Jürgen Wache. Foto: Barbara Dörmer
Interview mit Jürgen Wache: Den Weg zum Kunden - immer wieder finden
25. Juni 2026 | von Barbara DörmerDie Schnittstelle zum Kunden - und wie sie sich in den vergangenen vier Jahrzehnten verändert hat: Das bewegt Jürgen Wache ganz besonders, wenn er nach den Meilensteinen seines Berufslebens gefragt wird. Seit 1982 arbeitet er in der genossenschaftlichen Bankenwelt, zunächst bei den Volksbanken in Garbsen und Burgdorf-Celle. Der heute 66-Jährige verlässt jetzt als Vorstandschef die Hannoversche Volksbank.
„Als ich anfing, war die Bankwelt eine ganz andere, es war ein typisch persönliches Geschäft. Die ersten Automaten waren Geldautomaten, später kamen Kontoauszugsdrucker und SB-Terminals zu. Dann kam der erste PC in die Bank. Irgendwann stand auf jedem Schreibtisch ein PC. Heute erwarten unsere Kunden, dass sie über die digitalen Schnittstellen eine ständige Verfügbarkeit zu ihrer Bank haben. Die Kundenschnittstelle, die früher filialbezogen und sehr persönlich war, hat sich gewandelt: Wir müssen für den Kunden auch in der digitalen Welt wahrnehmbar sein.“
Wache nennt andere Einschnitte, die sein Berufsleben prägten: die Finanzmarktkrise, die die Bankenwelt durchgerüttelt hat, oder die Subprime-Krise. Und die Corona-Pandemie mit ihren gravierenden Veränderungen, auf die Arbeitsweisen unserer Mitarbeiter als auch die Ansprüche der Kundinnen und Kunden.
„Man trifft sich heute wie selbstverständlich per Videokonferenz. Für die Kundenschnittstelle bedeutet dieses: Wir müssen Erlebnisse auf allen Ebenen bieten – persönlich, persönlich digital und digital – und dabei sicherstellen, dass die erhaltenen Informationen anschließend gleichberechtigt zur Verfügung stehen. Die nächste Entwicklung, die kommen wird, ist der Einbezug der Künstliche Intelligenz. Künftig können KI-Agenten auf Seiten der Kunden Aufgaben übernehmen. Für uns Banken heißt das, entsprechende Schnittstellen zu schaffen. Wir müssen uns fragen: Wo ist morgen der Mehrwert für den Kunden, die Leistungen einer regionalen Volksbank in Anspruch zu nehmen? Bis heute hat sich die genossenschaftliche Finanzgruppe dabei gut geschlagen. Aber darauf kann man sich nicht ausruhen.“
„In der Vergangenheit war die Sparkasse unser Hauptwettbewerber, heute sind es eher die Neobanken sowie die großen Big Techs. Viele Banking-Funktionen sind heute Teil anderer Wertschöpfungsketten. Im E-Commerce wollen sich die Menschen schlicht einen Wunsch erfüllen, dann ist das Bezahlen nur ein technischer Vorgang und damit keine wahrgenommene Bankleistung.“
Mehr als vier Jahrzehnte bei der Volksbank, und immer im Raum Hannover: Wie Jürgen Wache Veränderungen in Stadt, Gesellschaft und Wirtschaft wahrgenommen hat, beantwortet er hier.
Sie sind fest in Hannover verwurzelt. Wie hat sich die Stadt aus Ihrer Sicht seit den 80er Jahren verändert?
Die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen spiegeln sich wider. Das erleben wir in allen Städten sichtbar u.a. im Einkaufsverhalten. Die großen Kaufhäuser sind immer schwieriger zu füllen, leider geht auch der inhabergeführte Einzelhandel zurück. Diese Veränderungen spüren wir auch Hannover. Es ist letztlich das Ergebnis dessen, was von den Menschen nachgefragt wird. Wenn man dies nicht möchte, sollte man sein Einkaufsverhalten ändern - gleichzeitig müssen sich die Städte natürlich den veränderten Kundenbedürfnissen anzupassen, um attraktiv zu bleiben.
Und als Wirtschaftsstandort?
