Person liest nachts unter einer Decke mit Taschenlampe und Kerze Gewappnet für den Blackout – mit Taschenlampe und Kerzen. Besser, wenn es soweit nicht kommt. Foto: Adobe/Pixel-Shot

Blackout: Stimmen aus der Wirtschaft

09. Februar 2026 | von Barbara Dörmer

Nach dem Blackout im Januar in Berlin stellt sich die Frage: Was muss getan werden, um eine vergleichbare Situation zu vermeiden? Hier Stimmen aus der Wirtschaft.


Vom Blackout in Berlin waren im Januar rund 100 000 Menschen betroffen. Einige Haushalte waren bis zu fünf Tage lang ohne Strom. Stimmen aus der Wirtschaft: Was muss getan werden, um eine vergleichbare Situation zu vermeiden?


Marc Hiller, Geschäftsführung Frerk Aggregatebau GmbH, Schweringen

„So umfassend Schutzmechanismen in Stromnetzen auch sind – eine Ausfallsicherheit zu 100 Prozent gibt es nicht. Großflächige Stromausfälle sind längst keine theoretische Gefahr mehr. Notstromsysteme sind in der Lage, die Resilienz entscheidend zu stärken. Mit Ersatz-Stromversorgung beschäftigen wir uns seit über sechs Jahrzehnten. Unterbrechungsfreie Backup-Lösungen sind nicht nur dort unverzichtbar, wo sie gesetzlich vorgeschrieben sind – etwa in Krankenhäusern, im Verkehr, in Rechenzentren und weiteren KRITIS-Bereichen. Auch die individuelle Vorsorge empfehlen wir. Während Standardaggregate private Haushalte und kleinere Gewerbebetriebe versorgen können, ermöglichen leistungsstarke USV-/Diesel-Lösungen die längerfristige Stromversorgung ganzer Unternehmensstandorte. In Berlin hat sich gezeigt wie effizient Netzersatzanlagen sind, um systemrelevante Prozesse am Laufen zu halten. Die Bevorratung mit Ersatz-Stromversorgung schafft Unabhängigkeit und Sicherheit – egal in welchem Einsatzbereich.“


TÜV Verband e.V., Berlin

„Der großflächige Stromausfall in Berlin hat deutlich gemacht, wie verletzlich die technische Infrastruktur in Deutschland ist. Besonders in Krankenhäusern, Pflegeheimen, Schulen, Kitas und anderen so genannten Sonderbauten ist eine funktionierende Notstromversorgung lebenswichtig – doch viele Anlagen sind nicht in einwandfreiem Zustand. Laut dem TÜV-Baurechtsreport 2025 ist bei den Prüfungen der so genannten Sicherheitsstromversorgungsanlagen fast jede dritte Anlage (30 %) mit gravierenden Mängeln beanstandet worden, weitere 45 Prozent mit geringen Mängeln. Sicherheitsrelevante Mängel sind unter anderem nicht startende Notstromaggregate, unzureichender oder veralteter Kraftstoff oder defekte Batterien."
„Nach den Bauordnungen der Länder gelten neben Kliniken, Pflegeheimen, Schulen und Kitas unter anderem auch Hochhäuser, Einkaufszentren und Versammlungsstätten wie Kinos oder Theater als Sonderbauten. Für sie ist eine Notstromversorgung gesetzlich vorgeschrieben, um auch bei einem Stromausfall oder im Fall eines Brandes den Betrieb sicherheitsrelevanter Systeme aufrechtzuerhalten. Der TÜV-Verband fordert, die Resilienz der kritischen Infrastruktur in Deutschland stärker in den Fokus zu rücken. Dazu gehören verbindliche Prüfintervalle, ausreichend qualifiziertes Fachpersonal und die konsequente Umsetzung der Prüfergebnisse."
„Insbesondere bei Stromausfällen ist es erforderlich, nicht nur einzelne Anlagen, sondern gesamte Versorgungsketten zu betrachten. In der Praxis zeigt sich, dass Kraftstoffvorräte häufig nur 12 bis 24 Stunden ausgelegt sind. Bei länger andauernden Ausfällen stellt sich die Frage der Nachversorgung unter erschwerten Bedingungen: eingeschränkte Logistik, ausgefallene Kommunikationsnetze, blockierte Verkehrswege." 


Floyd Janning, Geschäftsführer Sonnentaler GmbH, Hildesheim

„Ich sehe hier Chancen! Extremsituationen und extreme Wetterlagen bringen die Stromnetze zunehmend an ihre Grenzen. Vielerorts ist die Infrastruktur marode, Stadtwerke sind überfordert. Bund, Kommunen und Netzbetreiber müssen in Netze und Versorgungssicherheit investieren. Aus unserer bundesweiten Erfahrung in Wohnquartieren und Industrie (zum Beispiel Veolia, BER Berlin etc.) sehen wir klar: Dezentrale Lösungen aus Photovoltaik, Batteriespeichern und intelligenter Ladeinfrastruktur erhöhen die Resilienz spürbar und sind die Zukunft. Die Technik hat sich enorm entwickelt – Freifläche, Aufdach, Fassade oder Floating, ergänzt um Ladehubs sogar für E-LKW sowie Trafostationen und Schaltanlagen zur sicheren Einbindung. Neue Geschäftsmodelle, bei denen Investoren oder Vermieter Strom vor Ort erzeugen und fair vermarkten, liefern heute so günstige Energie wie nie und einfach – bei kurzen Leitungswegen und mehr Unabhängigkeit. Mit zertifizierten und sicheren Systemen ist das auch für kritische Infrastruktur machbar.
Die Lösungen sind da – wir müssen sie nur nutzen.“