
Ausbildung 2025: Ausländische Jugendliche sorgen für Anstieg
29. August 2025 | von Klaus PohlmannIn diesem Jahr ist die Zahl von Bewerberinnen und Bewerbern um einen Ausbildungsplatz in Niedersachsen um rund 1300 gestiegen. Dieses Plus geht ausschließlich auf das wachsende Interesse von Jugendlichen mit ausländischer Staatsangehörigkeit zurück. Das geht aus einer gemeinsamen Presseinformation niedersächsischer Kammern sowie der Bundesagentur für Arbeit Niedersachsen – Bremen hervor.
Während die Zahl junger Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit, die eine Ausbildung machen wollen, um rund 450 auf ziemlich genau 34.670 sank (- 1,3 %), stieg die Zahl der Ausbildungsinteressierten mit ausländischem Pass um 18,3 Prozent auf 11.420. Sie stellen damit fast ein Viertel der Bewerberinnen und Bewerber in Niedersachsen. Und von ihnen haben über 6000 einen Fluchthintergrund. „Wir sehen einen anhaltenden Trend und großes Potenzial. Jugendliche mit ausländischer Staatsbürgerschaft werden eine immer wichtigere Rolle für den Ausbildungsmarkt spielen“, erklärte Johannes Pfeiffer, Chef der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen der Bundesarbeitsagentur.
Zwischenbilanz zum Ausbildungsjahr 2025
Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern sowie die Landwirtschaftskammer in Niedersachsen habe Ende August eine Zwischenbilanz zum Ausbildungsjahr 2025 gezogen. Im Bereich der IHK Niedersachsen (IHKN) wurden zum Ausbildungsstart Anfang August bislang mehr als 21.000 Ausbildungsverträge registriert. Bei den Handwerkskammern waren es gut 10.250, bei der Landwirtschaftskammer 2100. Hinzu kommen Ausbildungsverträge bei den Freien Berufen, im öffentlichen Dienst sowie außerdem schulische Ausbildungen.
Während die Kammern die eingetragenen Ausbildungsverhältnisse zählen, stellt die Arbeitsagentur die registrierten Bewerberinnen und Bewerber den gemeldeten Lehrstellen gegenüber. Das Verhältnis ist dabei relativ ausgewogen, trotz eines Rückgangs der angebotenen Ausbildungsplätze um 4,2 Prozent. Zwischen Anfang Oktober 2024 und Ende August dieses Jahres zählte die Arbeitsagentur 46.570 betriebliche Stellen, denen im gleichen Zeitraum insgesamt 46.081 Ausbildungsplatzsuchende gegenüberstanden. Rechnerisch, so die Arbeitsagentur Niedersachsen-Bremen, kamen Ende August landesweit auf 100 angebotene betriebliche Ausbildungsstellen 100 Bewerberinnen und Bewerber. Vor Jahresfrist lag die Zahl der Interessenten noch etwas niedriger.

Was auf den ersten Blick vergleichsweise ausgewogen scheint, zeigt deutliche regionale Unterschiede. Während im Landkreis Wolfenbüttel rein rechnerisch auf 100 Ausbildungsstellen 56 Bewerbende kommen, sind es in der Grafschaft Bentheim 236. In den meisten Landkreisen im Bereich der IHK Hannover ist das Verhältnis ziemlich ausgeglichen. In der Region Hannover allerdings kommen auf 100 Stellen lediglich 80 ausbildungsinteressierte Jugendliche. In Göttingen dagegen sind es 122.
Bielfeldt: "Fachkräfte händeringend gesucht."
Der Ausbildungsmarkt ist auch jetzt noch in Bewegung. „Fachkräfte werden heute und morgen in der niedersächsischen Wirtschaft händeringend gesucht“, so Maike Bielfeldt, Hauptgeschäftsführerin der IHK Niedersachsen. Sie forderte sowohl Jugendliche als auch Unternehmen auf, weiter am Ball zu bleiben: „Selbst, wenn die meisten Betriebe ihre Auszubildenden am 1. August begrüßt haben, besteht für die jungen Leute noch Jahresende die Möglichkeit, in eine Ausbildung einzusteigen.“
Aktuell sind von den bei den Arbeitsagenturen gemeldeten betrieblichen Ausbildungsstellen noch über 11.800 unbesetzt, etwa 12 Prozent weniger als zum gleichen Vorjahreszeitpunkt. Allerdings nahm die Zahl noch unversorgter junger Menschen zu, auf rund 11.200 Bewerberinnen und Bewerber. Sie haben auch noch keine Alternative wie etwa einen weiteren Schulbesuch oder ein soziales Jahr festgemacht. Die Zahl der Jugendlichen, die ohne Ausbildung direkt in einen Job einsteigen, stieg um etwa 6 Prozent auf rund 3000.
Allein, dass Kammern und Arbeitsagentur gemeinsam mit den aktuellen Zahlen des Ausbildungsjahres an die Presse gingen, zeigt die Bedeutung des Themas. Alle hoben die Qualität dieses Einstiegs in die Berufslaufbahn hervor, verbunden mit der Notwendigkeit, weiter dafür zu werben.
„Ausbildung muss wieder Goldstandard in Deutschland werden“, sagte Johannes Pfeiffer für die Arbeitsagentur. Er rief nicht nur Unternehmen dazu auf, möglichst viel auszubilden, sondern richtete sich ebenso an die Jugendlichen: „Ich möchte aber auch junge Menschen davor warnen, dem schnell verdienten Euro nachzujagen, ohne vorher eine fundierte Ausbildung zu machen.“
Unterschätzter Berufsstart
Deutschland werde um die duale Ausbildung weltweit beneidet, so IHKN-Hauptgeschäftsführerin Maike Bielfeldt. Von Eltern, Schülerinnen und Schülern werde sie aber immer noch unterschätzt. Hier informieren die Industrie- und Handelskammern auf verschiedenen Wegen und setzen sich für eine verstärkte Berufsorientierung ein, um das zu ändern.
Auch Dr. Hildegard Sander, Landesvertretung der Handwerkskammern in Niedersachsen, wie auf die Ausbildungsberatung hin als Möglichkeit, sich über die Vielfalt der Berufe zu informieren. Unabhängig von Schulnoten zählen Teamgeist und Motivation, so Sander. Dr. Bernd von Garmissen, Landwirtschaftskammer Niedersachen, erklärte: „Eine Ausbildung bietet ein solides Fundament für die berufliche Zukunft – und vor allem wertvolle praktische Erfahrungen, die ein Leben lang von Nutzen sind.“
Insgesamt gab es in Über alle in der Regel drei Ausbildungsjahre Ende vergangenen Jahres fast 159.000 Menschen in einer sozialversicherungspflichtigen Ausbildung. Die Zahl der Azubi ohne deutschen Pass belief sich dabei auf 20.349.
Hier gibt es Informationen und Hinweise auf noch freie Ausbildungsstellen:
www.meine-ausbildung-in-niedersachsen.de