Stephanie Pfeil-Coenen. Foto: Beuermann
Begeisternd auf der Bühne
19. Januar 2026 | von Klaus PohlmannWas ein Start-up braucht: Energie, Dynamik, Tempo. Das nicht nur ins Unternehmen, sondern auch auf die Bühne zu bringen, ist aber nochmal eine andere Nummer. Stephanie Pfeil-Coenen schaffte das beim IHK-Jahresempfang in Göttingen locker.
Pfeil-Coenen hat 2023 in Hannover die Phaeosynt GmbH mitgegründet, ist heute Geschäftsführerin. Das Biotech-Unternehmen mit Wurzeln in der Leibniz-Uni stellt Antikörper für medizinische Tests her - mit Kieselalgen. „Das, was Sie am Strand auf glitschigen Steinen unter den Füßen haben.“ Klar, sowas lässt sich auch anders sagen: „Unsere Plattform nutzt die marine Kieselalge Phaeodactylum tricornutum als eukaryotisches Expressionssystem zur Produktion rekombinanter Antikörper (Phaeobodies) und weiterer Proteine.“ Heißt es auf der Website.
Wozu braucht man so etwas? Für vegane Schwangerschaftstests zum Beispiel. Phaeosynt hält das Patent auf den weltweit ersten. Warum vegan? „Nein, den sollen Sie nicht essen“, sagte Pfeil-Coenen auf der Bühne des Göttinger IHK-Jahresempfangs vor gut 500 Gästen. Das neunköpfige Phaeosynt-Team will bei der Antikörperproduktion einfach ohne tierische Bestandteile auskommen: Das ist die Kernidee des Start-ups.
Energie, Dynamik, Tempo: Fünf Tage sich fragen, ob man etwas umsetzt oder nicht? Unmöglich, „in den fünf Tagen verbrennen wir Geld.“ Aber wenn dann die Entscheidung zwar schnell, aber falsch war? „Dann weinen wir vielleicht einen Tag. Und dann geht es weiter.“ Außerdem: Fehler. Sind wichtig. Muss man machen. Sonst kann man nichts verbessern. Und überhaupt: „Um Geld zu verbrennen, müssen Sie erstmal Geld haben.“ So viel zur Bedeutung von Kapitalquellen für Gründungen.
Apropos Geld: „Im nächsten Leben studiere ich Jura.“ Mit einem Augenzwinkern und dem vergnügten Hinweis auf hohe Notar-Rechnungen – Raunen im Saal.
Noch vor der Gründung wandte sich das Team 2022 nach Göttingen, ans Life Science Valley. Dort wurde Unternehmenskonzept erstmal auf den Prüfstand gestellt. Mit der Zusammenarbeit im Dreieck Hannover, Göttingen und Braunschweig - wie sie jetzt in der GOeFuture Startup Factory noch ausgebaut werden soll – klappt‘s also. Und auch mit den Impulsen für die regionale Wirtschaft: Für den Schwangerschaftstest wird die Verpackung in Hannover gedruckt, die Kunststoffteile werden im Harz produziert.
In Göttinger hat die spätere Phaeosynt-Gründungscrew auch ihren Patentanwalt kennengelernt. „Eine Anekdote noch“, ruft Stephanie Pfeil-Coenen, und hat sichtlich Spaß am Tempo: „Jetzt komme ich so richtig in Fahrt.“ Unmittelbar, bevor der Schwangerschaftstest öffentlich vorgestellt werden sollte, wurde klar: Das Patent muss auf jeden Fall vorher angemeldet werden. Den gerade kontaktierten Anwalt fragen, gleich in den Videocall holen, die nächste Nacht, den Tag darauf und die folgende Nacht durcharbeiten. Wie man ein Patent anmeldet? Keine Ahnung: „Während wir gelernt haben, wie man das macht, haben wir es gemacht.“ Fünf vor zwölf am Stichtag, um 23.55 Uhr, war das Patent in Luxemburg durch. Es muss eben alles zackig gehen für Stephanie Pfeil-Coenen. Geduld? „Habe ich sowieso nicht.“
