Streiflicht - die Freitags-Kolumne: Vorwärts in die Vergangenheit

04. April 2025

Heute ein König: Keine Ahnung, welche Bilder da in Ihrem Kopf auftauchen. Aber die Sache ist bierernst. Ein Wort übrigens, das laut Wörterbuch eine übertriebene, fast schon komische Ernsthaftigkeit beschreibt. Das trifft die aktuelle Lage vielleicht ganz gut. 

Die USA sind mit ihrer Zollpolitik in die Ära des Merkantilismus zurückgefallen.  Kurzer historischer Abstecher. Der Merkantilismus war gerade noch en vogue, als die USA gegründet wurden. Die Leistungsbilanz stand im Mittelpunkt: Möglichst wenig importieren, dafür exportieren. Oder im Inland produzieren. Gern genommenes Mittel: Zölle. Die Namen, die mit dem aufblühenden Merkantilismus verbunden sind: Jean Baptiste Colbert als Denker und Ludwig XIV. als König. Als Sonnenkönig. Der Staat bin ich, soll er gesagt haben. Oder auf gut französisch: L’etat, c’est moi. Das galt für den vierzehnten Ludwig bis 1715, als er starb. Ist also schon ‘ne Weile her.

Aber, um in die jüngere Geschichte zurückzukehren, gab’s da nicht gerade erst ein Bild, das den amtierenden US-Präsidenten mit einer Krone zeigt?

Heute ein König. Allerdings wurde der Merkantilismus abgelöst von der klassischen Nationalökonomie: Ursprung der modernen Wirtschaftswissenschaften. Einer der Vordenker: David Ricardo. Der zeigte 100 Jahre nach des Sonnenkönigs Tod, dass Importzölle einer Wirtschaft letzten Endes schaden. Ach, wenn es doch Zeitreisen gäbe und Ricardo erleben würde, was gerade passiert: Da dürften Gesichtszüge entgleisen. Mindestens. 

Die frühen Nationalökonomen wurden getrieben vom Gedanken des Reichtums der Nationen. Eigentlich aller Nationen. Das hat verhältnismäßig gut funktioniert. Bleibt also zu hoffen, dass es nicht wieder 100 Jahre dauert bis zur Rückbesinnung auf die Vorteile des freien Handels.