Zwei Personen lesen einen WBC-Artikel in einer modernen, hellen Umgebung, Zeitschrift offen auf dem Tisch, Smartphone daneben. Andira Slo (links) konnte dank der Hilfe des Welcome & Business Centers der IHK ein Praktikum bei Harald Schieb (rechts) absolvieren. Foto: IHK Hannover

Dem Nachwuchs realistische Einblicke gewähren – und selbst profitieren

22. Juni 2026 | von Sabrina Kleinertz

Ein Jurastudium ist eine Herausforderung. Nicht umsonst wird es umgangssprachlich oft auch als „Buchstudium“ bezeichnet, denn bis zum erfolgreichen Abschluss braucht es Zeit, Disziplin und Ausdauer. All diese Fähigkeiten hat Andira Slo. Die fünffache Mutter kam erst vor kurzem aus dem Irak nach Hannover, absolviert hier derzeit ihre schulische Ausbildung, managet ihre Familie – und will Juristin werden. „Vielleicht dauert es noch zehn oder fünfzehn Jahre, bis ich an meinem Ziel ankomme – aber das ist mir egal!“, sagt sie entschlossen.

Ein Gewinn für beide Seiten

Um einen Überblick über ihre beruflichen Möglichkeiten zu bekommen, suchte Slo Hilfe. Ebendiese fand sie in einem Workshop des AWO-Projekts in Zusammenarbeit mit dem Welcome & Business Center, bevor sich ihr Wunsch, in die Rechtswissenschaften zu gehen, weiter festigte. Die Talent Coaches des WBCs begleiteten fortan Slos Werdegang und vermittelten einen passenden Kontakt.

So bekam die Irakerin Kontakt zum hannoverschen Anwalt Harald Schieb. Der gebürtige Braunschweiger ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Miet-, Wohnungs-, Bau- und Architekturthemen und hat eine Kanzlei in Hannover. Schieb bot Slo ein Praktikum an. Und zieht im Anschluss für beide Seiten ein gewinnbringendes Fazit, das auch andere Unternehmerinnen und Unternehmer ermutigen soll.

„Gerade für Selbstständige wie mich ist solch ein Praktikum erstmal ein Mehraufwand“, macht Schieb klar. Gleichzeitig sieht er aber auch große Vorteile darin, interessierten Menschen Einblicke ins eigene Berufsbild zu ermöglichen. „Ich verstehe mich und meinen Beruf als Organ der Rechtspflege. Somit habe ich auch gewisse Verantwortungen und Pflicht.“

Neuanfang in Deutschland

Eine davon sei, Interessierte zumindest ein Stück zu begleiten. Wie Andira Slo. Die fünffache Mutter kam ohne Deutschkenntnisse aus dem Irak nach Hannover. Sie will Anwältin werden und arbeitet dafür hart, schreibt „nur Einsen“ in der Schule und nutzt jede Gelegenheit, das Berufsbild besser kennenzulernen. 

Diese niedrigschwellige Chance auf authentische Einblicke in das Berufsleben schätzt auch die AWO, die regelmäßig mit dem WBC zusammenarbeitet. Durch einen ihrer Workshops wurde Slo auf das WBC aufmerksam. „Wir wissen, dass es nicht einfach ist, einen Praktikums- oder Ausbildungsplatz zu finden“, sagt AWO-Sozialarbeiter Tufan Cicek. In diesem Zusammenhang hätte die IHK den Wohlfahrts-Verband sehr unterstützt.

Individuelle Unterstützung aus dem WBC

Aus der Zusammenarbeit mit den Talent Coaches des WBC entstand also unter anderem das einwöchige Praktikum in der Kanzlei Schieb. „Das Engagement, mit dem Frau Slo trotz aller Umstände ihre Ziele verfolgt, imponiert mir“, so der Anwalt. Zwar wissen er und Slo, dass das kurze Praktikum keine allzu tiefen Einblicke ermöglichen konnte, dennoch ziehen beide eine positive Bilanz:

„Ich höre gerne Menschen zu und die Arbeit im Büro macht mir Spaß“, erklärt Slo. Sie ist Schieb dankbar, dass er sie nach Kräften und Möglichkeiten in den Arbeitsalltag eingebunden hat, ihr Akten zur Vorbereitung auf Termine zur Verfügung stellte und sie immer wieder nach ihrer Einschätzung gefragt hat. „Ich kann mir gut vorstellen, diesen Weg beruflich zu gehen“, sagt die Irakerin.

Appell an Unternehmen

Schieb bekräftig diese Einstellung auch nach Ende des Praktikums. Der Mehrwert sei für den Anwalt klar: „Ich kann nur an andere appellieren: Wir alle brauchen den Nachwuchs in unseren Berufen, also müssen wir interessierten Menschen auch Chancen geben.“ 

Die „vorbildliche“ Art von Slo hätte ihn in dieser Einstellung bestärkt. „An den Soft Skills eines Praktikanten erkennt man dessen Ernsthaftigkeit“ – und die war bei Andira Slo eindeutig.