"Der vaterländische Gewerbefleiß" - so fing alles an: Die erste Ausgabe eines Organs der Hannoverschen Handelskammern vom März 1868.

80 Jahre NW - noch noch darüber hinaus

05. Juni 2026 | von Klaus Pohlmann

Die NW ist eng mit der Landesgeschichte verwoben. Das geht weit über die erste Ausgabe der Niedersächsischen Wirtschaft vom Mai 1946 hinaus und reicht zurück bis ins 19. Jahrhundert.

 

Berücksichtigt man alle Titel, die bereits vor der Niedersächsischen Wirtschaft in Hannover als IHK-Organ erschienen, dann lesen Sie gerade im wohl ältesten Zeitschriften-Projekt des Landes. Online – was gäben wir dafür, die Gesichter unserere frühesten Vorgänger zu sehen. Wenn die das wüssten … 

Das war 1868. Die hannoverschen Handelskammern gehörten zu den ersten in Deutschland, die auf eine Zeitschrift zurückgreifen konnten, kaum mehr als anderthalb Jahre nach ihrer Entstehung. Lediglich in Sachsen war man noch ein paar Jahre früher dran.

Doch, um die Wahrheit zu sagen, hier wie dort waren es keine völligen Neugründungen. In Hannover gab es schon zuvor Mitteilungen des Gewerbevereins. Das Wochenblatt war gemeinsames Organ, redigiert jedoch vom Handelskammer-Sekretär: Vier Seiten, vier Mal im Monat, gefüllt vor allem mit technisch-naturwissenschaftlichen Beiträgen. Hier liegt der Ursprung der hannoverschen IHK-Zeitschrift. 

NW 80 Jahre Jubiläumslogo in Blau und Grün

Heute erscheint die Niedersächsische Wirtschaft als Zeitschrift der IHK Hannover sechs Mal im Jahr. Die Auflage liegt bei bis zu 25.000 Exemplaren. Die Zeitschrift ist nicht nur im Internet lesbar: Hier im Webmagazin, das es seit 2017 gibt, lesen Sie nicht nur diesen Beitrag. Sondern auch ergänzend und tagesaktuell Berichte über Niedersachsens Wirtschaft veröffentlicht werden.

Die wohl wichtigste Schnittstelle mit der Landesgeschichte jedoch ist nicht die Niedersächsische Wirtschaft selbst. Auch wenn sie noch vor der Gründung Niedersachsens erstmals erschien, und zwar als Zeitschrift von neun sich gerade neu bildenden Industrie- und Handelskammern für das ganze Gebiet des im November 1946 gegründeten Bundeslandes. Aber schon 25 Jahre zuvor, im Januar 1921, kam die erste Ausgabe einer neuen Handelskammer-Zeitschrift auf den Markt: das Wirtschaftsblatt Niedersachsen.

Der Name war Programm. Nicht uneigennützig, aber mit einiger Überzeugung kämpften die Handelskammern im Nordwesten Deutschlands – dazu zählten auch die in Bielefeld, Detmold und Minden – für ein Wirtschaftsgebiet Niedersachen. Im Namen der Vereinigung der Niedersächsischen Handelskammern, Vorläufer der heutigen IHK Niedersachsen, tauchte der spätere Landesname schon seit Jahrzehnten auf. Doch richtig Fahrt aufgenommen zu haben scheint das Thema, als in Hannover ein neuer Hauptgeschäftsführer, damals Syndikus, antrat: Dr. Kurt Finkenwirth. Die erste Ausgabe der neuen Zeitschrift jedenfalls löste die nur in Hannover seit 1919 erscheinenden Nachrichten für Industrie und Handel ab – und will mehr. Aufwändig beigeheftet ist der Erstausgabe die Karte eines Wirtschaftsgebiets Niedersachsen. Ohne Braunschweig allerdings, und die dazu gehörenden Gebiete um Holzminden und Bad Gandersheim. Der erste Leitartikel ist überschrieben mit „Niedersachsen“ und erscheint unter dem Namen des damaligen hannoverschen Handelskammer-Präsidenten Fritz Beindorff. Bis Februar 1945 wird diese Zeitschrift erscheinen.

Nur wenige Wochen später allerdings bemühten sich Industrie- und Handelskammern bei den Briten um die Erlaubnis für eine neue Zeitschrift. Die erscheint dann ab Mitte Mai 1946 mit acht Seiten alle 14 Tage. Wenig überraschend: „Jede Ausgabe der ,Niedersächsischen Wirtschaft‘ war der britischen Zensur vorzulegen und durfte erst an die Kaufmannschaft ausgeliefert werden, wenn die britische Genehmigung erteilt war.“ Lizenzträger war der Chefredakteur Dr. Johannes Niggemann.

Knapp ein Jahr später fand die neue Zeitschrift dann ein erstes großes Thema, das von britischer Seite angestoßen wurde: die Messe in Hannover. Und sie ist bis heute ein wesentlicher Teil der Berichterstattung geblieben. Diskussionen um die Soziale Marktwirtschaft finden sich in den frühen Ausgaben der NW, verbunden mit der Frage: Wie viel Plan, wie viel Markt ist nötig, um den Wiederaufbau zu schaffen. 

Nimmt man allein den Seitenumfang, dann stechen hier die 1970er und 1980er Jahre ins Auge. Die Niedersächsische Wirtschaft war damals weiterhin eine Zeitschrift für ganz Niedersachsen – und außerdem Pflichtblatt der Niedersächsischen Börse zu Hannover. Erst seit 1989 ist die IHK Hannover alleinige Herausgeberin.

Das Ziel der Niedersächsischen Wirtschaft als IHK-Zeitschrift hat sich über die Zeit hinweg kaum verändert und sind eng mit den Aufgaben einer IHK verbunden: Die Interessen der Wirtschaft in die Öffentlichkeit tragen. Auf die Angebote und Leistungen der IHK aufmerksam machen. Generell: Standort und Unternehmen zu fördern. Ebenso, die Vielfalt der Region deutlich zu machen. Und Unternehmen eine Plattform über ihre unmittelbare Umgebung hinaus zu bieten: Schließlich erstreckt sich der Bereich der IHK Hannover – und damit das Verbreitungsgebiet der NW – vom Landkreis Diepholz im Norden über die Regionen um Hannover, Hildesheim und Hameln bis zum Landkreis Göttingen im Süden.