80 Jahre NW: Keine Stunde Null
09. Juni 2026 | von Klaus PohlmannWie alles begann: Ein Aufbruch in Trümmern und Ungewissheit. Es geht um Tatsachen, Pläne, Hoffnungen.
Die Tatsachen im Mai 1946, ein Jahr nach Kriegsende in Europa? Deutschland, eine Trümmerwüste. In Hannover. Und wohl noch schwerer als die Millionen Kubikmeter Trümmerschutt wog die moralische Schuld.

Die Erstausgabe der neuen IHK-Zeitschrift betont den „total“ verlorenen Krieg, erinnernd an die Propaganda-Raserei vom Totalen Krieg gut drei Jahre zuvor im Berliner Sportpalast. Alles stehe unter dem Eindruck dieses „total“ verlorenen Krieges.
Und die Pläne? Auch darum geht es in der ersten, gerade einmal acht Seiten umfassenden Ausgabe der Niedersächsischen Wirtschaft. Noch scheint der Morgenthau-Plan einer De-Industrialisierung Deutschlands nicht vom Tisch. Vor allem aber fragt die NW nach der Kohleförderung: Daran hänge alles. Und der Kälte- und Hungerwinter 1946/47 sollte erst noch kommen.
Da war keine Stunde Null. Aber Wunsch und Wille, weiterzuleben. Noch vor Kriegsende in Europa, am 30. April 1945, wandte sich der spätere NW-Chefredakteur Dr. Johannes Niggemann an die Militärregierung mit dem Ersuchen, über Zeitungen hinaus Presse zu ermöglichen: "Ich denke im besonderen an Wirtschaftsblätter zur Unterrichtung der Betriebe in Industrie, Handel und Gewerbe", schrieb er.
Spätestens ab Juni 1945 bemühte man sich dann konkret um die Erlaubnis für eine Zeitschrift. In Hildesheim gab es sogar bereits ein knappes Mitteilungsblatt, in großen Abständen. Knapp ein Jahr später erschien dann alle 14 Tage die Niedersächsiche Wirtschaft, informierte über Anordnungen der Militärregierung oder Bombenschäden-Beseitigung, allgemein über die Neuorganisation der Wirtschaft. Noch vor Gründung des Landes, vor vielen anderen Zeitungen und Zeitschriften, vor der D-Mark, lange vor Gründung der Bundesrepublik.
Und Hoffnung? Die zieht die NW aus einem überall spürbaren Gemeinschaftsgefühlt. Zusammen aus dem Tief: Würde auch heute noch gut in die Zeit passen.
