adobestock-494324869-web: Glückliche junge Frau mit blauen Haaren und grünem Pullover vor blauem Hintergrund Der Start in die Ausbildung ist etwas vollkommen Neues für Azubis – und entsprechend spannend. Natürlich auch für Unternehmen. Foto: AdobeStock/bodnarphoto

Ausbildungsstart ohne Missverständnisse

05. August 2026 | von Sina Dorothea Hankofer

Neue Generation, neue Gewohnheiten? So können Unternehmen den Ausbildungsstart ohne Missverständnisse gestalten.


Die oder der neue Auszubildende schaut während Ihrer Erklärung ständig aufs Smartphone. Schnell entsteht der Eindruck „Der oder die konzentriert sich ja eh nicht.“ Tatsächlich nutzen Auszubildende ihr Smartphone heute ganz selbstverständlich als Arbeitsmittel. Für Notizen, den Kalender, den Taschenrechner oder auch, um schnell einen Fachbegriff nachzuschlagen. Auch digitale Werkzeuge wie Künstliche Intelligenz gehören für viele junge Menschen längst zum Alltag. Unsere Auszubildenden lernen anders, kommunizieren anders, als wir das zu Beginn unserer Ausbildung taten. Der Start in die Ausbildung ist etwas vollkommen Neues für Azubis – und entsprechend spannend. Natürlich auch für Unternehmen. 

Praxis-Tipp

Fragen Sie zunächst nach, bevor Sie urteilen. Mit einem Satz wie „Wofür nutzen Sie Ihr Smartphone gerade?“ schaffen Sie Klarheit. Kommunizieren Sie gleichzeitig transparent, welche Regeln in Ihrem Betrieb gelten und wann digitale Hilfsmittel sinnvoll eingesetzt werden dürfen. 

Rückfragen zeigen Interesse 

„Warum machen wir das so?“ Nicht immer bedeutet das Hinterfragen durch Ihre Auszubildenden gleichzeitig ein Infragestellen von Prozessen oder Erfahrung. Vielmehr steckt dahinter das Interesse, die Zusammenhänge zu verstehen, um die Ausbildungsaufgaben sicher und eigenständig erledigen zu können. Freuen Sie sich über Auszubildende, die lieber einmal mehr nachfragen, als vermeidbare Fehler zu machen. Übrigens: Auch der Wunsch nach regelmäßigem Feedback ist erfahrungsgemäß heute oft größer. Geben Sie Ihrer bzw. Ihrem Auszubildenden zeitnah Rückmeldungen, damit diese sich schneller weiterentwickeln können. 

Fragen sind willkommen 

Signalisieren Sie Ihren Auszubildenden ausdrücklich, dass Fragen willkommen sind. Gleichzeitig dürfen Sie erklären, wann eigenständiges Ausprobieren erwünscht ist. Beides schließt sich nicht aus. 

Direkt heißt nicht automatisch respektlos 

Manche Auszubildende formulieren Wünsche oder Rückmeldungen sehr direkt. Was auf Sie und andere erfahrene Mitarbeitende möglicherweise fordernd wirkt, entspricht der aktuellen Kommunikationskultur: Offen, ehrlich und eben direkt. 

Selbstverständlich sollten Ihre Auszubildenden dennoch höflich und respektvoll kommunizieren, ebenso wie Sie andersherum mit Ihren Auszubildenden. Sprechen Sie mit Ihren Auszubildenden darüber, welche Umgangsformen und Kommunikationsformen in Ihrem Unternehmen gelten. 

Bevor Sie sich ärgern … fragen Sie sich kurz

• Weiß meine/mein Auszubildende/r überhaupt, was ich gerade erwarte?
• Gibt es eine andere Erklärung für ihr/sein Verhalten?
• Habe ich die Aufgabe gut genug erklärt?
• Handelt es sich gerade wirklich um ein Problem, oder ist das Verhalten/die Situation für mich nur ungewohnt?
• Was können wir beide aus dieser Situation lernen?

Nutzen Sie Unterschiede als Chancen

Die meisten jungen Menschen bewegen sich heutzutage sicher in digitalen Anwendungen. Sie recherchieren Informationen schnell und bringen einen frischen Blick auf bestehende Abläufe mit. Gleichzeitig profitieren sie von Ihrer Erfahrung als Ausbilderin oder Ausbilder und der Ihrer Kolleginnen und Kollegen. Erfolgreich wird der Ausbildungsstart nicht nur durch das perfekte Onboarding, sondern durch die Bereitschaft, alte Rollen aufzugeben.
Wir sind längst nicht mehr autoritäre Ausbilderinnen und Ausbilder, wir sind Lernprozessbegleiter und sollten noch dazu gleichermaßen bereit sein, von unseren Auszubildenden ebenso zu lernen, wie sie von uns. 

Ausblick

Ungewohnte Verhaltensweisen neuer Auszubildender müssen nicht gleich ein Problem sein. Die Auszubildenden von heute lernen anders, kommunizieren anders, als wir das zu Beginn unserer Ausbildung taten. Lassen Sie uns Interesse zeigen, statt vorschnell zu urteilen. So können wir gemeinsam voneinander lernen und Missverständnisse gleich zu Beginn des neuen Ausbildungsjahres ausräumen. 

5 Tipps für einen gelungenen Ausbildungsstart

1. Fragen Sie nach, bevor Sie bewerten.
2. Formulieren Sie Ihre Erwartungen klar verständlich.
3. Fordern Sie Ihre Auszubildenden zu Fragen auf.
4. Geben Sie regelmäßig Feedback.
5. Erkennen Sie die Stärken Ihrer Auszubildenden und nutzen Sie sie.