
Hannover Messe: "Technologie hat keine Grenzen"
04. April 2025Selbstbewusstsein auch angesichts der Signale aus den USA: Aus Sicht der für die Hannover Messe Verantwortlichen hat die weltgrößte Industrieausstellung sowohl Rückenwind als auch Orientierung gegeben.
Ein Satz von mindestens doppelter Bedeutung in einer Zeit, in der gerade Wirtschaftsbarrieren hochgezogen werden wie selten zuvor: „Technologie hat keine Grenzen“, sagte Messechef Dr. Jochen Köckler zum Abschluss der Hannover Messe. Ziemlich genau zur Halbzeit der weltgrößten Industrieschau machte US-Präsident Donald Trump seine Zollpläne konkret. Köckler und ebenso Dr. Gunther Kegel, ZVEI-Präsident und Vorsitzender des Ausstellerbeirats, sprachen auch vor diesem Hintergrund von Rückenwind für die Wirtschaft: Die Messe sei ein kraftvolles Bekenntnis zur Zukunftsfähigkeit der Industrie in Deutschland und Europa gewesen – im Schulterschluss mit ihren internationalen Partnern, so Köckler.
"Werden uns wehren: Ellbogen hoch"
Gunther Kegel, der im Hauptberuf Chef des Mannheimer Maschinenbau-Zulieferers Pepperl+Fuchs ist, zeigte sich ebenfalls selbstbewusst angesichts der Herausforderungen aus den USA: „Wir wissen, wie wir mitspielen können, das haben wir von Kanada gelernt“, sagte er mit Blick auf das diesjährige Partnerland. Was bedeutet: „Wir werden uns wehren. Ellbogen hoch.“ Kegel betonte aber auch, man lasse sich die guten Beziehungen zu vielen loyalen Kunden nicht „von wenigen verderben.“
Kanada war bereits früh ins Blickfeld der Trump-Administration geraten. Die betont gute Stimmung, mit der Christina Bilyk und Jayson Myers für die kanadische Beteiligung sprachen, wirkte aber noch nicht einmal trotzig, sondern ergab sich aus dem Messeverlauf. Beide waren in Eishockey-Trikots bei der Abschluss-Pressekonferenz aufgelaufen: Sicher auch ein Zeichen für „Ellbogen hoch“. Rund 1000 kanadische Teilnehmende, 250 Aussteller, eine Vielzahl von Delegationen und Geschäftsabschlüsse: „Wir haben’s geschafft. Und melden Erfolg“, sagte Christina Bilyk.
Hoher Auslandsanteil: China und die Niederlande vorn
Die diesjährige Hannover Messe zog rund 127.000 Besucherinnen und Besucher aus insgesamt 150 Ländern nach Hannover, etwa 3000 weniger als in den beiden Jahren zuvor. Aus Sicht von Beiratschef Gunther Kegel ein Erfolg nach zwei Rezessionsjahren in Deutschland: „Überraschend stark“, so seine Einschätzung. Mehr als 40 Prozent der Besucher kamen aus dem Ausland. Die wichtigsten Besucherländer nach Deutschland waren China, die Niederlande, Kanada, Polen, Südkorea und Japan.
Die rund 4000 ausstellenden Unternehmen vertraten etwa 60 Länder. Das entspricht in etwa dem Vorjahresniveau.
Inhaltlich stand insbesondere Künstliche Intelligenz im Vordergrund. Gunther Kegel sieht darin eine Weiterführung der Themen aus den vergangenen gut zehn Jahren. Industrie 4.0 etwa habe die Basis gelegt für die aktuellen Anwendungen wie vor allem KI. Deutschland sei in der Lage, auch weiterhin eine führende Rolle zu übernehmen, so Kegel: „Industrielle KI ist ein neues Wachstumsfeld und wird der Automatisierung und Digitalisierung der Industrie einen neuen Schub verleihen.“ Weiter nannte er als wichtige Messe-Schwerpunkte Forschung und Innovation sowie Energie mit besonderem Blick auf das Thema Wasserstoff: „H2 kommt gut an“, so Kegel.
Wichtigstes Schaufenster der Branche
Der Chef des Messebeirats betonte außerdem die Rolle der Hannover Messe als Schaufenster der Branche. Die habe nur einmal im Jahr Gelegenheit, sich in der Öffentlichkeit zu präsentieren und die zukunftsprägenden Mega-Trends vorzustellen.
Was die Bedeutung der Messe angeht, liegen Kegel und Köckler auf einer Linie, wobei der Messechef verschiedene Aspekte der hannoverschen Industrieschau hervorhob: Sie sei sowohl Technologie-Schau als auch Business Messe sowie darüber hinaus Plattform für den wirtschaftspolitischen Dialog und die internationale Kooperation. Alles umso wichtiger in einer von Unsicherheit geprägten Weltlage, so Köckler.
Alle Trümpfe in der Hand
Hinzu kommt die aus Sicht des Messechefs einzigartige Ausrichtung der Messe mit der Kombination Maschine – Digitalisierung. Köcklers Fazit: „Technologisch haben wir alle Trümpfe in der Hand, um in Deutschland und Europa wettbewerbsfähig, nachhaltig und innovativ zu produzieren. Die Messe hat der Industrie – gerade in herausfordernden Zeiten – Orientierung und Rückenwind geboten.
Die nächste Ausgabe wird vom 20. bis zum 24. April 2026 in Hannover ausgerichtet. Dann ist Brasilien ist das Partnerland.