Maike Bielfeldt stellt die Ergebnisse der Konjunkturumfrage vor. Foto: Barbara Dörmer
IHK-Konjunkturumfrage: Erwartungen im Keller
27. April 2026 | von Klaus PohlmannDer IHK-Konjunkturklimaindikator ist in den ersten Monaten des Jahres um sechs auf jetzt 79 Punkte gefallen. Getrieben wird das von den Geschäftserwartungen: Die haben sich sprunghaft verschlechtert.
Rund 40 Prozent der Unternehmen in Niedersachsen rechnen aktuell damit, dass es in der nächsten Zeit mit ihren Geschäften abwärts geht. Das ergab die aktuelle Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammern bei knapp 2100 Unternehmen. Hatte es Ende 2025 noch einen leichten Hoffnungsschimmer durch etwas gestiegene Auftragseingänge gegeben, so ist der „angesichts der jüngsten Entwicklungen bereits wieder verblasst“, erklärte Maike Bielfeldt, Hauptgeschäftsführerin der IHK Niedersachsen, in Hannover, wo sie die Umfrageergebnisse vorstellte.
Warm anziehen mitten im Frühling, so die Empfehlung der IHKN-Chefin. Zwar verharrt die aktuelle Geschäftslage der niedersächsischen Unternehmen auf niedrigem Niveau und hat sich unter dem Strich nicht weiter verschlechtert. Aber Exporterwartungen, Beschäftigungspläne, Konsumneigung zeigen allesamt nach unten.
Immer weniger wettbewerbsfähig
„Made in Germany wird immer weniger wettbewerbsfähig“, sagte Bielfeldt. Entsprechend seien die Erwartungen der Unternehmen an ihr Auslandsgeschäft „sehr schwach.“ Sowohl die Standortbedingungen in Deutschland, aber auch die zunehmende internationale Konkurrenz machten den Unternehmen zu schaffen.
Dass die Unternehmen eher Beschäftigung abbauen, werde vor allem bei der Industrie deutlich, so die Hauptgeschäftsführerin. Die angesichts steigender Preise und internationaler Konflikte weiter abgesackte Konsumneigung wirkt sich auf Handel und Gastronomie aus. Der Krieg im Nahen Osten, der sich nun bereits über Wochen hinzieht, hat die Situation noch einmal verschärft.
Vier von fünf Unternehmen spüren den Nahost-Konflikt
Nach einer Sonderumfrage der Industrie- und Handelskammern sieht sich der Handel sogar noch stärker vom Nahost-Konflikt betroffen als die Industrie: Rund 92 Prozent der Unternehmen sehen negative Folgen für ihr Geschäft. Bei den Industrieunternehmen sind es aber auch noch 87 Prozent, in der Wirtschaft insgesamt vier von fünf Firmen. Spitzenreiter wenig überraschend: Verkehr und Logistik, „die spüren das direkt im Tank.“ Aber auch in der Wirtschaft insgesamt haben sich die Energie- und Rohstoffpreise mit einem großen Satz auf die Spitzenposition der Konjunkturrisiken katapultiert, gefolgt von den Unsicherheiten der Wirtschaftspolitik.
Höhere Kosten wollen die Unternehmen zumeist an ihre Kundinnen und Kunden weitergeben – mit den entsprechenden Folgen für die Kaufbereitschaft etwa im Einzelhandel: „Die Städte sind voll, aber es wird nicht gekauft“, so Bielfeldt.
In diesem Frühjahr treffen damit die strukturellen Probleme Deutschlands auf eine Eskalation im Nahen Osten. In dieser Situation wiederholte IHK-Hauptgeschäftsführerin ihre Forderungen nach einer Entlastung der Unternehmen und forderte eine klar angebotsorientierte Politik: Nachhaltiges Wachstum werde durch private Investitionen erreicht, nicht durch Staatsausgabe, so Bielfeldt. Entsprechend sieht sie mit Sorge die seit Jahren schwachen Investitionspläne der Unternehmen: „Investitionen, die ausbleiben oder in den vergangenen Jahren bereits ausgeblieben sind oder ins Ausland verlagert wurden, führen zu weniger Produktion und Beschäftigung hier.“
Erleichterung? Es tut sich nichts
Hohe Steuern und Abgaben, Bürokratie, Unsicherheit: „Eine ungute Gemengelage“, so Bielfeldt. Das hier etwas passieren müsste, habe man oft genug gesagt. Aber: „Es tut sich gar nichts, was Erleichterung bringen könnte.“ Damit meint sie Strukturreformen, nicht Einzelmaßnahmen wie die Entlastungsprämie. „Die Fesseln müssen gelöst werden“, sagte sie mit Blick auf die Bürokratie und sprach von einem Moratorium, dass hier eigentlich erforderlich sei. Nur kurz darauf wurde ein Beschluss des niedersächsischen Landeskabinetts öffentlich, der immerhin ein so genanntes Dokumentationsmoratorium vorsieht. Die IHK Niedersachsen begrüßte diesen Schritt ausdrücklich.
Unter den aktuellen Rahmenbedingungen jedenfalls sehen die Unternehmen in Niedersachsen für die kommenden Monate jedenfalls schwarz. Und das wiegt umso schwerer, weil sich Probleme in den Lieferketten erst in der nächsten Zeit voll bemerkbar machen könnten, sagte Maike Bielfeldt vor der Presse. Was bedeutet: Statt der erhofften Erholung weiterhin Stagnation: „Aufschwung gefährdet.“
