Zwei Personen präsentieren verschiedene Berker Schalterprogramme und Steckdosen auf einem Tisch. Ali Faour (rechts) mit einer seiner drei Fachkräfte, die er mithilfe des WBC fand. Foto: IHK Hannover

Internationale Fachkräfte gewinnen – mit Ausdauer und den richtigen Partnern

27. Mai 2026

Als die ALFA Elektrotechnik GmbH aus Wennigsen im Juni 2025 erstmals Kontakt zur IHK Hannover aufnahm, stand das Unternehmen vor einer Herausforderung, die viele Betriebe kennen: Eine qualifizierte Fachkraft war bereits gefunden – doch der Weg zur vollen Anerkennung des ausländischen Berufsabschlusses erwies sich als komplex. Inhaber Ali Faour erinnert sich: „Uns war schnell klar, dass wir ohne Unterstützung nicht weiterkommen.“

Verlässliche Orientierung durch das WBC

Diese dringend benötigte Unterstützung kam von Alina Richter. Sie ist Beraterin für internationale Fachkräftesicherung im Welcome & Business Center und erstellte für das Unternehmen einen individuellen Qualifizierungsplan. Anschließend begleitete sie auch den sogenannten Zweckwechsel des Aufenthaltstitels der Fachkraft. Das bezeichnet die Änderung des ursprünglichen Aufenthaltszwecks, die die Erteilung eines anderen Aufenthaltstitels erforderlich macht.

„Bei Teilanerkennungen kommt es entscheidend darauf an, frühzeitig eine strukturierte Qualifizierungsstrategie festzulegen und den weiteren Prozess kontinuierlich zu begleiten“, erklärt Richter. Für sie ist der damit verbundene Vorteil klar: „Das gibt sowohl den Betrieben als auch den Fachkräften eine verlässliche Orientierung für die nächsten Schritte.“

„Das gibt sowohl den Betrieben als auch den Fachkräften eine verlässliche Orientierung für die nächsten Schritte.“ – Alina Richter, Fachkräfteberaterin

Unerwartete Hürden durch geopolitische Entwicklungen

Nur wenige Monate später wandte sich Faour erneut an das WBC. Er hatte eine weitere Fachkraft gefunden. Fachkräfteberterin Richter prüfte daraufhin die Unterlagen, erläuterte die möglichen Visaarten und unterstützte bei der Stellung des Anerkennungsantrages. Heraus kam eine Teilanerkennung. Währenddessen besuchte die Fachkraft parallel einen A2-Deutschkurs in ihrem Heimatland.

Doch kurz vor der Einreise kam es zu unerwarteten Verzögerungen: Die Fachkraft aus dem Libanon konnte aufgrund der politischen Lage keinen Sprachkurs mehr besuchen. „Dabei war die Motivation groß, und der Sprachnachweis auf A2-Niveau schien nur noch eine Frage der Zeit“, berichtet Unternehmer Faour. Der Kontakt zwischen Faour und dem Libanesen besteht weiterhin – verbunden mit der Hoffnung, dass sich die Situation bald stabilisiert.

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Neue Wege in der Rekrutierung

Angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels eröffnete Richter dem Unternehmen alternative Perspektiven und Projekte, über die es weitere internationale Fachkräfte kkennenlernen konnte. „Ich war zunächst zurückhaltend, was öffentlich geförderte Projekte anging“, sagt Faour. „Aber die Not zwingt bekanntlich zur Handlung.“ Richter erläuterte die Unterschiede zwischen Rekrutierungs- und Poolprojekten und vermittelte Kontakte zu Initiativen wie dem vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) geförderten Pilotprojekt African Skills 4 Germany (AS4G). Das Projekt gewinnt gezielt qualifizierte Fachkräfte sowie potenzielle Auszubildende aus elf afrikanischen Partnerländern. An der Initiative ist unter anderem auch die AHK Tunesien beteiligt.

„Ich war zunächst zurückhaltend, was öffentlich geförderte Projekte anging.“ – Ali Faour, Unternehmer

Der Vorteil dessen liegt für Richter auf der Hand. „Gerade für kleine und mittlere Unternehmen können öffentlich geförderte Projekte den Einstieg in die internationale Fachkräftegewinnung deutlich erleichtern“, sagt sie. Durch sie entstünden verlässliche Strukturen, Prozesse würden gebündelt und Unterstützung bei der Auswahl geeigneter Kandidaten als auch bei der Organisation im Herkunftsland geboten.

