Zwei Personen geben sich einen Fistbump vor einer industriellen Waschmaschine in einer Wäscherei Die beiden Geschäftsführer Dr. Jochen Kuhl (l.) und Axel Meyer

Jacke wie Hose: Porträt MeyerundKuhl, Hardegsen

01. April 2026 | von Barbara Dörmer

Die Spezialwäscherei MeyerundKuhl aus Hardegsen reinigt, imprägniert und repariert Outdoorkleidung sowie Persönliche Schutzausrüstung von Feuerwehren, THW, Polizei und Rettungsdienst. 

 

Eigentlich hatten Dr. Jochen Kuhl (60) und Axel Meyer (58) vor, verdreckte Löschschläuche der ortansässigen Feuerwehr mit einem mobilen Service zu reinigen. Dann kam es anders: Die beiden Motorradfreunde haben in einem leer stehenden Rewe-Markt in Hardegsen eine Spezialwäscherei eröffnet. Der Fokus: Das Reinigen, Imprägnieren und Reparieren von Outdoor- und Schutzkleidung. Beide sind seit vielen Jahren Unternehmer: Meyer leitet die familieneigene gleichnamige Wäscherei in Hardegsen, IT-Experte Kuhl berät aus der südniedersächsischen Kleinstadt mittelständische Unternehmen. 

„2014 haben wir mit 49 Euro Umsatz abgefangen. Ein Jahr später haben wir mit sämtlichen Jack Wolfskin-Stores Verträge abgeschlossen. Das mussten wir innerhalb von sechs Monaten auf die Beine stellen“, berichtet  Kuhl. Heute zählen rund 20 000 Privatleute zur Kundschaft der MeyerundKuhl Spezial-wäschen GmbH, die meisten aus Deutschland, Österreich und Italien. Das Spektrum reicht vom „klassischen Outdoor-Enthusiasten, der mit Yorkshire-Terrier durch die Innenstadt geht, bis hin zum Extremsportler, der in die Berge geht“, so Meyer. Außerdem hat das Unternehmen mehr als 400 Outdoor-Läden unter Vertrag, darunter etwa Markenhersteller wie Vaude, Schöffel, Tapir, und – ganz neu Odlo. Ferner nehmen rund 500 Feuerwehren, das Technische Hilfswerk (THW), die Polizei und Rettungsdienste die Dienstleistungen in Anspruch.

Frau beim Aufhängen der gereinigten und imprägnierten Kleidungsstücke.
Sevdije Koppenrath beim Aufhängen der gereinigten und imprägnierten Kleidungsstücke. 

„Wir sind keine klassische Blümchenwäscherei. Wir sind spezialisiert auf das, was etwas komplizierter ist im Zusammenbau der Textilien, weil diese in der Regel eine Funktion haben: Meistens ist eine Membran verbaut oder eine Imprägnierfunktion vorgesehen, so dass wir die Textilien anders behandeln als in einer Großwäscherei“, so Meyer. Das Unternehmen verfügt über zwei komplett getrennte Linien: eine für Outdoorbekleidung und eine für Persönliche Schutzausrüstung von Feuerwehren. Denn während das Imprägnieren von Outdoorbekleidung bei MeyerundKuhl inzwischen PFAS-frei läuft, ist der Einsatz dieser Stoffe im Feuerwehrbereich noch nötig, um die Funktionen der Schutzbekleidung, zum Beispiel Hitzebeständigkeit, sicherzustellen. Weil das Unternehmen als erstes einen PFAS-freien Imprägnierservice auf industrieller Basis angeboten hat, wurde es 2015 beim Innovationspreis des Landkreises Göttingen ausgezeichnet.  

In der noch aus Rewe-Zeiten gefliesten Outdoor-Linie brummen mit Jacken, Mänteln, Hosen und anderen Outdoorkleidungsstücken gefüllte Waschmaschinen mit sonorem Sound. „An jeder Station gibt es Daten zu einer Textilie: Wir wissen exakt, was dosiert wurde, mit welchem Waschprogramm gewaschen und mit welchen Temperaturen getrocknet wurde. Wann die Textilie reinkam, wann sie rausging. Das wird alles intern getrackt“, erklärt Meyer. Eine Dosieranlage misst grammgenau Wasch-, Waschhilfs- und Imprägniermittel – je nach Verschmutzungsgrad. Dann werden die Kleidungsstücke im Trockner vorgetrocknet. Das ist nötig, weil die Imprägnierungen eine Grundtemperatur brauchen, um zu fixieren. In der früheren Kältekammer des Supermarkts werden die Kleidungsstücke schonend fertiggetrocknet. „Die Preisrange der Produkte, die zu uns kommen, liegt zwischen 50 und 2500 Euro. Darauf müssen wir uns als Dienstleister einstellen, das ist eine große Herausforderung.“  

Nähen an einer Industrienähmaschine bei Meyer-Uhr Uhl Spezialnäherei GmbH
Reparatur der Kleidung bei MeyerundKuhl. Foto: MeyerundKuhl

Privatkundinnen und -kunden senden ihre Kleidungsstücke mit einem über den Onlineshop generiertes Versandetikett nach Hardegsen – meist, um diese waschen und imprägnieren zu lassen. Bei Rissen oder Löchern kommt eine Reparatur dazu. „Wir setzen hier teilweise Sachen instand, die 15 bis 17 Jahre alt sind“, so Kuhl. Nach einer Qualitätsprüfung und einer Imprägnierprobe werden die Kleidungsstücke in der Regel innerhalb von zwei bis drei Tagen  zurückgesandt. „Wir lagern die Altkartonagen der Kunden ein und der Kunde bekommt seine Produkte auch genau in diesem Karton wieder. Das reduziert bei uns unglaublich den Kartonbedarf und kommt bei den Kunden gut an“, erläutert der Geschäftsführer. 

Bei den Feuerwehren gestaltet sich das Prozedere der Anlieferung aus Hygienegründen komplexer: Die Einsatzkräfte aus der Region können ihre Kleidung direkt nach einem Brandeinsatz in einem Spezialbeutel verpackt rund um die Uhr einwerfen. Auswärtige Feuerwehren liefern per Transport oder Post an. „Bei der Feuerwehrkleidung wird jeder Vorgang erfasst, der bei uns passiert, und in einer Datenbank gespeichert. Über einen Code identifizieren wir jede Textilie eindeutig. Das geben wir an die Feuerwehren raus, weil diese die Informationen brauchen, um nachzuweisen, dass die Textilien gepflegt und in einem guten Zustand sind“, so Meyer. 

MeyerundKuhl arbeitet mit Forschungsinstituten wie der HAWK Hildesheim/Holzminden/Göttingen, der TU Clausthal und dem Institut für Textiltechnik der RWTH Aachen zusammen. „Um immer wieder Themen vorwärts zu treiben“, so Kuhl. „Wir sind extremst innovativ, und wir entwickeln unsere Prozesse ständig weiter.“