Heinrich-Dammann-Stiftung: Alles für die Jugend
05. Oktober 2026 | von Georg ThomasVor 35 Jahren gründete der Hildesheimer Unternehmer Heinrich Dammann zusammen mit seiner Frau eine Stiftung zur Förderung der Jugend, die durch ihren Nachlass zu den größeren Jugendstiftungen Deutschlands gehört.
Sie gehört zu den Großen. Die meisten anderen Stiftungen haben meist nur einige hunderttausend Euro oder einstellige Millionenbeiträge an Stiftungskapital. Die Heinrich-Dammann-Stiftung verfügt über „deutlich mehr als 30 Mio. Euro. Damit gehören wir zu den obersten fünf Prozent der Stiftungen in Deutschland“, sagt Thomas Schlichting.
Der 65-Jährige ist Geschäftsführer der kirchlichen Stiftung, die 1991 von Heinrich Dammann, dem Inhaber der gleichnamigen Kreidewerke aus Söhlde im Landkreis Hildesheim, und seiner Frau Ortrud zunächst mit 100 000 D-Mark gegründet wurde. Das Unternehmerpaar entschied sich später dazu, auch ihren Nachlass – vor allem den Erlös aus dem Verkauf der Vereinigten Kreidewerke Dammann mit Standorten auf Rügen, bei Itzehoe und dem Stammsitz Söhlde – in eine Stiftung zu überführen. Der Wunsch des kinderlosen Ehepaars, das bis zu ihrem Tod 2014 die Stiftung noch selbst mitlenkte: das Geld sollte der Jugend zugutekommen, vor allem der vom Land. Sie entschieden sich für eine kirchliche Stiftung, die insbesondere die evangelische Jugendarbeit auf dem Gebiet der Landeskirche Hannovers und der allgemeinen Jugendarbeit in den weiteren Teilen Niedersachsens in den Blick nehmen sollte.
„Der Jugend wird heutzutage zu wenig zugetraut. Dabei dürfen wir durchaus mehr Vertrauen in die Jugend haben“, sagt Thomas Schlichting, der seit elf Jahren die Geschäfte der Stiftung führt. Die Schwerpunkte ihrer Förderung legt die Stiftung auf die Partizipation Jugendlicher, die Vernetzung der Träger von Jugendarbeit und die Entwicklung zukunftsweisender Jugendarbeit auf dem Land. Es gibt Förderung für Projekte aus dem Bereich Kunst & Kultur, zum Beispiel für ein Theatertreffen oder die EVI Lichtungen in Hildesheim, für Sportliches, zum Beispiel für ein Triathlon-Erlebniscamp oder Vorhaben aus dem Bereich Bildung wie etwa ein Boxprojekt oder Kinder- und Jugendbuchwochen, um nur mal einige Beispiele zu nennen.
Hinter vielen Förderanträgen, die ihn erreichen, steckt ein hohes Maß an Engagement von Jugendlichen. Und die Stiftung setzt darauf, dass dieses auch bei der Umsetzung von geförderten Vorhaben zum Vorschein kommt. So gibt es beispielsweise nur 10 000 Euro für die Einrichtung eines Jugendraums, wenn sichergestellt ist, dass die Jugendlichen sich bei kleineren Renovierungsarbeiten dabei miteinbringen. 25 Räume sind so bereits in Niedersachsen bezuschusst worden. Die hohe Nachfrage habe ihn überrascht. „In Zeiten knapper Kassen, scheint es die Jugend mit ihren Anliegen nicht immer leicht zu haben“, mutmaßt Schlichting.
Seit einigen Jahren bietet die Dammann-Stiftung auch eigene Projekte an, die Jugendliche inspirieren sollen. Unter dem Stichwort „Apfelblau“ winken 500 Euro Förderung, die Jugendgruppen beispielsweise zum Anlegen und Bepflanzen eines Gemeinschaftsgarten einsetzen können. Das Geld könnte aber ebenso für einen eintägigen Workshop zur Zukunft der Jugendarbeit genutzt werden.
Im Jahr 2025 unterstützte die Stiftung insgesamt 118 Projekte. Die Zahl der Anträge lag laut Geschäftsführer Schlichting „mindestens drei Mal so hoch“. Zur Förderung steht der Stiftung jedes Jahr ein hoher sechsstelliger Betrag zur Verfügung. Drei Mal im Jahr tagt der siebenköpfige Vorstand – dem neben dem Pastor der evangelischen Kirchengemeinde aus Söhlde auch IHK-Hauptgeschäftsführerin Maike Bielfeldt angehört – und entscheidet über die Vergabe. Ein Kuratorium kontrolliert den Vorstand. „Größere Vorhaben lassen wir zusätzlich durch eine externe Gutachterin bewerten“.
Zu den Mitarbeitenden gehört mit Jacquelin Stürmer inzwischen auch ein ehemaliges Mitglied der Jugendcrew. In diesem Gremium, das zur Heinrich-Dammann-Stiftung gehört, entscheiden Jugendliche über die Förderung von Jugendprojekten mit bis zu 1000 Euro selbst. Und sie tun es im Sinne des Stifterehepaars Heinrich und Ortrud Dammann, die mit ihrem Weitblick die Arbeit der Stiftung ermöglicht haben.
