Publikum bei einer Veranstaltung im modernen Saal, aufmacher-goe-2 Deutlich über 500 Gäste kamen zum IHK-Jahresempfang in die Göttinger Stadthalle. Foto: Beuermann

GOeFuture: Top-Thema beim Göttinger IHK-Empfang

14. Januar 2026 | von Klaus Pohlmann und Georg Thomas

Lichtblick, Mutmacher, Meilenstein: Dass Göttingen eine von bundesweit zehn Startup Factorys bekommt, war ein beherrschendes Thema beim IHK-Jahresempfang. GOeFuture soll im forschungsintensiven Städtedreieck mit Hannover und Braunschweig die Zahl von Unternehmensgründungen im Bereich Life Sciences hochtreiben.

 

Es ist die Chance für Göttingen und Südniedersachsen: Das betonte IHK-Vizepräsidentin Alexandra Gerhardy mit Blick auf GOe Future. Bis zu 20 Mio. Euro aus privaten und staatlichen Mitteln, um einen Ort zu schaffen, “an dem Ideen nicht nur entstehen, sondern wachsen können.” Es würde ein Wachstumsmotor für die Region entstehen, so Gerhardy. Die Grundlage bilden 13 Hochschulen und Forschungseinrichtungen sowie eine große Zahl von Unternehmen zwischen Hannover, Braunschweig und Göttingen.

Niedersachsens Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne verwies vor dem Hintergrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage auf die wichtige Problemlöser-Funktion von Start-ups. In jungen Unternehmen gebe es eine besondere Mentalität, um Herausforderungen zu begegnen – „und genau das brauchen wir, Menschen, die Probleme anpacken.“ Aufgabe der Politik sei es, den Wissenstransfer zu fördern und dafür zu sorgen, dass aus Forschungsergebnissen fertige Produkte werden.

IHK Veranstaltung in Göttingen mit Redner am Podium vor Publikum

Das Bundesland seit mit der Region Göttingen und Südniedersachsen insbesondere im Bereich der Life Sciences, also der Lebenswissenschaften mit Biotechnologie, Medizin, Ernährung oder auch Pharmazie, sehr gut aufgestellt. Er wies nicht nur auf die bereits bestehenden Einrichtungen der Life Science Factory und Life Science Valley hin, sondern brachte auch Belege für die Stärke der Region mit: Seit 2019 seien in Göttingen 59 Start-ups gegründet worden, sagte Tonne gestützt auf eine Studie. Damit sei die Gründungsintensität gemessen an der Einwohnerzahl höher als in Hannover und Braunschweig. Und fast jede dritte dieser Gründungen sei im Bereich Medizintechnik angesiedelt, so der Minister. Bundesweit: 11 Prozent.

Der Wirtschaftsminister sagte, die Region Göttingen dürfe stolz darauf sein, eine von zehn Regionen in Deutschland zu sein, die mit GOeFuture eine Startup Factory beekomme. „Das ist die Chance wissenschaftliche Exzellenz mit privatem Kapital, mit etablierten Unternehmen und Start-ups zu verzahnen“, so Tonne. Für das Land Niedersachsen sei dies eine einmalige Chance, das „Life-Science-Ökosystem auf ein neues Niveau zu heben“.

Der Stand bei GOeFuture: Nach dem Zuschlag Mitte 2025 ist jetzt die Förderung grundsätzlich unter Dach und Fach, Mitarbeitende werden eingestellt, das Projekt wird in die Öffentlichkeit getragen. Das erklärte Prof. Dr. Elisabeth Zeisberg, die Geschäftsführerin der GOeFuture Management GmbH. Allerdings: Die Förderkonzept sieht vor, dass die Finanzierung jeweils zur Hälfte von privater und öffentlicher Seite gestemmt wird. Noch sind jedoch die privaten 10 Mio. Euro, die nötig sind, damit das Fördervolumen über öffentlichen Beitrag in gleicher Höhe vollständig ausgeschöpft wird, nicht erreicht, so Zeisberg. Die GOeFuture-Chefin machte aber auch deutlich, was da in den kommenden fünf Jahren in Göttingen entstehen soll: Eine Organisation, in der gewissermaßen fabrikmäßig Start-ups entstehen:  “Wie Brezeln backen”, sagte dieinen e in Regensburg geborene Medizinerin. Deshalb heißen die zehn in Deutschland entstehenden Schwerpunkte für die Gründungsförderung eben auch Start-up-Factorys.

