Reifen pur: Continental auf der Zielgeraden
04. März 2026 | von Klaus PohlmannWesentliche Ziele erreicht: Im Reifengeschäft und bei der Neuaufstellung des Unternehmen. Das sagte Continental-Vorstandschef Christian Kötz Anfang März in Hannover.
Wenn alles so läuft wie geplant, wird Continental in nicht einmal einem Jahr erstmal als reiner Reifenhersteller dastehen. Der Umsatz des hannoverschen Unternehmens allein mit Reifen soll sich in diesem Jahr zwischen 13,2 Mrd. und 14,2 Mrd. Euro einpendeln. Der Verkauf von ContiTech, der auf unter anderem auf Schläuche oder Beläge spezialisierten Industriesparte, ist auf der Zielgeraden. Das machte Continental-Chef Christian Kötz bei der Jahrespressekonferenz in Hannover. In diesem Bereich strebt das Unternehmen einen Umsatz von 4,2 Mrd. bis 4,8 Mrd. Euro an. Was bedeutet: Der Continental-Konzern in seiner aktuellen Aufstellung will 2026 zwischen 17,3 und 18,9 Mrd. Euro umsetzen. Im vergangenen Jahr waren es nach den jetzt veröffentlichen Zahlen 19,7 Mrd. Euro, nach 20,1 Mrd. Euro 2024.
Ein Unternehmen im Wandel in einer Welt, die selbst einen gewaltigen Umbruch erfährt: Der Continental-Ausblick für 2026 berücksichtigt die Eskalation im Nahen Osten noch nicht. Es sei zu früh, mögliche Auswirkungen steigender Energie- und Rohstoffpreise oder brüchiger Lieferketten zu beurteilen, hieß es bei der Pressekonferenz.
Herausforderungen in jeder Hinsicht
Aber auch so fordern Zölle, Währungskurse und Krisenherde Continental in diesem Jahr ebenso wie bereits 2025. Hinzu kommt der interne Umbau: Nachdem die Antriebssparte 2021 unter dem Namen Vitesco aus dem Konzern herausgelöst wurde, war es im vergangenen Jahr die Zuliefersparte („Aumovio“). Anfang dieses Jahres wurde der Verkauf der ContiTech-Zuliefersparte für den Automobilbau (OESL) abgeschlossen. Das alles schlägt sich in den Zahlen nieder.
Dabei blieb das Reifengeschäft, auf das sich Continental künftig konzentrieren wird, trotz des angespannten Umfelds stabil. Der Umsatz erreichte im vergangenen Jahr 13,8 Mrd. Euro, rund 0,5 Prozent weniger als 2024. Die bereinigte EBIT-Marge lag mit 13,6 Prozent etwa auf Vorjahresniveau (13,7 %).
ContiTech setzte im vergangenen Jahr 6 Mrd. Euro um und damit 6 Prozent weniger als 2024. Rund 1,6 Mrd. Euro entfielen dabei auf die verkaufte OESL-Sparte. Daher erklärt sich die für dieses Jahr deutlich geringere Umsatzerwartung für Contitech. Beim Ergebnis sei die Sparte hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Die bereinigte EBIT-Marge von ContiTech belief sich auf 5,3 Prozent (Vorjahr: 6,1 %). Um die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu verbessern, sollen jährliche Einsparungen in Höhe von 150 Mio. Euro insbesondere in den Verwaltungsstrukturen erzielt werden. Über Einzelheiten, insbesondere zu einem möglichen Personalabbau, gibt es noch keine Informationen: Die Verhandlungen laufen noch.
Ergebnis von Sondereffekten geprägt
Für die Continental insgesamt belief sich das bereinigte operative Ergebnis auf 2,0 Mrd. Euro, ein Minus von acht Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das entspricht einer bereinigten Ebit-Marge von 10,3 Prozent entspricht (Vorjahr: 11 %). Der Aumovio-Spin-off sowie der 2025 noch nicht vollständig abgeschlossene OESL-Verkauf führten zu nicht zahlungszahlungswirksamen Sondereffekten von rund 1,2 Mrd. Euro, die sich negativ auf das Ebit auswirkten. Entsprechend steht bei einem Nettoergebnis vor den Sondereffekten von etwa 1,1 Mrd. Euro unter dem Strich ein Minus beim Nettoergebnis von 165 Mio. Euro (2024: plus 1,2 Mrd. Euro). Da die Sondereffekte aber nicht zahlungswirksam sind, ermöglichen sie auch Sicht des Vorstands einen Dividendenvorschlag von 2,70 Euro. Außerdem soll an die Belegschaft ein mittlerer zweistelliger Millionen-Euro-Betrag ausgeschüttet werden. Je nach Konzernbereich liegt die Summe pro Mitarbeitendem zwischen 740 und gut 1100 Euro.
„Wir haben 2025 in Summe ein gutes bereinigtes operatives Ergebnis erzielt – und das in einem widrigen Umfeld. Allein im Unternehmensbereich Tires beliefen sich die Belastungen durch Zölle auf mehr als 100 Millionen Euro. Hinzu kamen die negativen Wechselkurseffekte. Ohne diese zusätzlichen Belastungen hätte das Ergebnis im Reifenbereich deutlich über dem Vorjahresniveau gelegen“, sagte Roland Welzbacher, Finanzvorstand von Continental.“

Continental-Vorstandschef Christian Kötz: „Wir haben 2025 unsere Ziele auf Konzernebene und bei Tires erreicht. Gleiches gilt für zentrale Meilensteine unserer Neuaufstellung“, so Continentl-Vorstandschef Christian Kötz. In einem weiterhin schwierigen Umfeld betont er angesichts der Konzentration auf Reifen die starke Position des Unternehmens bei hochqualitativen Reifen insbesondere im Bereich über 18 Zoll. Die machen fast zwei Drittel des Umsatzes aus. Außerdem hob er die Nachhaltigkeit hervor: Kötz kündigte bei der Jahrespressekonferenz an, zum Beispiel Rohstoffe für die Reifenproduktion über Bakterien zu gewinnen.
