Eingeschränkter Flugverkehr. Quelle: Flighradar
Nord/LB-Analyse: Erste Einschätzung der Krise in Nahost
04. März 2026 | von Klaus PohlmannNoch blicken die Nord/LB-Analysten mit einer gewissen Gelassenheit auf die wirtschaftlichen Folgen der Nahost-Eskalation. In einer Online-Runde vor bis zu 700 Teilnehmenden wies Energie-Experte Thomas Wybierek darauf hin, wie entscheidend die Dauer des Konflikts ist. Preissteigerungen sieht er vor allem beim Gas. Dagegen sei die aktuelle Entwicklung beim Öl teilweise bereits eingepreist gewesen, der aktuelle Preisanstieg bislang moderat.
Allerdings staut sich einiges auf: Wybierek nannte die Zahl von 500 Tankern, die vor der Straße von Hormus vor Anker liegen. Bis zu einem Viertel der weltweiten Öl-Transporte werden durch die weniger als 40 Kilometer messende Meerenge transportiert. Alternative ist allenfalls der zehn Tage längere Weg um das Kap der guten Hoffnung. Pipeline-Kapazitäten gibt es nicht in ausreichender Menge.
Offensichtlich ist die Inflationsgefahr durch steigende Energiepreise. Constantin Lüer, Experte für die USA, sieht außerdem einen wieder erstarkenden Dollar.
Höhere Transportpreise und neue Belastungen für die Lieferketten zeichnen sich ebenfalls ab. Die Region hat sich zu einem wichtigen Warenumschlagsplatz entwickelt. Einschränkungen im Luftverkehr könnten auch, so die Nord/LB, sich auf die Touristik auswirken. Das trifft die Golfstaaten, die sich in den vergangenen Jahren ausdrücklich als sichere Reiseziele zu etablieren versuchten. Stattdessen sitzen dort gerade in großer Zahl Reisende fest..
Das alles ist aber noch eine erste Momentaufnahme. Unklar sei etwa insbesondere die Rolle Chinas, die Öl aus dem Iran bezogen hat, ebenso wie aus Venezuela. Gestern noch sprach die Nord/LB vom Pulverfass Iran: Wie weit die wirtschaftlichen Folgen reichen, werden die kommenden Tage und Wochen zeigen.
