Frische Tomate mit Sonnenstrahlen – tomate copilot Bild KI-generiert (Copilot)

Streiflicht, Freitags-Kolumne: Liebesäpfel-Compot

06. November 2026 | von Klaus Pohlmann

Thomas Manns Zauberberg. Heinz Ketchup. Hannoversches Wochenblatt für Handel und Gewerbe. Das passt alles locker zusammen. Glauben Sie nicht? Dann lesen Sie einfach weiter. 

Wenn mich meine Erinnerung (schließlich habe ich den Zauberberg vor vielen Jahren gelesen) nicht ganz trügt, dann brachte die Küche des Sanatoriums Berghof, in das es Hans Castorp, die Hauptfigur des Romans, statt dreier Wochen sieben Jahre lang verschlug, zuweilen – mindestens jedoch einmal – Catsup auf den Tisch des Speisesaals, in dem sich so vieles abspielt. In dieser Schreibweise, Catsup, was an den asiatischen Ursprung des Begriffs für eine heute allgegenwärtige Würzsauce – oder Soße? - gemahnt. Und genau unter dieser Schreibweise hatte Jahrzehnte zuvor, tatsächlich 1876, Henry John Heinz seine auf Tomaten beruhende, laut Firmenwebsite ursprünglich aus fünf Zutaten bestehende Rezeptur auf den Markt gebracht. 

Bemerkenswerterweise findet sich genau in jenem Jahr, in der Novemberausgabe des Hannoverschen Wochenblatts für Handel und Gewerbe von 1876, das Rezept für ein wohlschmeckendes Compot aus Tomaten – und vier weiteren Zutaten: Zucker, Essig, Nelken, Zimt. Allerdings kein Hinweis auf „Catsup“, geschweige denn Ketchup, wie es dann später hieß und bis heute. Allerdings noch nicht bei Thomas Mann. Und es wird wohl im Dunkeln bleiben, warum eine Wirtschaftszeitung in der preußischen Provinz, die zwar allem Neuen aufgeschlossen war, beschreibt, wie man ein Tomatenkompott herstellt. Vielleicht einfach deshalb: Es schmeckt.  (pm)