IHK-Kommentar: Pisa begegnen
02. Oktober 2026Silke Richter, IHK Hannover, kommentiert:
"Als 2001 die Ergebnisse der ersten Pisa-Studie veröffentlicht wurden, ging ein Aufschrei durch das Land. Einige Pisa-Studien und 25 Jahre später haben sich die Gesamtergebnisse weiter verschlechtert. Ein Drittel der Schülerinnen und Schüler sieht die Schule sogar als komplette Zeitverschwendung an.
Unternehmen merken das täglich: 94 Prozent der niedersächsischen Ausbildungsbetriebe stellen Defizite bei der Ausbildungsreife fest, 40 Prozent geben ihren Auszubildenden Nachhilfe, fast jede Firma ergreift Fördermaßnahmen. Doch auch die engagiertesten Ausbildungsbetriebe können nicht auffangen, was vorher versäumt wurde.
Hinzu kommt: In Niedersachsen verließen 2025 knapp zehn Prozent der Jugendlichen die Schule ohne Abschluss; die meisten von ihnen werden ohne Berufsabschluss bleiben. Bildungsreformen haben bislang nicht den gewünschten Erfolg gebracht, weder beim Bildungsniveau noch zur Verhinderung von Schulabbrüchen.
Wer die Pisa-Studie genauer liest, sieht aber auch Zahlen, die Mut machen: Vier von fünf Schülerinnen und Schülern halten sich für neu- und wissbegierig. Mehr als die Hälfte überprüft regelmäßig mit verschiedenen Fragestellungen, ob sie den Stoff richtig verstanden haben. In diesen Feldern schneidet Deutschland über dem OECD-Durchschnitt ab. Viele Jugendliche haben also Lust zu lernen und sind im Grunde hoch motiviert.
Politik muss hier mit aller Konsequenz ansetzen. Das geht nur Schritt für Schritt, und es geht nicht von heute auf morgen, aber es ist der richtige Weg. Nicht richtig ist es hingegen, ein Absinken von Bildungsstandards hinzunehmen und es Ausbildungsbetrieben zu überlassen, dies aufzufangen oder gar mit einer Ausbildungsplatzabgabe für die Versäumnisse des Bildungssystems zu bestrafen.
Die Wirtschaft leistet ihren Beitrag zur Nachwuchsförderung mit vielfältigen Formaten zur beruflichen Orientierung und großem Ausbildungsengagement auch in schwierigen Zeiten. Dieses Engagement muss auf einer stabilen Bildungsbasis aufsetzen. Nur so bleibt der Wirtschaftsstandort Deutschland zukunftsfähig."
