Heute vor 80 Jahren: Erstausgabe der Niedersächsischen Wirtschaft
15. Mai 2026 | von Klaus PohlmannVor 80 Jahren erscheint erstmals die Niedersächsische Wirtschaft. Heute ist sie Zeitschrift der IHK Hannover.
„… und wenn uns etwas hoffnungsfreudig stimmen kann, so ist es die Feststellung, daß die gemeinschaftsbildenden und gemeinschaftsbejahenden Kräfte in allen Teilen unserer Wirtschaft heute die öffentliche Meinung und alle maßgebenden Faktoren beherrschen.“ Zusammen aus dem Tief: Eine Hoffnung, die auch in diesen Tagen wieder gut passen würde.
Geschrieben aber wurde das im Frühjahr 1946. Heute auf den Tag genau vor 80 Jahren, am 15. Mai 1946, erschien in Hannover die erste Ausgabe der IHK-Zeitschrift Niedersächsische Wirtschaft.
Diese Zeilen lesen Sie im Webmagazin der NW: So wird der Titel oft abgekürzt. Das Geleitwort vor 80 Jahren, überschrieben mit „Tatsachen – Pläne – Hoffnungen“, dürfte aus der Feder des ersten Chefredakteurs Dr. Johannes Niggemann stammen. Er betont den „total“ verlorenen Krieg, erinnernd an die Propaganda-Raserei vom Totalen Krieg gut drei Jahre zuvor im Berliner Sportpalast.
Ein Abgrund: Zu den Tatsachen gehört, dass es in Hannover nur noch weniger als die Hälfte der 1939 vorhandenen Gewerbebetriebe gab, im Regierungsbezirk immerhin 60 Prozent. Und wohl schwerer als die Millionen Kubikmeter Trümmerschutt wog die moralische Schuld.
Da war keine Stunde Null. Aber unter den Trümmern regten sich Wunsch und Wille, weiterzuleben. In jener Erstausgabe der Niedersächsischen Wirtschaft finden sich bereits die Adressen der neun Industrie- und Handelskammern „des niedersächsischen Wirtschaftsgebietes.“ Wobei es ein Land Niedersachsen noch gar nicht gab: Das entstand erst Anfang November.
Der Titel der neuen Zeitschrift greift aber auf die Vorläuferzeitschrift zurück. Seit 1921 erschien das Wirtschaftsblatt Niedersachsen. Der Name ist bewusst gewählt, nicht nur, weil Herausgeberin die Vereinigung der niedersächsischen Handelskammern war. Gerade die IHK Hannover setzte sich für die Idee eines zusammengehörenden niedersächsischen Gebietes sein.
Aber die Ursprünge der hannoverschen IHK-Zeitschrift reichen sogar noch weiter zurück, bis 1868. Nicht einmal zwei Jahre nach Gründung der hannoverschen Handelskammern erschien das schon länger bestehende Wochenblatt für Handel und Gewerbe als Organ der Handelskammer in Hannover, später der hannoverschen Handelskammern insgesamt. Früher waren nur einige Handelskammern in Sachsen mit einer Zeitschrift unterwegs. Die Niedersächsische Wirtschaft ist damit vermutlich das am längsten bestehende Zeitschriften-Projekt in Niedersachsen. Erst seit 1989 ist die IHK Hannover alleinige Herausgeberin.
Der Erstausgabe 1946 gingen lange Verhandlungen mit der Militärregierung voraus. Aber knapp ein Jahr später hatte die neue Zeitschrift ein erstes großes Thema, das von den Briten angestoßen wurde: die Messe in Hannover. Und die ist bis heute ein wesentlicher Teil der Berichterstattung geblieben. Wiederaufbau, Wirtschaftswunder oder Ölkrise, Digitalisierung, Bürokratie oder Verkehr, Konjunktur: Die NW spiegelt die wirtschaftliche Lage und trägt die Interessen der regionalen Wirtschaft in eine möglichst breite Öffentlichkeit. Heute in sechs gedruckten Ausgaben jährlich und einem Webmagazin, das es seit fast zehn Jahren gibt.
Das Wissen der IHK-Fachleute an die Unternehmen weitergeben. Auf die Angebote und Leistungen der IHK aufmerksam machen. Auch das alles gehört seit 80 Jahren zu den Aufgaben Niedersächsischen Wirtschaft, um Standort und Unternehmen zu fördern. Ebenso, die Vielfalt der Region deutlich zu machen und Unternehmen eine Plattform über ihre unmittelbare Umgebung hinaus zu bieten: Schließlich erstreckt sich der Bereich der IHK Hannover – und damit das Verbreitungsgebiet der NW – vom Landkreis Diepholz im Norden über die Regionen um Hannover, Hildesheim und Hameln bis zum Landkreis Göttingen im Süden.
Bei der Gründung, das machte vermutlich wiederum Johannes Niggemann zum zehnjährigen Bestehen 1956 deutlich, brauchte die Wirtschaft Informationen, die Unternehmen fragten nach einer Zeitschrift. Und, um das nicht übergehen, die Wirtschaftskammer Hildesheim war tatsächlich schon im Juni 1945 mit einem Mitteilungsblatt unterwegs. In Hannover brauchte es länger, obwohl die Verhandlungen mit der Militärregierung zum gleichen Zeitpunkt begonnen haben. Aber die Zeit war reif für die auch von Johannes Niggemann unmittelbar nach Kriegsende geforderten neuen Zeitschriften: Einen Tag nach der ersten Niedersächsischen Wirtschaft erschien in Düsseldorf zum ersten Mal das Handelsblatt.
