Streiflicht, Freitags-Kolumne: Bulli-Herz
04. September 2026 | von Klaus Pohlmann
Am Ende einer solchen Woche ist es nicht einfach, einen leichten Ausklang zu finden, den wir an dieser Stelle immer wieder suchen. „Die Automobilproduktion ist eine wichtige Säule der Industrie in Niedersachsen und Hannover. Ein Auslaufen der Produktion in Hannover wäre daher ein fatales Signal für die internationale Wettbewerbsfähigkeit industrieller Produktion am Standort.“ Sagt IHK-Chefin Maike Bielfeldt. Und spricht von einem Tiefschlag für die Industrieregion, wenn es wirklich so weit kommen sollte, dass in Hannover keine Autos mehr gebaut werden.
Und es hängt noch etwas am hannoverschen VW-Werk: Identität. Am VW Bulli. Schlicht und einfach ist Hannover die Heimat eines weltweiten Kultautos. Und nicht umsonst soll der Elektrobus, der jetzt in Stöcken vom Band läuft, an diese Tradition erinnern und sie weiterführen. Hannover hat ein Herz für Transporter, seit 70 Jahren. Und das nicht nur für den Bulli allein.
Hannover kann Nutzfahrzeuge. Machte auch der Oberbürgermeister deutlich. Know-how, Expertise, die über Jahre gewachsen ist. Und die Menschen. Technik-Fachleute, Ingenieurinnen und Ingenieure. Hannover hat's.
Die Stärken auszuspielen, sie auch für die Zukunft zu beweisen, ist in den kommenden Monaten und Jahren die die Aufgabe. Und das nicht nur in Hannover. IHK-Chefin Bielfeldt weist auf die mehr als deutlichen Warnsignale aus der Industrie schon in den letzten Jahren hin, sieht eine schleichende Erosion mit Auswirkungen auf Produktion und Beschäftigung. Und fordert jetzt mehr denn je Reformen und Veränderungen. Um eine industrielle Zukunft für Deutschland zu gewinnen - und nicht zuletzt auch für den Nutzfahrzeug-Standort in Hannover. (pm/dö)
