IR Guard 3 Infrarot-Überwachungssystem auf einem Stativ auf einer Plattform im Freien Technologie aus Eime im Landkreis Hildesheim: Der IR-Guard von Quantom soll bald in Remote Tower Systemen zum Einsatz kommen. Foto: Quantom

Quantom: Sie erkennen, was zu tun ist

28. Juli 2026 | von Georg Thomas

Hochauflösende Kameratechnik und intelligente Bilderkennung: Die Quantom GmbH aus Eime entwickelt Software und Bildverarbeitungslösungen für sicherheitskritische Anwendungen.

Die Kontrolle übernimmt immer noch ein Mensch. Aber beim Start oder der Landung eines Flugzeugs an den Flughäfen Erfurt-Weimar oder Saarbrücken ist keine Fluglotsin oder Fluglotse mehr vor Ort. Die Deutsche Flugsicherung überwacht das Geschehen an den zwei kleineren Flughäfen auf Landebahn und Rollfeld bereits seit vier Jahren aus der Ferne - mit einem Remote Tower-System. In einem Kontrollraum am Flughafen Leipzig können die Fluglotsen auf Monitoren mithilfe von hochauflösenden Video- und Infrarotbildern das Geschehen verfolgen. 

Ein Teil der dort eingesetzten Technik wurde von der Quantom GmbH aus Eime im Landkreis Hildesheim entwickelt. So kommt an den zwei kleineren Flughäfen die sogenannte Visbox zum Einsatz, ein hochauflösendes Kamerasystem mit leistungsfähiger Zoomoptik. Das System funktioniert wie ein digitales Fernglas, das Fluglotsen bei der visuellen Überwachung unterstützt. Mit ihrer hohen Auflösung und einem 30-fachen Zoom können auch weiter entfernte Flugzeuge erfasst werden. „Eine intelligente Bilderkennung  analysiert dabei die Bilder und erkennt um welche Objekte es sich handelt. Sie erkennt auf dem 360-Grad-Bild auch Vogelschwärme, die für Flugzeuge bei Start oder Landung gefährlich werden könnten“, erklärt Andreas Reimann, der das Unternehmen zusammen mit Tom Tapken im Jahr 2021 gegründet hat. Die beiden waren zuvor für viele Jahre bei einem deutschen Technologiekonzern beschäftigt, bevor sie sich für den Schritt in die Selbstständigkeit entschieden. 

Quantom entwickelt Software und Bildverarbeitungslösungen für sicherheitskritische Anwendungen. Dabei wird Künstliche Intelligenz in Zukunft eine noch größere Rolle spielen, insbesondere bei der automatisierten Erkennung und Klassifizierung von Objekten in Kamera und Sensorsystemen. Das Unternehmen aus Eime hat auch ein eigenes System für einen aus der Ferne gesteuerten Tower entwickelt, das bislang in Gänze in der Praxis aber noch nicht zum Einsatz kommt. „Wir sind noch in der Endphase der Entwicklung, aber es zeigt sich jetzt bereits, dass unser System nach der Anlernphase sogar weniger Energie als Produkte von Wettbewerbern benötigt“, sagt Reimann.

Zwei Männer auf einer Brücke mit maritimer Kulisse in der Stadt, einer trägt eine Jacke mit dem Schriftzug QUANTOM.
Andreas Reimann und Tom Tapken sind Geschäftsführer der Quantom GmbH aus dem Landkreis Hildesheim. In Bremen gibt es einen Standort. Foto: Quantom

Aus dem 15-köpfigen Quantom-Team arbeitet ein großer Teil der Mitarbeitenden in Bremen, wo das Unternehmen eine Niederlassung unterhält, um näher an Kunden unter anderem aus dem Rüstungsbereich zu sein. 

Neben Lösungen für die Luftfahrt entwickelt das Unternehmen auch Systeme für maritime Anwendungen. So kommt die Technologie von Quantom auch beim Artenschutz zum Einsatz. „Wir sind bald für vier Wochen Teil eines Forschungsprojekts der norwegischen Equinor, bei dem die Detektoren unseres Detektionssystems IR-Guard zum Einsatz kommen“. Das Ziel dabei sei es, das Risiko von Kollisionen zu reduzieren und mögliche Störungen von Walen während maritimer Arbeiten besser beurteilen zu können.

Das Knowhow von Quantom in der Kameratechnik wird auch von anderen Unternehmen angefragt, zum Beispiel von einem Entwickler eines Vogelschutzsystems für Windkraftanlagen, bei dem auch eine KI eingesetzt wird. „Die Bilderkennung erfasst, ob es sich um eine besonders geschützte Vogelart handelt und schaltet nur dann die Anlage ab“, erklärt Reimann.
Auch intern nutzt Quantom Künstliche Intelligenz gezielt zur Unterstützung der täglichen Arbeit. So hat es moderne Large Language Modelle (LLM) auf eigener Infrastruktur aufgesetzt. „Wir arbeiten mit vielen sensiblen Daten, die wir so nicht an externe Anbieter übermitteln müssen“.

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