Industriegeschichtsbegeistert: Stefani Wildung, Claudius Baumer und Andreas Kleine. Foto: Pohlmann
Aus Begeisterung für Industriegeschichte
16. Juni 2026
Für so ein Vorhaben braucht man einiges an Begeisterung. Wer interessiert sich schon für Industriegeschichte? Aber bei Stefani „Stef“ Wildung und Andreas Kleine ist der Funke längst übergesprungen. Und bei Claudius Baumer kommt noch die Familiengeschichte dazu. Die drei wollen sichtbar machen, wie reich an Unternehmen das Lindener Industriegebiet war. Deutsche Asphalt, Saline Georgenhall, Lindener Eisen und Stahl stehen nur stellvertretend dafür. Andere gibt es bis heute: Die Orpil Chemie zum Beispiel, deren Geschäftsführer Claudius Baumer ist. Gegründet wurde Orpil von Franz Henkel, seinem Urgroßvater. Womit sich ein Kreis schließt: Henkel war erster Nachkriegspräsident der IHK Hannover, genau zu der Zeit, als die Niedersächsische Wirtschaft, diese Zeitschrift, erstmals erschien. Das war vor ziemlich genau 80 Jahren.
Henkel produzierte Waschmittel und Seifen. Unvermeidlich, dass es es irgendwann Klärungsbedarf gab mit den Düsseldorfer Henkels, die Waschmittel und Seifen produzierten. Doch das ist ein eigenes Kapitel der hannoverschen Industriegeschichte.
Aber wer interessiert sich schon dafür, für diese Seite der Stadtgeschichte? Das gilt, sagen immer mehr historisch Interessierte, gerade in Hannover. Ein blinder Fleck: Stef Wildung, Andreas Kleine, Claudius Baumer arbeiten dagegen an. Unterstützt vom Stadtbezirksrat Linden-Limmer und von Hannovers Historischem Museum.
Die Tafeln für drei Unternehmen sind fertig, zwei dieser Gründerzeit-Gründungen sind auch für Hannovers Baugeschichte wesentlich. Die Lindener Eisen und Stahl, kurz LES, goß nicht nur Zahnräder, sondern auch eiserne Säulen und Kanaldeckel. Zwei Jahre vor deren Gründung entstand 1872 Hannoversche Baugesellschaft. Mit dabei der hannoversche Baurat Ferdinand Wallbrecht. Der wiederum war verschwägert mit Georg Dickert: Beide hatten Töchter von Constantin Nordmann geheiratet, Maurer und Architekt, nach dem sowohl die Nordmannpassage in Hannovers Innenstadt als auch der Nordmannsturm im Deister benannt ist. Gemeinsames Ziel, davon darf man ausgehen: Material für Hannovers Bauten. Neben den Gussteilen der LES von der Baugesellschaft Ziegel- und Natursteine sowie Asphalt.

Das dritte Unternehmen auf den Tafeln ist die Saline Georgenhall: Salzgewinnung in Linden - und zwar nicht nur dort. Älter noch war die Saline Egestorffshalls, die auf Georg Egestorff zurückgeht. Der dann später den Grundstein legte nicht nur für die Hanomag, sondern für ein ganzes Industriekonglomerat. Während Georgenhall, die Lindener Eisen und Stahl, die Baugesellschaft, auch Körting am nördlichen Rand des Lindener Industriereviers arbeiteten, lagen südöstlich davon die Hanomag oder auch die Hannoversche Waggonfabrik, später die Vereinigten Leichtmetall-Werke. War hier die Schwerindustrie zu Hause, woben Richtung Hannover die Textilfabriken unter anderem Lindener Samt.

Das alles hat man vor sich, wenn man die mittlerweile an der noch stehenden Mauer des Orpil-Pförtnerhauses die Tafeln sieht, die dort mittlerweile angebracht sind. Jedenfalls vier von insgesamt fünf: Andreas Kleine hat noch einen Lageplan gezeichnet, der bis ins Jahr 1900 zurückgeht.
Warum das alles? Wie man es auch dreht und wendet: aus Begeisterung. Für einen prägenden Teil der Stadtgeschichte. Der Hannover bis heute sicher mehr beeinflusst als, sagen wir mal, die Welfen.
Die drei in Linden zeigen, was geht. Stefani Wildung hat macht auch in einem kleinen Museum die Industriegeschichte zugänglich. Zu tun gibt’s aber noch genug, in Hannover und anderswo. Wenn Sie ein historisches Projekt verfolgen, das mit Wirtschaft zu tun hat, in Hannover oder anderswo, sprechen Sie uns an:
klaus.pohlmann@hannover.ihk.de
