US-Zölle: Wie Niedersachsens Wirtschaft darauf reagiert
03. April 2025Niedersachsens Wirtschaft exportiert kräftig in die USA. Zum Teil haben sich Unternehmen bereits auf die jetzt angekündigten Zölle vorbereitet. Vor allem aber schlägt die Unsicherheit durch.
Die USA sind mit einem Gesamtvolumen von 7,3 Mrd. Euro Niedersachsens Hauptexportmarkt außerhalb der Europäischen Union. Und nur in die zwei EU-Staaten liefern niedersächsische Unternehmen noch mehr: in die Niederlande für gut 10 Mrd. Euro, und nach Frankreich für mehr als 8 Mrd. Euro.
Die Erfahrung der IHK Hannover: Viele in den USA tätige Unternehmen haben in den letzten drei Monaten ihre Lagerhaltung in den USA stark nach oben gefahren. Das betrifft nicht nur dort produzierende Unternehmen, die Vorprodukte für ihre Produktion, die nicht aus den USA stammen, auf Lager gelegt haben: Auch Unternehmen, die nur in die USA exportieren, haben vielfach schon größere Mengen ihrer Produkte in die USA gebracht, um auf eine Zollerhöhung vorbereitet zu sein. „Die Haltung ist hier häufig: Erst einmal so weit vorbereitet sein, dass man die ersten Monate überstehen kann, ohne große Veränderungen zu spüren – und dann in aller Ruhe weitere Schritte einleiten“, so Tilman Brunner, Außenwirtschaftsexperte der IHK.
Produktionsverlagerung? Nicht ohne Planungssicherheit
Das gilt insbesondere für eine mögliche Verlagerung von Produktion in die USA. Zwar ist das ein erklärtes Ziel der US-Regierung. Der IHK-Experte Brunner weist aber darauf hin, dass gerade die jetzt ausgelöste Verunsicherung die Hürden dafür noch erhöht: „Was wir derzeit noch nicht feststellen, ist, dass Unternehmen großflächig planen, eine Produktion in die USA zu verlagern, um Zölle zu umgehen“, so Brunner. „Solche Investitionsentscheidungen benötigen in der Umsetzung mehrere Jahre – und vor allem benötigen sie Planungssicherheit hinsichtlich der Rahmenbedingungen. Und die ist im Moment überhaupt nicht gegeben, wie wir alle jeden Tag aufs Neue sehen.“
Die wichtigsten niedersächsischen Exportgüter sind Automobile, Pharmazeutika und Maschinen. Aber auch für Unternehmen aus vielen anderen Branchen sind die USA einer der Hauptexportmärkte. Ob und in welchem Maße die Anfang April verkündeten Zölle nun Umsätze oder Gewinne schmälern werden, ist nach Ansicht von Brunner pauschal nicht zu sagen, sondern hängt bei jedem einzelnen Unternehmen von der Wettbewerbsposition ab. Manche Unternehmen würden die Zölle wohl einfach über entsprechende Preiserhöhungen an die Kunden weitergeben können, so Brunner. Bei anderen, deren Wettbewerbsdruck in den USA größer ist, werde das aber nicht funktionieren – mit der Folge sinkender Marktanteile oder geringerer Gewinnmargen.
Die EU ist gefordert: Statement von IHK-Chefin Maike Bielfeldt zu den US-Zöllen.