Erfolgreiche Fachkräftegewinnung vor Ort

Kurze Zeit später reiste Faour selbst nach Tunesien. Vor Ort traf er auf zahlreiche qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber. Genauso wie andere deutsche Unternehmen aus Branchen wie Logistik, IT und Elektrotechnik, die ebenfalls auf der Suche nach passenden Mitarbeitenden waren. Drei Kandidaten überzeugten den Unternehmer aus Wennigsen besonders: „Die persönliche und fachliche Chemie hat sofort gestimmt.“

Einer von Faours Favoriten befand sich bereits im Verfahren zur Chancenkarte und konnte dadurch inzwischen erfolgreich in das Unternehmen integriert werden. „Ein großer Vorteil der Chancenkarte ist die Möglichkeit, sofort in Teilzeit zu arbeiten – ohne Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit“, betont der Unternehmer. „Das verschafft uns als Betrieb wertvolle Flexibilität.“ Auch bei der Integration zeigte sich der Faour pragmatisch: „Ich habe mich selbst um Wohnraum und Behördengängen gekümmert. Anders ist es derzeit kaum möglich.“

„Das verschafft uns als Betrieb wertvolle Flexibilität.“ – Ali Faour, Unternehmer

Strukturierte Verfahren für nachhaltige Integration

Bei zwei weiteren Kandidaten entschied sich das Unternehmen auf Empfehlung von Alina Richter für die Anerkennungspartnerschaft im Rahmen des beschleunigten Fachkräfteverfahrens. Einer der beiden reiste bereits Anfang April ein und konnte so direkt in den Arbeitsalltag starten. Die Anerkennung des Abschlusses wird parallel vorangetrieben.

„Die Anerkennungspartnerschaft bietet Unternehmen die Möglichkeit, Fachkräfte frühzeitig einzubinden, die Anerkennung im Rahmen des Beschäftigungsverhältnisses zu beantragen und die noch fehlenden Qualifikationen gezielt zur Tätigkeit nachzuholen – und das alles parallel“, erklärt Richter. Das schaffe für beide Seiten eine gute Balance zwischen schneller Integration und nachhaltiger Qualifizierung.

Beim dritten Kandidaten kam es hingegen zu einer erneuten Verzögerung. Trotz vorhandener Deutschkenntnisse musste die Sprachprüfung wiederholt werden. Der Grund dafür: Die deutschen Behörden verlangen für die Einreise Sprachzertifikate, die nicht älter als ein Jahr sind.

„Das ist aus Arbeitgebersicht natürlich ärgerlich.“ - Ali Faour, Unternehmer

„Das ist aus Arbeitgebersicht natürlich ärgerlich“, meint Faour. Die erneute Sprachprüfung sei im Grunde reine Formsache, führe aber dennoch zu Verzögerungen, da sowohl Prüfungstermine als auch die Ergebnismitteilung Zeit in Anspruch nehmen. Die Hartnäckigkeit zahlt sich jedoch aus: Auch die dritte Fachkraft wartet derzeit auf ihr Visum und wird voraussichtlich in den kommenden Wochen nach Deutschland einreisen.

Erfolgsfaktor: Koordination und Zusammenarbeit

Ein entscheidender Erfolgsfaktor im gesamten Prozess war da die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten. Vor Ort in Tunesien unterstützte Firas Gam von der AHK Tunesien Unternehmer Faour von der Kommunikation mit den Kandidatinnen und Kandidaten über Visaangelegenheiten bis hin zur Organisation der Sprachprüfungen umfassend.

„Unser Ziel ist es, Unternehmen entlang des gesamten Prozesses zu begleiten.“ – Alina Richter, Fachkräfteberaterin

Von Hannover aus koordinierte Fachkräfteberaterin Richter die komplexen Abläufe: von der Prüfung der Einreisevoraussetzungen über das Anerkennungsverfahren, das beschleunigte Fachkräfteverfahren bis hin zur Kommunikation mit Behörden. „Unser Ziel ist es, Unternehmen entlang des gesamten Prozesses zu begleiten. Von der ersten Idee bis zur erfolgreichen Integration der Fachkraft“, betont sie.

Für die ALFA Elektrotechnik GmbH hat sich dieser Weg bereits ausgezahlt – auch wenn er nicht frei von Herausforderungen ist. „Ohne die Unterstützung hätten wir viele dieser Schritte nicht bewältigen können“, resümiert Geschäftsführer Faour. „Internationale Fachkräftegewinnung ist kein Selbstläufer – aber sie ist eine echte Chance.“