Johannes Pfeiffer (Arbeitsagentur), Gerhard Oppermann (IHKN-Präsident), Klaus Dierker (Landesaufnahmebehörde) und IHKN-Haputgeschäftsführerin Maike Bielfeldt. Foto: Stefan Finger.
Fachkräfteeinwanderung: Kooperation in Niedersachsen vereinbart
14. August 2026 | von Klaus PohlmannMenschen nach Niedersachsen zu holen, die hier arbeiten wollen: Um Unternehmen bei der Einwanderung von Fachkräften zu unterstützen, haben jetzt dafür wesentliche Einrichtungen eine Kooperationsvereinbarung geschlossen.
Das Verfahren der Fachkräfteeinwanderung soll für Unternehmen durch die Mitte August vereinbarte Zusammenarbeit leichter zugänglich und schneller werden. Die niedersächsischen Industrie- und Handelskammern wurden dabei von Gerhard Oppermann vertreten, Präsident der IHK Niedersachen (IHKN). Für die Arbeitsagentur unterschrieb Johannes Pfeiffer, Chef der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen, und für die noch junge Landesaufnahmebehörde Niedersachsen deren Vorsitzender Klaus Dierker.
Die Landesaufnahmebehörde hat in Niedersachsen bei der Neuorganisation des beschleunigten Fachkräfteverfahrens, das den rechtlichen Rahmen für die Zuwanderung vorgibt, eine besondere Bedeutung. Sie wurde Mitte 2025 gegründet, hat ihren Sitz in Osnabrück und bearbeitet seit Jahresbeginn alle Verfahren zentral. Zuvor wurden waren jeweils die kommunalen Ausländerbehörden zuständig. Rund 3000 Anträge zählte die Behörde bislang, davon erhielten mehr als die Hälfte einen positiven Vorab-Bescheid.
Entscheidend: Ein vollständiger Antrag
Entscheidend für eine reibungslose Abwicklung sind vollständige und aussagekräftige Antragsunterlagen. Hier werden die Industrie- und Handelskammern künftig nicht nur Unternehmen beraten und über das Verfahren informieren, sondern auch den Unterlagensatz prüfen, bevor der Antrag an die Landesaufnahmebehörde geht. Dadurch soll es weniger Rückfragen geben und ein Verfahren ohne Erfolgsaussicht ganz vermieden werden. Klaus Dierker, Präsident der Landesaufnahmebehörde: „Jede Rückfrage kostet Zeit. Wenn die Unternehmen bereits im Vorfeld gut beraten werden und die Unterlagen vollständig bei uns eingehen, können wir die Verfahren deutlich effizienter bearbeiten.“ Er geht bei einem gut vorbereiteten Antrag von einer Dauer zwischen sechs und acht Wochen aus.
Nach Eingang der Unterlagen übernimmt die Zentralstelle für das beschleunigte Fachkräfteverfahren die landesweite Koordination und Bearbeitung der digital abgewickelten Verfahren. Dabei spielt auch eine Rolle, um welche Berufe es geht und ob ausländische Abschlüsse in Deutschland anerkannt werden können. Hier hat gerade die IHK Hannover jahrelange Erfahrung. Die Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen der Bundesagentur für Arbeit bringt ihre arbeitsmarktbezogene Expertise in den Prozess ein und unterstützt insbesondere bei Fragen rund um die Beschäftigung internationaler Fachkräfte. Erforderlich ist des Weiteren ein Visumverfahren über die deutschen Botschaften, das aber schon begonnen werden kann, sobald positive Erfolgsaussichten bescheinigt sind.
Einwanderungsland Niedersachsen
Alle drei Vertreter der beteiligten Institutionen betonten, dass der Fachkräftemangel weder in Deutschland noch in Niedersachsen ohne Zuwanderung bewältigt werden kann. IHKN-Präsident Oppermann wies auf die hohe Zahl von Menschen hin, die aus dem Erwerbsleben ausscheiden: Der Bedarf an qualifizierten Beschäftigten werde weiter steigen, und: „KI wird nicht alles lösen, davon sind wir überzeugt.“ Mit der heutigen Kooperationsvereinbarung würden die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass das beschleunigte Fachkräfteverfahren für Unternehmen einfacher und verlässlicher funktioniert, so Oppermann. Er forderte ausdrücklich eine Willkommenskultur statt einer des Misstrauens und der Kontrolle.
Konkurrenz um ausländische Fachkräfte
Arbeitsagentur-Regionalchef Johannes Pfeiffer wies auf die Konkurrenzsituation beim Werben um ausländische Fachkräfte hin. Das gelte für Deutschland, aber auch für einzelne Bundesländer: „Man kommt nicht unbedingt auf Niedersachsen, auch nicht im deutschlandweiten Vergleich“, beschrieb er die Perspektive ausländischer Fachleute. Niedersachen sei ein Einwanderungsland, betonte Pfeiffer, und machte deutlich, dass sonst kein wirtschaftliches Wachstum möglich wäre. Schon jetzt kommen nicht genug Menschen nach Deutschland, um die demografische Lücke zu füllen. Mit der jetzt geschlossenen Kooperationsvereinbarung wolle man sich gegenseitig in die Pflicht nehmen und Niedersachsen für die Zuwanderung attraktiver machen.
Dabei betonte Klaus Dierker für die Landesaufnahmebehörde die Zusammenarbeit mit den Industrie- und Handelskammern. Das ermögliche den Rückgriff auf langjährige Erfahrung sowie regionale Strukturen mit großer Nähe zu den Unternehmen und ebenso kurze Abstimmungswege. Die Behörde begann nach vergleichsweise kurzem Vorlauf vor gut einem Jahr mit ihrer Arbeit und zählt heute rund 30 Vollzeit-Mitarbeiterstellen.
Informationen zur Fachkräftevereinbarung und einen Überblick zu Veranstaltung im Bereich der IHK Hannover finden Sie auf der IHK-Website auf den Seiten des Welcome & Business Center der IHK.
Kontaktpersonen bei der IHK Hannover:
Maria Svetlichnaia
Tel. 0511 3107-441
maria.svetlichnaia@hannover.ihk.de
Andrey Schuhr
Tel. 0511 3107-293
Andrey.schuhr@hannover.ihk.de