Für unsere Planung schauen wir immer nach vorne und fragen: Wie attraktiv ist unser Wirtschaftsraum? Wie entwickeln sich die Einkommensverhältnisse? Welchen Einfluss hat das auf die Kaufkraft und Sparfähigkeit? Die Region Hannover liegt hier über dem bundesweiten Durchschnitt. Wir haben einen attraktiven Markt – sowohl, was das Privatkundengeschäft betrifft, aber auch was die mittelständischen Unternehmen betrifft - die auch im Wandel sind, das merken wir natürlich ebenfalls. Viele Branchen befinden sich in der Transformation. Dieses hat es aber auch in der Vergangenheit immer gegeben. . Die Region Hannover ist für uns weiterhin ein sehr attraktiver Standort und Wirtschaftsraum. Und das sollten wir für uns nutzen!
Was ist Ihnen als Perspektive für die Region wichtig?
Die Hannoversche Volksbank ist nicht nur in der der Landeshauptstadt, sondern auch in der Region zu Hause. Uns ist wichtig, dass wir eine gute Verkehrsanbindung haben, weil ein Großteil unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Umland in die Landeshauptstadt pendeln. Deswegen ist ein funktionierender öffentlicher Nahverkehr wichtig. Zweitens brauchen wir in der Stadt und der Region bezahlbaren Wohnraum. Zudem ist wichtig, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine Infrastruktur vorfinden, die ihren Bedürfnissen an Freizeit, Versorgung, Schulen etc. entspricht. Deswegen sind wir auch immer wieder mit den kommunalen Verantwortlichen in Gesprächen und schauen, wo wir helfen oder unterstützen können. Wir haben ein großes Interesse daran, die Attraktivität der Stadt und der Region zu erhalten und auszubauen. Mit unserer Förderung setzen wir uns dafür ein, ein attraktives Umfeld zu schaffen und dadurch auch unsere Arbeitgeberattraktivität zu erhöhen. Wir engagieren uns beispielsweise für Sportvereine und soziale Einrichtungen. Denn wir wollen – so wie die Sparkassen ja auch - einen Kosmos schaffen, in dem man gerne lebt.
Vor 16 Jahren wurde die Stiftung Hannoversche Volksbank gegründet. Auch über die Stiftung hinaus engagieren Sie sich als Bank gesellschaftlich. Wie haben sich die Schwerpunkte verändert?
Die Projekteinreichungen bei der Stiftung orientieren sich sehr stark an den jeweils aktuellen Bedürfnissen. Das war lange Zeit das Thema Integration und Inklusion, da haben die Vereine sehr viel geleistet. Aktuell sind Projekte im kulturellen Bereich wieder mehr geworden, weil die öffentlichen Gelder im Kulturbereich fehlen. Man merkt überall, wo sich die öffentliche Hand zurückzieht, so auch im Sport. Unsere Repräsentanten in den Kommunen der Region spenden meist kleinere Beträge, etwa für Trikots einer Jugendmannschaft und so weiter. Oft ist den Vereinen damit bereits sehr geholfen. Zudem sind wir Förderer der NP-Sportstiftung. Im sozialen Bereich sind wir sehr aktiv mit Ausschüttungen aus unserem Gewinnsparen und unterstützen die HAZ-Weihnachtshilfe. Mit unserer Crowdfunding Plattform können Vereine selbst Geldspenden einwerben, die wir dann großzügig aufstocken.
Gab es ein Stiftungsprojekt, das Ihnen besonders am Herzen lag?
Wir haben viele herzzerreißende Projekte umgesetzt. Ein geniales Projekt war die Schwimmoffensive. Zusammen mit der Kommunalpolitik und Vereinen wurde Kindern, die in der Corona-Zeit keinen Schwimmunterricht erhielten, das Schwimmen ermöglicht. Die Schwimmoffensive wurde sogar beim Bundesfinale unseres Ehrenamtspreises „Sterne des Sports“ mit dem zweiten Platz ausgezeichnet. Auch der Bewegungspass, bei dem junge Menschen zu Fuß oder mit dem Roller anstatt Elterntaxi in die Schule kommen, läuft toll. Inzwischen werden jährlich fast 20.000 Pässe an die Kids ausgegeben. Da kommen wir gerade an Grenzen, aber das läuft so gut!
Apropos Nachwuchs. Würden Sie jungen Menschen heute noch eine Ausbildung als Bankkauffrau/-kaufmann empfehlen?
Wenn ich sehe, mit welchem Elan die jungen Menschen bei uns eine Ausbildung machen, kann ich nur sagen: Ja, es ist nach wie vor eine interessante und gute Ausbildung, denn sie hat mit Menschen zu tun. Und sie bietet viele individuelle Entwicklungsschritte, die man danach gehen kann.
Die Fragen stellte Barbara Dörmer.
