
Experten für medizinische Stents
31. März 2025 | von Barbara DörmerWir sind mit Laserbearbeitung gestartet“, erklärt Dr. Jakob Dohse (36) die Geschichte der MeKo Manufacturing e.K. Der Gründer und Inhaber des Unternehmens, Dr. Clemens Meyer-Kobbe (66), entschied sich nach seiner Promotion und Forschung im Laser Zentrum Hannover 1991 zum Sprung in die Selbstständigkeit: Er kaufte einen gebrauchten Laser, baute eine Garage zur Werkstatt um und begann mit seinem Ein-Mann-Betrieb MeKo Laserstrahl-Materialbearbeitungen e.K. die hochpräzise Materialbearbeitung von Metallen und anderen Materialien. Heute zählt das Unternehmen mit seinen rund 400 Beschäftigten in seinen beiden Geschäftsbereichen MedTech und MetalWorks namhafte Industrieunternehmen, vorwiegend aus Deutschland und den USA, zu seinen Kunden.
Bleche und Rohre, filigrane oder auch mehrere Meter große Bauteile können von MeKo mit Lasersystemen bis auf wenige Mikrometer genau geschnitten, gebohrt, geschweißt und beschriftet werden. Darüber hinaus bietet MeKo Nachbearbeitungsprozesse wie Wärmebehandlung, Elektropolitur und mechanische Bearbeitung an.
1995 leistete MeKo Pionierarbeit in der Fertigung von Stents – also winzigen Implantaten, die der inneren Schienung zum Beispiel von Gefäßen dienen. So war MeKo eines der beiden ersten Unternehmen weltweit, das Herzkranzgefäß-Implantate mit dem Laserschnitt gefertigt hat. „Seitdem kam die Medizintechnik immer weiter in die DNA des Unternehmens“, so Dohse. Heute gehört MeKo weltweit zu den größten Auftragsfertigern für Stents.

Die auf Komponenten für Kunden aus der Medizintechnik gerichtete Sparte MedTech trägt rund 90 Prozent zum Gesamtumsatz bei. Für Kardiologie, Radiologie, Neurologie, Augenheilkunde oder Urologie produziert MeKo neben Stents auch Implantate wie Herzklappenrahmen, Wirbelsäulenklammern, Instrumente für die minimalinvasive Chirurgie, Fangkörbchen für Steine und Gerinnsel, Knochensägen, Wurzelkanalfeilen oder orthopädische Komponenten wie Prothesen oder Orthesen. Für eine saubere und partikelfreie Produktion stehen zwei Reinräume zur Verfügung.
„Wir machen sehr langfristige Forschung, die sich erst in einigen Jahren realisieren wird“, erklärt Dohse. „Ein Thema, mit dem wir uns seit fast 20 Jahren beschäftigen, sind bioresorbierbare Stents und Implantate aus einer Magnesiumlegierung. Mit dieser Legierung sind wir in der Lage, Stents zu bauen, die sich in sechs bis zwölf Monaten abbauen. Für diese nächste Stent-Generation entwickeln wir gerade die Plattform.“ Der 36-Jährige promovierte Maschinenbauer kam 2006 zum ersten Mal im Rahmen eines Schülerjobs ins Unternehmen und verliebte sich in die älteste Tochter von Firmenchef Meyer-Kobbe. Nach seinem Studium ist Dohse ins Unternehmen eingestiegen, 2023 hat er Prokura erhalten und weitgehend das Ruder von seinem Schwiegervater übernommen, der noch beratend im Hintergrund tätig ist.
Eine weitere Kompetenz von MeKo ist die Medikamentenbeschichtung von Implantaten zur Unterdrückung der Immunabwehr, um Restenosen – also Einwachsungen in die Implantate – zu vermeiden. Und speziell für Allergiker hat der Laserspezialist Implantate aus einer nickel- und cobaltfreien Legierung entwickelt. Im Jahr 2020 wurden im indischen Bangalore die ersten dieser Stents implantiert. Nun stehen sie kurz vor der Zulassung. Mit seiner zweiten Sparte MetalWorks bedient MeKo Industriekunden aus vielen Branchen, darunter beispielsweise der Maschinen- und Anlagenbau, die Nahrungsmittelindustrie sowie die Luftfahrt- und Automobilindustrie.
Neben der technischen Umsetzung legt der Zulieferer großen Wert auf eine enge Zusammenarbeit mit seinen Kunden. „Unsere Kundenbeziehungen sind generell sehr lang. Wir entwickeln zusammen Produkte bis zur Marktreife, das kann bis zu acht Jahre lang dauern. Dabei geht es am Anfang darum, recht schnell Prototypen liefern zu können“, so Dohse. „Wir stellen nie eigene Produkte her, die zugelassen werden, sondern übernehmen die Auftragsfertigung von Produkten, die wir mit unseren Kunden entwickeln. Das ist auch bewusst so, damit wir nicht mit unseren Kunden in Konkurrenz treten.“
Der Spezialist aus Sarstedt hält über 40 Patente für seine Innovationen und hat rund 85 Prozent seiner Maschinen selbst entwickelt. Das Qualitätsmanagement ist ISO-zertifiziert und von der zentralen US-amerikanischen Behörde Food and Drug Administration (FDA) geprüft, hinzukommen spezielle Audits seitens der Kunden.
Bei der Entwicklung von Komponenten bis zur Marktreife arbeitet MeKo viel mit Start-ups aus Israel und dem Silicon Valley zusammen. „35 Prozent von dem, was wir machen, geht direkt in die USA“, sagt Dohse. Aus diesem Grund wurde im vergangenen Jahr ein Vertriebsbüro mit zwei Mitarbeitenden in Minneapolis eröffnet. Darüber hinaus hat MeKo in Costa Rica eine Tochtergesellschaft gegründet, in der ab Sommer Weiterbearbeitungsprozesse für die Medizinsparte anlaufen sollen.

„MeKo unterstützt innovative Start-ups aus Ländern wie Israel und den USA durch seine Expertise und das Know-how der komplexen Prozessschritte. Wir begleiten diese von der Optimierung der Bauteilzeichnung über die Entwicklung von Prototypen bis hin zur Serienfertigung", so Dr. Jakob Dohse.
Der 36-Jährige führt das von Dr. Clemens Meyer-Kobbe gegründete Unternehmen, sein Schwiegervater ist noch beratend im Hintergrund tätig.