China-Konkurrenz: Firmen setzen erstmal auf Innovation
03. September 2026Der Wettbewerbsdruck durch chinesische Unternehmen wird für Niedersachsens Wirtschaft zunehmend zu einer Herausforderung. Das zeigt eine aktuelle Umfrage der niedersächsischen Industrie- und Handelskammern.

Zwei Drittel der Unternehmen spüren inzwischen eine wachsende Konkurrenz aus China. Noch stärker betroffen als die Wirtschaft insgesamt ist die Industrie mit 83 Prozent. Und besonders hoch ist Druck, wenn Geschäftsbeziehungen bestehen: 86 Prozent der Unternehmen, die nach China exportieren, und sogar 89 Prozent der Firmen, die dort eigene Standorte haben, nehmen das so wahr. Aber auch Deutschland (60 %) und ebenso der europäische Binnenmarkt (57 %) sind von steigendem Druck geprägt.
Die Unternehmen versuchen vor allem, aus eigener Kraft gegenzusteuern. Sechs von zehn Unternehmen setzen auf Produktinnovationen, um sich gegenüber chinesischen Wettbewerbern zu behaupten. Die Hälfte reagiert mit Kostensenkungen. Knapp 40 Prozent suchen verstärkt nach neuen Absatzmärkten. Bislang die Ausnahme: Investitionen verlagern oder sich aus bestimmten Geschäftsfeldern zurückziehen.
Aber auch, wenn die Unternehmen vorrangig auf Möglichkeiten setzen, ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit, stehen politische Reaktionen im Raum. Hier zeigt sich ein differenziertes Bild.
Die Unternehmen fordern von der Europäischen Union ein entschlosseneres außenwirtschaftliches Auftreten und Maßnahmen gegen strategische Abhängigkeiten.

Die größte Zustimmung erfahren Maßnahmen, die auf eine stärkere strategische Position Europas zielen. Zwei Drittel der Unternehmen wünschen sich ein gemeinsames und koordiniertes außenwirtschaftliches Auftreten der Europäischen Union. Rund 60 Prozent sprechen sich zudem dafür aus, strategische Abhängigkeiten zu verringern. Fast die Hälfte befürwortet einen stärkeren Schutz kritischer Infrastrukturen.
Weiter spricht sich mit 55 Prozent eine Mehrheit der Unternehmen dafür aus, dass die EU stärkere handelspolitische Maßnahmen gegen Wettbewerbsverzerrungen ergreifen sollte – auch, wenn dadurch negative Folgen für das eigene Unternehmen – Bürokratie, Zölle, Gegenmaßnahmen, höhere Preise - entstehen könnten. Gleichzeitig lehnen 37 Prozent eine solche Linie ab. Trotz dieser Mehrheit für handelspolitische Maßnahmen fallen die Zustimmungswerte für einzelne Maßnahmen geringer aus: Den Zugang zum EU-Binnenmarkt wollen 36 Prozent der Unternehmen beschränkt wissen, verstärkte Handelsschutzmaßnahmen und einen marktbestimmten Wechselkurs fordern jeweils 31 Prozent. Keine zusätzlichen Markteingriffe vorzunehmen, ist lediglich für 7 Prozent der richtige Weg.
Damit wird deutlich, dass die Unternehmen den Handlungsbedarf gegenüber unfairen Wettbewerbsbedingungen erkennen. Sie sehen es als Aufgabe der EU an, sich dafür einzusetzen. „Aber wir dürfen nie vergessen: Unsere Wirtschaft lebt von offenen Märkten und starken Exporten. Neue Eingriffe müssen deshalb sehr sorgfältig abgewogen werden “, kommentiert Maike Bielfeldt, Hauptgeschäftsführerin der IHK Niedersachsen.
Die IHKN Umfrage wurde im Zeitraum vom 20. Juli bis zum 10. August 2026 im Rahmen einer bundesweiten Befragung durchgeführt. Teilgenommen haben 259 Unternehmen aus Niedersachsen. (pm)
