Podiumsdiskussion mit mehreren Kandidaten vor Publikum, aufmacher-kandidiaten-diskussion-web Zwei plus fünf: Das Moderatorenteam mit Carsten Bergamnn und Maike Bielfeldt. Und die Kandidierenden (v.l.): Maren Kaminski, Peter Karst, Axel von der Ohe, Belit Onay, Jessica Schülke. Foto: Insa Hagemann

Hannover setzt Kurs: Wirtschaft trifft Kandidierende

20. August 2026 | von von Georg Thomas, Klaus Pohlmann, Barbara Dörmer

Wie Hannovers Wirtschaft stärken, Ansiedlungen ermöglichen, die Stadt zukunftsfähig machten? Bei einer Podiumsdiskussion von IHK Hannover, Neuer Presse und Industrie-Club Hannover stellten sich fünf Kandidierende den fast 200 Unternehmerinnen und Unternehmern im Plenarsaal der IHK.

 

Es ist die Wirtschaft, es sind die Unternehmen, aus denen eine Stadt ihre Kraft schöpft: Da jedenfalls waren sich fünf der für das Oberbürgermeisteramt in Hannover Kandidierenden im IHK-Plenarsaal einig: Das mag wenig überraschend klingen, wenn man sich in diesem Umfeld mit mehr als 150 Unternehmerinnen und Unternehmern im IHK-Plenarsaal zum Wahlkampf trifft. Aber wie ist der Blick auf die Wirtschaft, die Perspektive für Wachstum? In der Diskussion, moderiert von IHK-Hauptgeschäftsführerin Maike Bielfeldt und NP-Chefredakteur Carsten Bergmann, tauchten einige Stichwörter – Ansiedlung, Flächen, Rahmenbedingungen, Branchenstärken, Innovationskraft – immer wieder auf, allerdings durchaus unterschiedlich gewichtet.

Durchs Los bestimmt als Erste betonte Maren Kaminski (Die Linke) die Bedeutung der Arbeit, forderte entsprechend den VW-Standort Hannover zu erhalten sowie ein Konzept für die Messe. Außerdem wesentlich für Wachstum: Ansiedlung. Wobei, das wurde im späteren Verlauf der Diskussion deutlich, Kaminski sich auch Gewerbeansiedlung im Bereich der Messe vorstellen kann, wenn dort Flächen entstehen sollten. Außerdem sprach sie sich dafür aus, Unternehmen, die unter Baustellen litten, die Gewerbesteuer zu erlassen. Zudem würde sie die Genehmigungsfiktion einführen, wonach Vorhaben, die innerhalb eines gewissen Zeitraums nicht bearbeitet sind, als genehmigt gelten

Belit Onay (Bündnis 90/Die Grünen) wies auf die Erschließung des Deurag-Nerag-Geländes in Misburg hin, das Raum für Ansiedlung bieten werde. Er sieht in der Branchenvielfalt den Grund für eine „gewisse Resilienz“, so Onay, der städtischen Wirtschaft, und das aktuell mit Zugpferden wie der Versicherungs- und Gesundheitswirtschaft. Er machte deutlich, wo man gerade mit Blick auf Zukunftsbranchen ansetzen müsse: Auf die Qualität des Wissenschaftsstandortes. wobei er darauf hofft, dass die Uni Hannover Exzellenz-Universität wird – womit die Möglichkeit gegeben wäre, und sieht darin die Chance, Innovationen aus dem Uni-Bereich noch stärker zu fördern.

Peter Karst (CDU) sprach von den „natürlichen Begabungen und Talenten“ Hannovers bei der Wirtschaft insgesamt und auch mit Blick auf die Industrie. Hier müsse man ansetzen, sagte Karst und kritisierte zum Beispiel eine Zurückhaltung bei bestimmten Energiethemen: synthetische Kraftstoffe oder Speichertechnologien. Er wies darauf hin, dass es gerade in diesen Bereichen starke Unternehmen in der Landeshauptstadt gibt. Um den Standort weiterzuentwickeln, will er die Wirtschaft und die Ansiedlung von Unternehmen zur Chefsache zu machen und setzt dabei unter anderem auf einen neuen Spitzenjob, einen „Chief Location Officer“.

Jessica Schülke (AfD) sprach zunächst vor allem an, wie bedeutend aus ihrer Sicht das Zusammenspiel aller Seiten ist, um die Wirtschaft für die Zukunft zu stärken. Sie will die Rahmenbedingungen verbessern, nannte Bürokratie und Digitalisierung, um das in den heimischen Unternehmen greifbar vorhandene Innovationspotenzial freizusetzen. Später erklärte sie auch, zum Sparen „alle Gender-, Queer- und Klimaprojekte“ streichen zu wollen. Die Gewerbesteuer plant sie zu senken. Zudem befürwortet sprach sie sich gegen die Energiewende und für eine Rückkehr zur Kernkraft aus, will aber die Innovationen bei den Erneuerbaren weiterführen. 

Axel von der Ohe (SPD) brachte einen Wirtschaftsbeirat für Hannover ins Gespräch, besetzt aus Unternehmen, Gewerkschaften und Kammern, unter dem Stichwort partnerschaftliche Wirtschaftspolitik. Er sieht Luft nach oben bei der Wirtschaftsförderung, und er spannte ebenfalls den Bogen von den Stärken, die es zu erhalten gelte – Beispiel Messe – zu den Wachstumsbranchen, auf die man setzen müsse: Robotik, KI, Life Science oder Medizin. Den Personalaufwuchs in der Stadtverwaltung will er stoppen: „Die Zukunftsfähigkeit der Stadtverwaltung wird davon abhängen, dass wir mehr Aufgaben mit weniger Personal erledigen - das bedeutet mehr Digitalisierung, mehr Automatisierung, mehr Einsatz von KI.“  

Damit vertritt von er Ohe, derzeit als Kämmerer für die Stadtfinanzen verantwortlich, eine andere Position als Oberbürgermeister Onay, der mit weiteren Stellen in der Verwaltung plant: Dieser Streitpunkt wurde kurz nach der Diskussion in der IHK bei den Haushaltsberatungen für die Landeshauptstadt deutlich.