Fabio: Perspektivwechsel bei Instagram und Tiktok
03. Juni 2026 | von Georg ThomasEr filmt mit seiner Brille: Der hannoversche Content Creator Fabio erreicht mit seinen Videos von Besuchen in wenig besuchten Restaurants und Geschäften ein Millionenpublikum. Sein Erfolg macht ihn auch interessant für Unternehmen, die für ihre Produkte werben wollen.
Die Welt und das Internet sind voller schlechter Nachrichten – daher hat es sich Fabio zum Ziel gesetzt, „positive Inhalte im Netz zu teilen“. Bei Tiktok, Instagram und Youtube Shorts folgen dem jungen Hannoveraner fast 700 000 Menschen, wenn man die Zahlen der drei Kanäle zusammenrechnet. Vor etwa einem Jahr, am Muttertag, hat Fabio (seinen Nachnamen möchte er ungern veröffentlichen) sein erstes Video bei TikTok hochgeladen. Kurz zuvor hatte er sich eine Kamerabrille gekauft, die es ihm ermöglicht, Videos aufzunehmen, die seine Sicht zeigen. Daher nennt er sich in den Soclal-Media-Kanälen auch „Fabiospov“ und seine Videos tragen immer ein „POV“ im Titel, die Abkürzung für „Point of View“. Im Frühjahr 2025 war ihm aufgefallen, dass es die kurzen Filme aus der Brillenperspektive auf Deutsch bislang nicht gab.
Es ist okay Dinge allein zu tun
Und was zeigt Fabio in den kurzen Filmen? Er kauft in Geschäften ein, in denen sonst keiner einkauft, geht allein Erdbeeren pflücken oder isst allein in einem familiengeführten vietnamesischen Restaurant. Sein Motto und Leitmotiv: „Es ist okay, Dinge allein zu tun.“ Wer die Videos ansieht, begleitet ihn an die ungewöhnlichen Orte, lauscht seinen kurzen Gesprächen mit Verkäuferinnen oder Servicekräften und vergisst beim Schmunzeln vielleicht auch den eigenen Alltag. „Ich bekomme tatsächlich oft das Feedback, dass meine Videos für viele einen fast meditativen Touch haben“. Mit der Rayban-Kamerabrille hat er für sich einen guten Weg gefunden, denn es geht ihm nicht darum, im Mittelpunkt zu stehen. Ganz im Gegenteil: „Ich bin eigentlich ziemlich schüchtern.“

Sechs Millionen Aufrufe für Besuch im Antiquariat
Dass er einmal Influencer – oder wie man heute sagt „Content Creator“ – wird, hat Fabio nie geplant. Er hatte eine Idee, die er einfach umgesetzt hat- Seine ersten Videos bei Tiktok waren in kurzer Zeit so erfolgreich, dass er weiter machte und die Filme auch bei Instagram und Youtube veröffentlichte. Heute haben etliche seiner Videos Abrufzahlen von mehreren Millionen erreicht. So wurde mehr als sechs Millionen Mal das Instagram-Reel angesehen, in dem er das Antiquariat Labyrinth in Hannover besucht. Die Restaurants, Geschäfte und Orte, die Fabio filmt, sucht er selbst aus. „Und natürlich bezahle ich auch die Rechnungen.“
Inzwischen kann der junge Hannoveraner, der auch sein exaktes Alter gern für sich behalten möchte, von den Einnahmen leben, mit denen Tiktok und Youtube die Aufrufe der Videos unter bestimmten Voraussetzungen vergüten. „Es ist abhängig von den Views“. Je nach Zahl der Aufrufe schwankt auch die ausgezahlte Summe. „Das ist schon manchmal ein mentales Problem für den Kopf“, sagt Fabio, der sich dazu zwingen muss, sich bewusst auch mal „rauszunehmen“. „Ich denke sonst ununterbrochen darüber nach, wie ich meine Videos noch besser machen kann.“ Er sei schon ziemlich verbissen, und dass es „perfekt“ nicht gibt, musste er lernen.
Werbung nur für ausgewählte Unternehmen und Marken
Bereits im Sommer vergangenen Jahres meldeten sich die ersten Unternehmen bei Fabio, die ihn für eine Zusammenarbeit gewinnen wollten. Den meisten sagte er ab. „ich mache echt wenige Deals. Ich möchte nur für Dinge werben, die ich selbst gut finde“, sagt er. So warb er 2025 für eine Trinkflasche einer angesagten Marke für zucker- und koffeinfreie Sirups, für Tee, der ohne Beutel auskommt und für ein digitales Rabattsystem für Restaurants. „Das passt ja auch einfach perfekt zu meinen Videos“. Seit November 2025 hat Fabio eine Agentur, die ihn von vielen Aufgaben entlastet. Bei der Auswahl der Agentur war es ihm wichtig, dass es menschlich passt. So hatte eine darauf bestanden, dass er sich auch vor der Kamera zeigt – das würden die Werbekunden verlangen. Bei TheMakAgency aus Berlin gab es solche Hinweise nicht.
Auszeichnung von Youtube macht ihn stolz
Über seine Zukunft macht sich Fabio aktuell keine Gedanken. „Die Welt ist so schnelllebig geworden. KI verändert so vieles.“ Deswegen sei er weit davon entfernt, sich auf eine Sache oder einen Weg festzulegen.
Dass er einmal von Youtube einen Preis zugeschickt bekommt – mit einem stilisierten Play-Button werden Kreative ausgezeichnet, deren Kanal mehr als hunderttausend Follower haben, hätte er niemals für möglich gehalten. Es ist noch gar nicht lange her, da habe er selbst als Kind die Videos der ersten bekannten Youtuber verfolgt.
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