Illustration: Pixabay/geralt (KI-generiert)
Streiflicht, Freitags-Kolumne: Der Vorfall
24. Juli 2026 | von Klaus PohlmannDa macht sich eine Künstliche Intelligenz selbstständig, dringt ins Internet vor und hackt eine Online-Plattform. Klar ist noch nix, wie eigentlich bei allen wichtigen Fragen, die KI aufwirft. Die Einschätzung des „Vorfalls“ schwankt zwischen Marketing-Maßnahme und Beginn des menschlichen Kontrollverlusts.
Und irgendwie tauchen da schon zwei beunruhigende Dinge auf: Gar nicht mal, dass es ein Hacker-Angriff war. Sondern, dass die KI sich eigenmächtig Zugang zum Internet verschafft hat. Und dieser Gedanke: KI muss kein Bewusstsein haben, um sich so zu verhalten, als hätte sie eins. Eingedrungen wie ein gewiefter Hacker – so wurde das Vorgehen menschelnd beschrieben.
Dass KI mit der Wucht der Dampfmaschine Wirtschaft und Gesellschaft umkrempeln wird, zieht sich durch die Beiträge August-NW, die gerade gedruckt wird. Und auch, dass das nicht nur schneller kommt als bei jeder anderen technologischen Umwälzung. Sondern richtig, richtig rasend schnell.
Das sieht auch die weithin beachtete KI-Enzyklika des Papstes nicht anders. Ihr programmatischer Name: Magnifica humanitas, großartige Menschheit. Und nach dem Hacker-Angriff haben manche Stellen nochmal eine ganz aktuelle Bedeutung bekommen. Da werden zum Beispiel klare Verantwortlichkeiten gefordert und insbesondere auch eine öffentliche Diskussion über einen Ethik-Kodex, um nicht nur wenige Menschen über KI-Algorithmen entscheiden zu lassen. Das passt ziemlich gut zu dem, was der Chef der gerade angegriffenen Plattform sagte, nämlich: KI-Sicherheit wird nicht von einem einzelnen Unternehmen gelöst, das im Verborgenen arbeitet. Sie wird offen und gemeinsam gelöst, mit breitem Zugang zu KI für alle, die verteidigen, überall. Kein Wunder, wenn es stimmt, dass Vatikan und Tech-Firmen sich schon seit Jahren unterhalten.
Im heraufziehenden Zeitalter der Künstlichen Intelligenz wird es ums Mensch bleiben gehen. Um die Vorstellung, was der Mensch ist. Um die großartige Menschheit. Der Vorfall, der Hackerangriff einer KI, zeigt deutlich genug, dass es jetzt darum geht. Und dass die Zeit drängt. (pm)
