröffentlichten E-Barometer. Beim Regionalvergleich gibt es im Jahresverlauf 2026 in Schleswig-Holstein und Niedersachsen die größte Dynamik bei der Zunahme des Bestands an privaten E-Autos. 

Bei jedem achten Fahrzeugwechsel (12,0 %) im Bestand der HUK wird inzwischen von einem Auto mit Verbrennermotor auf einen rein elektrischen PKW gewechselt. Vor Beginn des Iran-Kriegs und den daraufhin stark steigenden Spritpreisen lag die Quote nur etwa halb so hoch (6,3 % im Januar und Februar 2026). Und tatsächlich gibt es zahlreiche Indizien, die für einen direkten Zusammenhang sprechen.  

Die Umstiegshäufigkeit auf gebrauchte E-Autos nahm im zweiten Quartal 2026 stärker zu als die auf vollelektrische Neuwagen. Vermutet wird laut HUK, dass mit Gebrauchtwagen schneller auf steigende Kosten für Benzin und Diesel reagiert werden kann, als bei Neuwagen mit Bestell- und Lieferfristen. Weiteres Indiz: Vielfahrer mit jährlich mehr als 12.000 Kilometer Fahrleistung, die besonders unter hohen Spritpreisen leiden, steigen inzwischen so viel häufiger um auf E-Autos als Fahrer mit weniger Jahresleistung, dass der Abstand zwischen den beiden Fahrergruppen ein Rekordniveau erreicht hat (14,7 % zu 8,0 %). Und dieser Unterschied ist bei Umstiegen auf gebraucht angeschaffte E-Autos in Relation noch weit größer (10,7 % zu 4,5 %).

Deutlichste Bestätigung für einen Zusammenhang zwischen gestiegenen Spritpreisen und häufigeren Wechseln zu E-Autos liefert die bundesweit repräsentative Befragung von mehr als 4000 Personen ab 16 Jahren in Deutschland im Rahmen des HUK-E-Barometers. Demnach gibt fast jeder vierte Befragte mit Führerschein (24 %) an, nur „wegen der Entwicklung der Diesel- und Benzinpreise seit Beginn des Iran-Krieges" erstmals überhaupt über die Anschaffung eines reinen Elektroautos nachgedacht zu haben oder das eine geplante Anschaffung dadurch jetzt wahrscheinlich vorgezogen wird. „Der Hochlauf der Elektromobilität in Deutschland hat eine neue Dimension erreicht, auch angetrieben durch stark gestiegene Spritpreise. Elektrische Gebrauchtwagen können dabei offenbar zum Gamechanger werden. Möglicherweise ließe sich dieser Trend noch verstärken, wenn neben den Käufern von Neuwagen auch die Käufer gebrauchter E-Autos von der staatlichen E-Autoprämie profitieren könnten", so Dr. Jörg Rheinländer, Vorstand bei der HUK-Coburg. 

Gesellschaftliche Akzeptanz für E-Autos steigt - besonders bei Frauen

Die gesellschaftliche Zustimmung zum E-Auto hat ebenfalls neue Rekorde erreicht. Erstmals seit Beginn der Quartals-Messungen durch das HUK-E-Barometer in 2024 erklärt jetzt mehr als die Hälfte der Deutschen (52 %), dass sie Elektroautos "gut" oder "sehr gut" finden.  Im Zeitverlauf gibt es dabei indes Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Männer standen und stehen vollelektrischen Autos deutlich positiver gegenüber als Frauen. Im zweiten Quartal 2026 haben Frauen aber den Abstand besonders stark verkürzt. Ihre Zustimmung zu reinen Elektroautos als gut oder sehr gut stieg von 37 Prozent im Vorquartal auf jetzt 45 Prozent. Der Anstieg lag damit um zwei Drittel höher als bei den Männern (von 54 auf 59 %). 

Tesla mit erstaunlichem Comeback

Bei den Neuwagen-Anschaffungen stehen vor allem ausländische Hersteller im Fokus. Der chinesische Hersteller BYD kann seinen Anteil an der Gruppe der Umsteiger von Verbrennern zu reinen E-Neuwagen relativ am stärksten steigern – wenn auch von einem in 2025 noch niedrigen Niveau aus (0,8 auf 3,3 %). Ähnlich ist die Situation bei der ebenfalls in China beheimateten Marke Leapmotor (1,8 auf 3,4 %). Ein Comeback gelang Tesla: Nachdem der Anteil der reinen E-Auto-Marke im vergangenen Jahr noch von 15,5 auf 5,6 Prozent abgestürzt war, schoss er im ersten Halbjahr nun fast im gleichen Umfang wieder nach oben auf 12,2 Prozent.

