Katja Ohly-Nauber (l.) und Constanze Stock bringen mit ihrer All about Midlife Frauengesundheit in der Lebensmitte auch in Unternehmen. Foto: All about Midlife
All about Midlife: Ein Vortrag allein reicht nicht
05. Oktober 2026 | von Katja Ohly-Nauber und Constanze StockKatja Ohly-Nauber und Constanze Stock, Gründerinnen der ALL ABOUT MIDLIFE GmbH, nehmen Frauengesundheit in der Lebensmitte in den Fokus.
„Boah, das war wirklich interessant und hilfreich. Aber könntet Ihr jetzt bitte auch mal mit meinem Chef darüber sprechen?“ Diesen Satz hören wir als Gründerinnen von All about Midlife erstaunlich oft nach Workshops zum Thema Wechseljahre in Unternehmen. Er bringt auf den Punkt, wo viele Arbeitgeber heute stehen: Das Thema bekommt Aufmerksamkeit. Erste Vorträge und Gesundheitsangebote für Frauen entstehen. Ein wichtiger Anfang. Doch wenn Female Health nachhaltig im Arbeitsleben verankert werden soll, darf es dabei nicht bleiben.
Ein Thema mit wirtschaftlicher Relevanz
Rund neun Millionen Frauen in Deutschland befinden sich aktuell in den Wechseljahren, etwa 7,5 Millionen von ihnen sind berufstätig. Gleichzeitig gehören Frauen über 50 zu den am schnellsten wachsenden Erwerbsgruppen. Fragt man diese Frauen nach ihren Beschwerden, nennen sie am häufigsten körperliche und geistige Erschöpfung, Schlafstörungen, erhöhte Reizbarkeit, depressive Verstimmung, Hitzewallungen, Gelenk- und Muskelbeschwerden.
Die Auswirkungen auf Unternehmen sind erheblich: Laut einer Studie der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin reduzieren 25 Prozent der Frauen mit Wechseljahresbeschwerden ihre Arbeitszeit, 30 Prozent melden sich krank oder nehmen unbezahlten Urlaub, zehn Prozent kündigen. Hochgerechnet werden Wechseljahresbeschwerden mit rund 40 Millionen Fehltagen und wirtschaftlichen Kosten beziehungsweise Produktivitätsverlusten von 9,4 Mrd. Euro jährlich in Verbindung gebracht.
Trotzdem haben 74 Prozent der Unternehmen bislang keine Maßnahmen zur Unterstützung von Frauen in den Wechseljahren implementiert. 42 Prozent der Firmen nennen mangelndes Bewusstsein als Grund, 32 Prozent fehlendes Wissen zur Umsetzung. 63 Prozent halten die Wechseljahre für ein „ausschließlich“ oder „hauptsächlich privates“ Thema. 32 Prozent der Personalverantwortlichen sehen das Thema in ihren Unternehmen als „tabuisiert“.
Vom Frauenthema zum Unternehmensthema
Genau hier sehen wir den entscheidenden Perspektivwechsel. Wir freuen uns über jedes Unternehmen, das mit einem ersten Vortrag beginnt. Aber wenn danach ausschließlich die Frauen mehr über die Wechseljahre wissen, ist nur ein Teil der Aufgabe gelöst. Das Thema muss auch bei Führungskräften, im Bereich Human Resources und im Betrieblichen Gesundheitsmanagement ankommen.
Führungskräfte müssen dabei keine Menopause-Expertinnen und -Experte werden. Sie sollten aber verstehen, wie sich beispielsweise Schlafprobleme, Erschöpfung oder Konzentrationsschwierigkeiten auf den Arbeitsalltag auswirken können und wissen, wie sie sensibel damit umgehen können.
Was können Unternehmen aber konkret tun?
In unserer Arbeit mit Unternehmen betrachten wir gemeinsam drei Ebenen: Strukturen, Arbeitsumgebung sowie Kultur und Führung. Maßnahmen können von flexiblen Arbeitszeiten und Pausenregelungen über Rückzugsmöglichkeiten bis zu Führungskräftetrainings, offener Kommunikation und passenden Angeboten im Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) reichen.
Dabei muss nicht alles auf einmal passieren. Ein Vortrag kann Awareness schaffen, vertiefende Workshops oder digitale Programme können Mitarbeiterinnen konkrete Unterstützung bieten, Führungskräfteschulungen schaffen Handlungssicherheit. Im nächsten Schritt kann Female Health strukturell im Betrieblichen Gesundheitsmanagement und perspektivisch im Employer Branding verankert werden. Es geht auch nicht darum, möglichst viele Einzelmaßnahmen anzubieten. Entscheidend ist, herauszufinden, was die Mitarbeiterinnen tatsächlich brauchen und daraus Schritt für Schritt eine Struktur zu entwickeln, die langfristig trägt.
Wir sind überzeugt: Gerade bei diesem Thema müssen Frauen zusammenstehen, sich austauschen und auch laut werden. Im Privatleben genauso wie in den Unternehmen. Denn Veränderung beginnt dort, wo wir offen darüber sprechen, was Frauen in dieser Lebensphase wirklich brauchen.
