KI-Forschung: Es hakt bei der Umsetzung
04. August 2026KI bricht aus Testumgebungen aus und greift eigenständig Websites an: Nicht das einzige Schreckensszenario in den vergangenen Monaten, das Europas Rückstand in bestimmten der Künstlichen Intelligenz zeigte. Dr. Georg Schütte, Chef der VolkswagenStiftung, im Interview.
Dass die USA den Rest der Welt von den aktuell wirkungsvollsten KI-Anwendungen einfach so abschneiden kann, galt bereits als Schock. Erstmal eine - vielleicht rhetorische - Frage: Wird in Deutschland, in Europa zu wenig an KI geforscht?
Es wird nicht zu wenig geforscht. Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) etwa beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit diesem Thema. Allerdings hatten wir die Umbrüche in der Hardware-Technologie in den 2010er Jahren nicht hinreichend im Blick, als die Chips der Computerspiel-Industrie von Tüftlerinnen und Tüftlern für KI-Anwendungen genutzt wurden. Da ist Entwicklungszeit verloren gegangen. Heute gibt es exzellente KI-Grundlagenforschung in Deutschland, zum Beispiel im Cyber Valley Baden-Württemberg, aber auch an Helmholtz-Zentren und in Universitäten. Was fehlt, ist die Übersetzung der Forschungsergebnisse in die Anwendung, sind leistungsfähige und energieeffiziente KI-Rechenzentren und Gründungsökosysteme, in denen Risiko- und Wachstumskapital zur Verfügung steht.
Was müsste passieren, damit sich das ändert?

In Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen braucht es einen Kulturwandel: Der Know How-Austausch zwischen diesen Akteuren muss zur Chefinnen- und Chefsache werden. Gründung und Transfer müssen fest in der Organisations-DNA aller Akteure verankert werden.
Lässt sich der Rückstand Europas gegenüber den USA oder China überhaupt noch einholen?
Hinterherzulaufen ist im Innovationswettbewerb keine gute Strategie. Besser wird es sein, aus den eigenen Stärken heraus, beispielsweise mit Blick auf die Daten des produzierenden Gewerbes, eigene Anwendungen zu entwickeln. Es darf nur nicht beim Reden über diese und andere naheliegende Vorschläge bleiben. Entscheidend ist es, ins Handeln zu kommen. Die Welt wartet weder auf Niedersachsen noch auf Deutschland.
Wie fördert die VolkswagenStiftung KI, und hat sich dabei zuletzt etwas geändert beim Umfang oder bei den Schwerpunkten?
Als eine der größten privaten wissenschaftsfördernden Stiftungen sind wir mit unseren finanziellen Möglichkeiten klein im Vergleich zu den Fördermilliarden der öffentlichen Hand. Deshalb schauen wir nach den Nischen, in denen wir mit unserer Förderung neues Terrain erschließen und einen Unterschied machen können. So haben wir bereits vor rund zehn Jahren Forschung zu den gesellschaftlichen Auswirkungen von KI gefördert. Aktuell unterstützen wir unter anderem CAIMed - einen Forschungsverbund in Niedersachsen, der sich mit Anwendungen künstlicher Intelligenz in der Medizin beschäftigt.
Die Fragen stellte Klaus Pohlmann.
