Eröffnung einer Industrieanlage mit Vertretern von Holcim, Cool Planet Technologies und Helmholtz-Zentrum Hereon Der offizielle Startschuss für die Anlage: Der Parlamentarische Staatssekretär aus dem Bundeswirtschaftsministerium, Johannes Steiniger, Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies und Holcim-Geschäftsführer Stephan Hinrichs. Foto: Georg Thomas

Holcim eröffnet im Zementwerk Höver Anlage zur CO2-Abscheidung

21. August 2026 | von Georg Thomas

Holcim macht sein Zementwerk in Höver fit für die Zukunft und eröffnet eine Anlage zur Abscheidung von Kohlenstoffdioxid. Langfristig soll das abgeschiedene Kohlenstoffdioxid aufbereitet und als Grundstoff weiterverwendet werden.

Ohne Zement kein Beton und ohne Beton kein Bau. Der Baustoff wird benötigt, um Brücken, Straßen, Gebäuden oder die Fundamente von Windkraftanlagen zu bauen. Allerdings werden bei der Herstellung von Zement große Mengen von Kohlenstoffdiaoxid (CO2) freigesetzt. Um die Treibhausgase nicht in die Atmosphäre abzugeben, arbeitet der Holcim-Konzern seit Jahren zusammen mit der Wissenschaft an Lösungen.

Neue Anlage kann 10000 Tonnen CO2 pro Jahr abscheiden

Die Holcim Deutschland GmbH hat am 21. August im Zementwerk in Höver bei Hannover eine Anlage zur Abscheidung von Kohlenstoffdioxid in Betrieb genommen. Mithilfe des Membrantrennverfahrens können in dem Zementwerk bald bis zu 10000 Tonnen CO2 im Jahr aus den Abgasen abgeschieden werden. „Höver ist damit eine der ersten Industrieanlagen in Deutschland, bei der im großen Maßstab CO2 abgeschieden wird“, sagte Stephan Hinrichs, Geschäftsführer von Holcim Deutschland bei der feierlichen Inbetriebnahme. Das CO2 soll zukünftig hochrein aufbereitet und weiter genutzt werden, zum Beispiel als Grundstoff in der chemischen Industrie. Aufgrund der weiteren Nutzung sprechen Fachleute von CCU („Carbon Capture an Utilisation“), die sich von der Speicherung (CCS) unterscheidet.

Ministerpräsident Lies: Projekt bringt Zuversicht

An dem Startschuss nahmen auch Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies und der Parlamentarische Staatssekretär aus dem Bundeswirtschaftsministerium, Johannes Steiniger, teil. Lies freute sich über das Projekt, das in den aktuell schwierigen Zeiten „Zuversicht in die Gesellschaft bringt“. Das Projekt sichere nicht nur Jobs und leiste einen Beitrag zu den Klimazielen, es sei zudem ein gutes Beispiel dafür, wie wissenschaftliche Erkenntnisse in die Praxis zur Umsetzung gelangen können. Denn das Verfahren ist in den letzten 25 Jahren am Helmholtz-Zentrum Hereon entwickelt worden. Die Umsetzung erfolgt durch die Cool Planet Technologies Limited, ein britisches Unternehmen mit Standort in Geesthacht. 

Im Zementwerk Höver wurde bereits im Jahr 2022 eine Testanlage in Betrieb genommen, die mithilfe von Membranen das CO2 aus der Abluft herausfiltern soll. Das Verfahren, bei dem eine 50 Nanometer dünne Membran zum Einsatz kommt, bewährte sich. Die Membran durch die die Abgase mit ein wenig Druck hindurchgeführt werden, hat eine Stärke von etwa einem Tausendstel eines menschlichen Haares. 

Der Bund förderte den Bau der Testanlage mit 1,6 Mio. Euro.

Im Zementwerk Höver, das auf eine mehr als 110-jährige Tradition in der Zementherstellung zurückblickt, arbeiten heute rund 200 Beschäftigte.