Drei Personen vor IHK Niedersachsen Banner, Gruppenfoto bei einer Veranstaltung Die Konjunkturfachleute der IHK: Dr. Mirko Hoppe, Hauptgeschäftsführerin Maike Bielfeldt, Paul Preuß (v.l., Foto: Barbara Dörmer).

Niedersachsen-Konjunktur: Allenfalls weniger pessimistisch

14. Juli 2026 | von Klaus Pohlmann

Für Optimismus reicht es noch nicht: Die Reformpläne der Bundesregierung wurden veröffentlicht, während die IHK-Konjunkturumfrage noch lief. Das sorgte auch für eine leichte Aufhellung. Aber sowohl Unsicherheiten als auch struktuelle Probleme belasten Niedersachsen Wirtschaft weiterhin. 

 

Zwar ist der IHK-Konjunkturklimaindex für Niedersachsen um fünf auf jetzt 84 Punkte gestiegen, aber eigentlich scheinen die Umfrageergebnisse diesen Anstieg überhaupt nicht herzugeben. Beispiel Geschäftserwartungen: Die optimistischen Stimmen, die in den kommenden Monaten eine bessere Geschäftslage erwarten, kleben nahezu unverändert bei neun Prozent – trotz der während der Umfrage veröffentlichen Reformbeschlüsse der Bundesregierung. Immerhin sind die Stimmen weniger geworden, die eine eher ungünstige Entwicklung sehen. Unter dem Strich blickt Niedersachsens Wirtschaft nicht optimistischer, sondern nur etwas weniger pessimistisch in die Zukunft. 

Weitere Ergebnisse: Die für die künftige Entwicklung so wichtigen Investitionspläne der der Unternehmen haben sich noch einmal leicht nach unten bewegt. Das gleiche gilt für die Konsumneigung im Einzelhandel. Bei der Beschäftigungspläne haben sich zwar nicht weiter verschlechtert, verharren aber auf dem tiefsten Stand seit Corona.

Noch einige Fragezeichen

Und auch dort, wo man aus den bloßen Zahlen noch einen leichten Auswärtstrend herauslesen könnte, tauchen schnell Fragezeichen auf. So gibt es bei den Auftragsbeständen der Industrie neben Unternehmen mit einer negativen Entwicklung in gleichem Maße auf positive Stimmen. Die könnten aber durchaus auf die Sondermögen für Infrastruktur oder Verteidigung zurückzuführen sein, die jetzt langsam bei den Unternehmen ankommen. Und wenn sich die Exporterwartungen in Niedersachsen leicht verbessert haben, muss man berücksichtigen, dass die Umfrage abgeschlossen war, bevor die Kämpfe im Nahen Osten wieder aufloderten und vor allem vor der Ankündigung der US-Regierung, eine Art Gebühr für das Durchfahren der Straße von Hormus zu erheben. Die Ergebnisse der Umfrage unter rund 2000 Unternehmen wurden Mitte Juni von der IHK Niedersachsen (IHKN) veröffentlicht.

Überhaupt stellt sich derzeit die Frage nach der Halbwertzeit von Aussagen zur konjunkturellen Entwicklung. Schließlich kann jeder Blick in die Medien eine neue Situation bringen. Entsprechend sehen die niedersächsischen Unternehmen als Top-Risiko unangefochten die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Mit einigem Abstand folgen Inlandsnachfrage, Energie- und Rohstoffpreise sowie Arbeitskosten. Der Fachkräftemangel wird bereits sein längerem als deutlich weniger kritisch eingeschätzt.

Reformpaket eher Hoffnungsträger als Problemlöser

Und das Reformpaket? Hat die Erwartungen der Unternehmen zwar aufgehellt, aber die strukturellen Belastungen bleiben unverändert. „Die Unternehmen sehen, dass sich politisch etwas bewegt. Für einen echten und nachhaltigen Stimmungsumschwung reicht das aber nicht“, sagte IHKN-Hauptgeschäftsführerin Maike Bielfeldt bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse in Hannover. 

Und noch ist das Reformpaket eine Art ungedeckter Scheck, „eher ein Hoffnungsträger als ein Problemlöser“, so Bielfeldt. Denn zum einen müssen die Maßnahmen überhaupt erst noch umgesetzt werden. Und sie gehen auch an manchen Stellen nicht weit genug. Die IHKN-Hauptgeschäftsführerin sprach etwa die Arbeitszeitflexibilisierung an, die zwar im Koalitionsvertrag steht, aber auf sich warten lässt. Beim Bürokratieabbau bleiben die Belastungen hoch, auch wenn die weniger Berichtspflichten und die Einführung einer Genehmigungsfiktion Entlastung bringen würden. „Im Bereich der Energiepreise und der Unternehmensbesteuerung bleiben wir auch weiterhin international nicht wettbewerbsfähig“, erklärte Bielfeldt und mahnte nach der Ankündigung der Maßnahmen eine schnelle Umsetzung an.