Sehnsuchtsort der Kandidierenden: das hannoversche Rathaus. Der Verkehr fließt auf der anderen Seite. Foto: Pixabay/one-tan-42

Innenstadt erreichen: Unterschiede werden deutlich

20. August 2026 | von Georg Thomas

Eines der Themen, bei denen sich im Wahlforum in der IHK Hannover durchaus unterschiedliche Positionen bei den Kandidierenden zeigten, war die Erreichbarkeit der Innenstadt. Die Frage wurde  von einem Unternehmer aus dem Publikum aufgeworfen, Martin Schilling, Leiter der Geschäftsstelle Private Banking Hannover bei der Warburg-Bank. Der berichtete, er sei zwar ein großer Fan des Öffentlichen Nahverkehrs, allerdings viele der Kundinnen und Kunden des Bankhauses aus dem Umland auch mit dem Auto in die Innenstadt kämen und sich über „Stau, Engpässe und irgendwelche Blumenkübel hinter der Oper“ beklagten.

Alle fünf Kandidierenden sprachen sich dafür aus, dass die Innenstadt Hannovers auch weiterhin mit dem Auto erreichbar sein müsse – allerdings mit deutlichen Unterschieden beim Wie. Belit Onay hatte im Vorfeld der letzten Kommunalwahl vor fünf Jahren seine Vision der „autoarmen Stadt“ geprägt. Onay verwies darauf, dass Hannovers Innenstadt unter den Top Fünf in Deutschland sei und mit rund 70 Prozent der Großteil der Menschen mit dem Fahrrad, zu Fuß oder dem ÖPNV in die City kämen. „Mit der Verkehrs- und Mobilitätswende haben wir eine echte Chance der Veränderung“, sagte Onay. Er möchte die Räume in der Innenstadt neu verteilen, das Parken am Straßenrand halte er aufgrund der vorhandenen Parkhäuser für unnötig und er wolle den Autofahrenden nicht ihre Freiheit nehmen, allerdings wolle er den Autoverkehr reduzieren. 

Maren Kaminski von der Linken stimmte Onay in vielen Punkten zu: „Der Raum und die Plätze in der Innenstadt sind endlich“ und der Individualverkehr sei für die Bewohnerinnen und Bewohner nicht nur der Innenstadt auch eine Belastung. Sie sprach sich daher für einen „klugen Verkehrsmix“ aus und sagte: „Der ÖPNV muss günstiger werden“. Sie verwies in ihren Ausführungen allerdings auch darauf, dass der ÖPNV für die Stadtbevölkerung vielfach attraktiver sei als für die Menschen aus dem Umland. 

„Der Verkehrs muss fließen und die Innenstadt muss erreichbar sein“, sagte Axel von der Ohe. Der Kandidat der SPD möchte „ohne Kulturkampf“ und „unideologisch“ an das Thema herangehen. So sprach er sich gegen die Sperrung der Karmarschstraße in der Innenstadt aus, da die Straße erst vor zehn Jahren für viel Geld saniert worden sei und so wie sie ist, funktioniere. „Wir haben bei Gott wichtigeres zu tun, als uns um die Sperrung dieser Straße zu kümmern“, sagte von der Ohe, dessen SPD-Ratsfraktion sich allerdings für die Sperrung der Straße ausgesprochen hat. Er wolle sich konkrete Einzelfälle anschauen und dort konkrete Entscheidungen treffen.

„Mobilität ist in erster Linie eine soziale Frage der Teilhabe“, sagte Peter Karst. Denn, wenn es sozial gerecht funktioniere, dann funktioniere es auch mit der Wirtschaft, denn dann könnten auch die Menschen aus dem Umland sich in Hannover ausbilden lassen, hier studieren oder arbeiten und umgekehrt. Der Kandidat der CDU sprach sich für ein gutes Miteinander aller Verkehrsträger – „einen multimodalen Mix“ – aus, der auch in Zukunft die Mobilität „von Tür zu Tür“ bis in die Innenstadt ermöglicht. Für die Geschäfte in der Innenstadt seien die Kunden aus der Region ein wichtiger Faktor. Die Erreichbarkeit für alle, möchte Karst auch durch ein „Intelligentes System, das Mobilität vernetzt“ sicherstellen. Er wolle zunächst „datenbasiert“, den Ist-Zustand analysieren und dann daraus die richtigen Schlüsse ziehen.

Jessica Schülke, Kandidatin der AfD bekannte sich zum Erhalt des Individualverkehrs und sagte: „Jeder muss in die Stadt kommen, wie er das gern möchte.“ Zudem sprach sie sich für mehr Parkplätze in der Stadt aus. „Denn weniger Parkplätze bedeuteten ja nicht weniger Verkehr, sondern nur längere Wartezeit auf einen Parkplatz“, so Schülke. Die Menschen, die vom Land, von außerhalb in die Stadt kämen, bräuchten mehr Parkmöglichkeiten und sie müssten auch aus Stadt wieder gut herauskommen.