Vintage technische Zeichnung einer Maschine im Stil von darkmoon art Illustration: Pixabay/Darkmoo_Art

Streiflicht, Freitags-Kolumne: Dampfmaschinenverbot

19. Juni 2026 | von Klaus Pohlmann

Wir schreiben das Jahr 1783. Ein großartiges Jahr, meinte schon der Highlander. Und der war dabei.

Aber nicht für alle großartig. Denn England verbot dem Rest der Welt, die ein paar Jahr zuvor von James Watt verbesserte Dampfmaschine zu nutzen. Die alte Newcomen-Technik ja, aber die gute neue nicht. Wobei sich Watt-Idee noch nicht einmal richtig verbreitet hatte. Sie soll die Insel nicht verlassen. Was den Lauf der Welt grundlegend verändern wird. Selbst das Personalunions-Hannover geht leer aus. 

Stimmt natürlich alles nicht. Und wenn Ihre KI demnächst von so einem Dampfmaschinen-Exportverbot im 18. Jahrhundert halluziniert, dann wissen Sie jetzt, woher diese Schwurbel-Idee kommt. 

So ganz ohne ist die Sache aber nicht. Was die KI gesellschaftlich und wirtschaftlich verändern wird, lässt sich nur mit der Wucht vergleichen, mit der die Dampfmaschine ein Zeitalter prägte. Und bei Künstlicher Intelligenz erleben wir gerade, wie die Welt von Innovationen ausgeschlossen werden soll. Stichwort: Anthropic. Wenn der Rückblick auf ein erfundenes Dampfmaschinenverbot hilft, zu verstehen, was eine heutige Entscheidung bedeuten kann, dann stellen wir fest: Ziel erreicht.

In den letzten Wochen haben wir ziemlich oft zurückgeblickt: Schließlich wurde diese Zeitschrift, die Niedersächsische Wirtschaft, 80 Jahre alt

Wirtschafts-, Industriegeschichte hat ihren eigenen Reiz. Für manche jedenfalls. Schon allein die Ausstrahlung eines Geländes oder noch stehender Gebäude: Was hier mal war! Oder noch ist, wie beim Weltkulturerbe Fagus-Werke in Alfeld. In Hannover haben gerade Industriegeschichtsbegeisterte Schautafeln aufgehängt, die an eine Vergangenheit erinnern, die Hannover bis heute prägt. An Unternehmen, von denen es viele, sehr viele nicht mehr gibt. Aber das zeigt nicht nur Vergangenheit. Sondern noch mehr und wichtiger den beständigen Wandel, die schöpferische Zerstörung Schumpeters, egal ob evolutionär oder disruptiv. Und selten war es wichtiger als heute in der Frühzeit des KI-Zeitalters, sich daran zu erinnern. Deshalb: Geschichte ist nicht Vergangenheit. Sondern etwas Lebendiges, das uns in die Zukunft begleitet. (pm)