Ausnahmslos alle deutschen Marken (außer Opel/Stellantis) büßten bei Umstiegen von Verbrenner- auf neue E-Autos Anteile ein. Werden im Rahmen der Umstiege aber gebrauchte E-Autos angeschafft, sieht es anders aus. So ist bei diesen Wechseln jedes sechste Fahrzeug ein VW. Der Anteil stieg im ersten Halbjahr sogar etwas an auf jetzt 17,1 Prozent. Auch bei weiteren Marken des VW-Konzerns gab es Zuwächse beim Anteil gebrauchter E-Autos (Audi von 5,4 auf 6,8 %, Skoda 2,7 auf 5,0 % und Cupra 2,2 auf 3,0 %). 

Deutlich unterschiedliche Dynamik in den Bundesländern

Beim Regionalvergleich zeigen im bisherigen Jahresverlauf 2026 Schleswig-Holstein und Niedersachsen die größte Dynamik bei der Zunahme des Bestands an privaten E-Autos vor Bayern auf Rang drei. Bei den Schlusslichtern Sachsen und Berlin erreicht dagegen diese Markt-Dynamik nur etwa die Hälfte dortiger Spitzenwerte. Unterdurchschnittlich im Deutschland-Vergleich schneidet inzwischen bei der Markt-Dynamik auch das Autoland Baden-Württemberg ab – ausgenommen aber die Landeshauptstadt Stuttgart. Unter den 15 größten Städten Deutschlands über 500.000 Einwohner gibt es 2026 in Stuttgart bisher die größte Veränderungsdynamik bei E-Autos. Und mit 5,3 Prozent ist der Bestand reiner Elektroautos im Privatbesitz innerhalb der Metropolen mit Abstand am höchsten. 

Aber selbst Stuttgart ist damit weit entfernt von E-Auto-Entwicklungen in einigen ländlicheren Kommunen. So liegt der private E-Auto-Bestand beim deutschen Spitzenreiter – dem Landkreis Starnberg – mit 7,4 Prozent weit höher. Die Ranking-Schlusslichter unter den Kreisen und kreisfreien Städten sind Frankfurt/Oder (1,4 %) sowie die Landkreise Görlitz und Vogtlandkreis (je 1,5 %). Auch in Westdeutschland finden sich E-Auto-Nachzügler. So gibt es aktuell bundesweit die geringste Markt-Dynamik in der Stadt Gelsenkirchen. 2026 beträgt sie hier weniger als ein Sechstel der Spitzenreiter-Steigerungen bei den Bestandsquoten in den Landkreisen Cloppenburg (Niedersachsen) und Schweinfurt (Bayern).

Plug-in-Hybride gewinnen - Mild-Hybride verlieren

Seit Jahresanfang können Käufer von Plug-in-Hybriden ebenfalls von staatlichen Förderprämien profitieren. Auch bei diesen Fahrzeugen ist ein verstärkter Umstieg auf Plug-in-Hybride mit Ladekabeln zu verzeichnen durch bisherige Fahrer von Benzin- oder Diesel-Antrieben aber auch Mild- und Voll-Hybriden. Das gilt im Vergleich zum Vorjahr vor allem für die Anschaffung gebrauchter Plug-in-Fahrzeuge. Die Umstiege sind zwar weniger häufig als auf reine E-Autos. Die HUK-Zahlen zeigen: Im Gegensatz zu den beliebter gewordenen Plug-in-Hybriden gehen Umstiege auf Mild- und Voll-Hybride, also ohne externe Lademöglichkeit, in 2026 zurück. Zudem deutet einiges darauf hin, dass die Rolle der Plug-ins als Brücken-Technologie sich verstärkt: 39,4 Prozent der bisherigen Plug-In-Hybrid-Fahrer wechselten bei der Neuwagen-Anschaffung im zweiten Quartal 2026 auf ein reines E-Auto. Das sind sogar mehr als bei den Plug-In-Hybriden geblieben sind (38,1 %). 

Zur Studie

Das HUK-E-Barometer basiert auf Versicherungszahlen der HUK-Coburg und einer Online-Umfrage. Die HUK versichert 14,5 Mio. Fahrzeuge und hat nach eigenen Angaben einen Marktanteil von fast einem Viertel an privat zugelassenen Kraftfahrzeugen. An der repräsentativen Online-Umfrage mit dem Markt- und Meinungsforschungsinstitut YouGov Deutschland im Mai nahmen rund 4100 Personen teil. 

Weiteres Zahlenmaterial zum aktuellen HUK-E-Barometer stehen unter: https://www.huk.de/e-barometer