Mut - oder doch lieber vorsichtig?
Streiflicht, Freitags-Kolumne: Nur Mut
30. Oktober 2026 | von Klaus Pohlmann
Mut. Mit diesem einen Wort haben wir vor genau acht Jahren eine ganze Ausgabe der Niedersächsischen Wirtschaft überschrieben. Nicht nur die NW sah damals anders aus.

Oktober 2018: Weit weg irgendwie. Vor Corona. Vor dem Angriff auf die Ukraine. Vor so vielem anderen, was noch in der Zukunft lauerte. Wirkt fast so, als ob die Welt noch in Ordnung war. Aber ohne Grund haben wird ja nicht Mut als Thema ausgesucht.
Und heute? „Die Welt brennt“, sagt mein Vater. Der ist 90 und hat schon einige Krisen erlebt. Und jahrzehntelang in der Automobilindustrie gearbeitet. Gerade wurden die Quartalszahlen von VW veröffentlicht. Mut ist gefragt wie selten zuvor.
Aber was ist das überhaupt, Mut? Die Fähigkeit, in einer gefährlichen, riskanten Situation seine Angst zu überwinden; Furchtlosigkeit angesichts einer Situation, in der man Angst haben könnte: So zumindest eine Definition.
Wichtiger aber noch: Woher kommt Mut? Kaufen kann man ihn jedenfalls nicht. Dass beim Investorengipfel Anfang dieser Woche ein dreistelliger Milliardenbetrag zugesagt wurde, ist schon mal gut. Vielleicht aber noch wichtiger Stimmen, die auf das Potenzial Deutschlands hinweisen – auch wenn wir dahinter vielleicht zurückbleiben. Aber gut, wenn andere sagen: Ihr könnt es doch eigentlich.
Werte: Auch die können ein Mutmacher sein. Wenn alle Welt sie über Bord schmeißt, sollten wir zeigen, dass das Festhalten daran der bessere, erfolgreichere Weg ist. Über einen dieser Werte haben wir später noch einmal eine ganze NW gemacht: Zusammen.
Was noch wichtig ist: Machen, immer machen. Sagt mein Vater. Im Handelsblatt-Interview sagt Nvidia-Chef Jensen Huanag: „Das Geheiminis des Lebens besteht darin, immer sein Bestes zu geben.“ Und diesen Satz, das weiß ich, würde mein Vater auf jeden Fall unterschreiben. (pm)
