Nicht nur aufgrund seiner zentralen Lage direkt am Kurpark ist das landeseigene Hotel für Bad Pyrmont von besonderer Bedeutung. Foto: Niedersächsisches Staatsbad Pyrmont Betriebsgesellschaft mbH

Von Steigenberger zu Grandhotel Bad Pyrmont: Land investiert

03. Juni 2026 | von Georg Thomas

Das Land Niedersachsen investiert 36 Mio. Euro in die Sanierung des früheren Steigenberger-Hotels: Als Grandhotel Bad Pyrmont soll es im Sommer 2027 fertig sein – Gäste sind jetzt schon willkommen.

 

Schon die Römer und Germanen besuchten die Heilquellen von Bad Pyrmont. Später prägten Besuche von Zar Peter des Großen, Königin Luise von Preußen, Goethe und Leibniz das Bild des mondänen Kurorts im Weserbergland. Aufgrund eines mehr als hundert Jahre alten Staatsvertrags, den einst Preußen und Waldeck-Pyrmont schlossen, gibt es eine enge Verbindung zwischen dem Land Niedersachsen und Bad Pyrmont. Denn bei der Abtretung des Orts von Waldeck zu Preußen soll vereinbart worden sein, dass sich Preußen auch um den Betrieb und die Instandhaltung des Kurorts kümmern solle. Das Land Niedersachsen ist sich seines historischen Erbes bewusst und wird das Staatsbad daher auch weiterhin fördern.

Das bedeutet auch. das bis Anfang des Jahres noch unter der Marke Steigenberger geführte Fünf-Sterne-Hotel in Bad Pyrmont zu erhalten und zu sanieren. Denn die Gebäude des 1898/99 gebauten früheren fürstlichen Kurhauses und des 1905 ergänzten Kurhotels gehören dem Land. Das zentral gelegene Hotel steht allein für rund zehn Prozent der jährlich knapp 700 000 Übernachtungsgäste im Kurort. Bereits vor vier Jahren begannen die ersten Planungen zusammen mit einem neuen Betreiber für das Hotel. Die Sanierung sollte das Land ursprünglich 23 Mio. Euro kosten und ab Herbst 2023 im laufenden Betrieb durchgeführt werden. 

Doch es kam anders: Unerwartete Mängel am Gebäude führten zu erheblichen Kostensteigerungen und mehreren Nachtragsverhandlungen, bei denen sich Land und Betreiber am Ende nicht mehr einigten. Ab Januar ruhte das Geschäft komplett. „Der damit einhergehende Wegfall operativer Einnahmen bei gleichzeitig fortbestehenden Fixkosten (...) führten zu einer sukzessiven Verschärfung der Liquiditätssituation und schließlich am 6. Februar zur Insolvenz“, heißt es im Insolvenzplan.

Ein wichtiger Meilenstein für die Zukunft des Grandhotels Bad Pyrmont wurde mit dem  Vertragsabschluss zum Nachtrag am 20. März  erreicht. Neuer Investor und Betreiber der Grandhotel Bad Pyrmont GmbH wurde die Prantner & Cie GmbH, in der neben Gert auch Thomas Prantner – sein Sohn – seit 35 Jahren aktiver Gesellschafter ist. Prantner, der sich als Direktor des Hamburger Hotels „Vier Jahreszeiten“ einen Namen machte und über Jahrzehnte weltweit Hotels entwickelte und managte, hatte sich bereits 2022 Jahren für den Betrieb des Kurort-Hotels beworben und auch das Land überzeugt. Der 86-Jährige sieht in dem Hotel „ein Flaggschiff der Region“. Es gebe wenige Kurorte mit Tradition wie Bad Pyrmont. Es reize ihn, das Hotel wieder zu altem Glanz zu führen und internationale Gäste zurückzugewinnen.  

Renovierte Zimmer bereits buchbar
Das Land Niedersachsen investiert in das Hotel mit 151 Zimmern, zwei Restaurants, Konferenzsälen und einem großen Wellnessbereich nun insgesamt 36 Mio. Euro. Der Pächter bringt sich mit mindestens 3 Mio. Euro ein, er übernimmt 23 Beschäftigte und trägt die laufenden Kosten bis zur Wiedereröffnung des Hotels im Sommer 2027. Prantner hofft, die Kosten noch zu verringern. Seit Anfang April können die 60 bereits renovierten Zimmer des Hotels wieder gebucht werden, die auch vom benachbarten Schwesterhotel Fürstenhof über eine Treppe erreichbar sind. „Dieses Pre-Opening ist für uns sehr wichtig und wir hoffen viele neugierige Gäste bald in Bad Pyrmont begrüßen zu können“, wirbt Prantner. Die Renovierung des Fürstenhofs und der 45 Zimmer soll nach dem Abschluss der Arbeiten im Grandhotel beginnen, das nach der Sanierung in der Kategorie „Vier Sterne superior“ geführt werden soll.

„Wir begrüßen, dass unser gemeinsames Ziel, das Hotel schnellstmöglich zu öffnen und Hotelgäste nach Bad Pyrmont zu bringen, wieder in greifbare Nähe rückt. Gert Prantner zählt zu den renommiertesten und erfahrensten Hoteliers und Tourismusexperten weltweit. Insbesondere für die Mitarbeitenden war es wichtig, Klarheit zu schaffen. Wir übernehmen Verantwortung für die Zukunft des Staatsbades Pyrmont. Mit der Sanierung des Kurhotels sichern wir einen zentralen Leuchtturm für die Region“, erklärte Finanzminister Gerald Heere.

Der langjährige Vertrag mit der Betreibergesellschaft um Gert Prantner sieht neben einer festen Summe auch eine Umsatzpacht vor. 

Und das Land bemüht sich auch um den Erhalt der Infrastruktur des Kurorts: So wird das Königin-Luise-Bad bis Ende 2028 für mehr als 20 Mio. Euro saniert und mit einem Neubau für Gruppentraining, Seminarräume, Umkleiden, Ruhebereiche, und Büros erweitert. Der Brunnentempel und die frühere Wandelhalle wurden bereits instandgesetzt. Das Kurtheater wird auch saniert – die Stadt übernimmt es danach.

Bad Pyrmonts Kurdirektor Dr. Maik Fischer äußerte sich bei der Unterzeichnung des neuen Pachtvertrags für das Hotel  zuversichtlich: „Von der Sicherung des Projekts werden vielfältige positive Effekte ausgehen: für die touristische Nachfrage, für die Übernachtungszahlen, für Gastronomie, Einzelhandel und weitere Dienstleistungsbereiche sowie für die Wahrnehmung Bad Pyrmonts als überregional bedeutender und zugleich zukunftsorientierter Kur- und Gesundheitsstandort.“ 


Hotel mit Geschichte
Das Gebäudeensemble des Grandhotels in Bad Pyrmont steht aufgrund seiner Bedeutung für die Ortsgeschichte, der künstlerischen Bedeutung seiner teils originalen Innenraumgestaltung und der städtebaulichen Bedeutung seit vielen Jahren unter Denkmalschutz. Der Bau des fürstlichen Kurhotels wurde 1905 nach Plänen von Anton Karst und Hans Fanghänel begonnen und zwei Jahre später abgeschlossen. Bei den Umbauten 1953-55 und 1988-93 blieben die Außenfassade sowie Teile des Interieurs erhalten.