Die IHK Hannover unterstützt das Projekt. Wie, wurde durch zwei Unternehmen deutlich. Stephanie Pfeil-Coenen, Mitgründerin und Geschäftsführerin des noch jungen Biotechnologie-Unternehmens Phaeosynt GmbH, kommt Hannover, hat aber für die Gründung das Know-how des Life Science Valley genutzt: Die regionale Zusammenarbeit funktioniert also. Phaeosynt übrigens nutzt unter anderem Kieselalgen, um ohne tierische Bestandteile Antikörper zu produzieren - etwa für den weltweit ersten veganen Schwangerschaftstest. Geradezu überschäumend - “jetzt komme ich so richtig in Fahrt” - berichtete sie von der Geschwindigkeit, die für ein Start-up überlebenswichtig ist: “Das muss alles zackig gehen”. Und Geduld habe sie ohnehin nicht. 

Von dieser Heransgehensweise können etablierte Unternehmen profitieren. Sagte Dennis Benkmann, Geschäftsführer der Northeimer Sabeu GmbH & Co. KG. Mit seinem Unternehmen, in der Kunststoff- und Membrantechnologie unterwesgs, engagiert er sich der Initiative Mentor Match, die von der IHK Hannover in GOeFuture eingebracht wird. Mentor Match führt erfahrene Unternehmerinnen und Unternehmer mit der Gründungsszene zusammen - ein Brückenschlag. Davon, so Sabeu-Chef Benkmann, können beide Seiten profitieren. Die Start-ups werfen sozusagen einen Blick in die Zukunft, sehen also, wie sie selbst in einigen Jahren aufgestellt sein können. Und die Mentor-Unternehmen nehmen die Geschwindigkeit, die Lösungsorientierung, die Fehlerkultur, die Mentalität der nachwachsenden Generation auf - und lernen, wie ihre künftigen Kundinnen und Kunden ticken. Benkmann wurde von Christian Grascha, stellvertretender IHK-Hauptgeschäftsführer und für Südniedersachsen zuständig, für Mentor Match gewonnen. Und will nun weiter Brücken bauen. Schließlich sei GOeFuture, die Förderung von Start-ups, auch eine große Chance für die Region.

Noch in einem weiteren Aspekt unterstützt die IHK die Life-Science-Iniative: Über Adelante! Colombia werden südamerikanische Fachkräfte in die Region geholt. Zunächst auf Medizintechnik ausgerichtet, wurde das Spektrum jetzt noch erweitert, wie Sozialminister Dr. Andreas Philippi beim IHK-Jahresempfang in Göttingen sagte. Durch die Zusammenarbeit von IHK Hannover und Landesregierung habe es im vergangenen Jahr hier einige Fortschritte gegeben. Alexander Hartkens, für den Personalbereich bei Contitech in Northeim zuständig, lobte das Projekt als eine der wichtigen Ideen, um angesichts der demografischen Entwicklung die nötigen Fachkräfte zu gewinnen. Und wie drängend dieses Thema ist, hatte bereits IHK-Vizepräsidentin Alexandra Gerhardy angesprochen. Hartkens zeigte sich vom Adelante!-Projekt absolut überzeugt: Nur so könne man lernen, wie groß die Sprachbarrieren wirklich sind, wie hoch tatsächlich die bürokratischen Hürden. Er jedenfalls sei durch die IHK neugierig geworden auf das Projekt. Und wurde offenbar nicht enttäuscht.

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