Neues Konzept für Hannovers Messe gesucht
13. Mai 2026Hannovers Messe braucht ein neues Geschäftskonzept. Das gilt nicht nur für das Flaggschiff Industriemesse, die in diesem Jahr unter Erwartungen geblieben ist, sondern auch für das Ausstellungsgeschäft insgesamt. Dazu wird der Messevorstand um eine Position erweitert.
Gesucht ist ein tragfähiges Gesamtkonzept, so Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne, derzeit Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Messe AG. Das heißt: Messegelände und Veranstaltungen müssen zueinander passen: „Was wird künftig gebraucht, was nicht?“
Um dieses neue Konzept zu entwickeln, wird Konstantin Kühl neuer Messevorstand. Er ist seit 2017 Partner der Unternehmensberatung Roland Berger und zunächst in den kommenden zwei Jahren in Hannover arbeiten. Vorgestellt wurde er als Strategiefachmann.
Vorstandschef Dr. Jochen Köckler, der bis vor wenigen Tagen die Messegesellschaft übergangsweise alleine führte, soll sich künftig auf das Messegeschäft und die Entwicklung neuer Veranstaltungen konzentrieren. Schon länger stand fest, dass Dr. Holger Feist in den Vorstand einzieht. Er soll Neugeschäft im In- und Ausland gewinnen und insbesondere die Digitalisierung vorantreiben, um mit den entsprechenden Serviceleistungen die Präsenzveranstaltungen zu ergänzenb.
Als Erbe der Expo 2000 verfügt Hannover über das weltgrößte Messegelände. Aber nur noch die Landwirtschaftsmesse Agritechnica füllt alle zwei Jahre die Hallen. Außerdem soll es einen deutlichen Sanierungsstau geben. Ein entsprechender Bericht des Landesrechnungshofes wurde den hannoverschen Tageszeitungen zugespielt.
Gleichzeitig war Corona eine Zäsur im Messegeschäft, wie Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay betonte. Wie das Land hält die Stadt 50 Prozent der Anteile an der Messegesellschaft. Onay ist Aufsichtsratsmitglied. Stadt und Land wechseln sich im Vorsitz ab. Nach der Pandemie habe man nicht zu den vorherigen Zahlen zurückgefunden. Internationale Spannungen und Handelsbeschränkungen belasten das Messegeschäft. Hinzu kommt die schwierige wirtschaftliche Lage im deutschen Maschinenbau.
Sowohl Tonne als auch Onay wiesen auf die große Bedeutung der Messe für die Stadt hin: internationale Bekanntheit, Wirtschaftsfaktor in der Region, Schaufenster für die Unternehmen – und das nicht nur in Niedersachsen. Man werde für den Standort kämpfen, betonte der Wirtschaftsminister.
Der akute Handlungsbedarf sei auch die die Hannover Messe im April deutlich geworden. Nur mit einem Kraftakt hätte 80.000 Quadratmeter vermietet werden können statt der ursprünglich geplanten rund 100.000.
Messechef Köckler verwies auf das, was sich bereits im kommenden Jahr ändert. So findet im März erstmals die Verteidigungsmesse DSEI in Hannover statt, und zwar in vier statt der bisher vorgesehenen drei Hallen. Die Industriemesse wird um eine Energieveranstaltung ergänzt mit erhofft bis zu 500 ausstellenden Unternehmen und Institutionen. Neue Messen wie die Real Estate Arena müssten zwar noch wachsen, hätten aber Know-how für die Entwicklung neuer Formate gebracht: „Unser Haus hat seit Jahren keine neuen Messen gemacht“, so Köckler. Er wies ebenfalls darauf hin, dass die Deutsche Messe AG alle Gastveranstaltungen habe halten können.
Die Sorgen der Beschäftigten angesichts der anstehenden Veränderungen will Wirtschaftsminister Tonne ausdrücklich ernst nehmen. Über mögliche Finanzspritzen soll erst entschieden werden, wenn ein Gesamtkonzept vorliegt. Und auch der Einstieg eines Investors, wie vor einigen Wochen aus der Politik gefordert, wurde nicht ausdrücklich ausgeschlossen.
