Zwiespältig: So wird KI gesehen und genutzt
05. August 2026 | von Klaus PohlmannMacht Spaß, macht Angst – und wird im Job genutzt: Umfragen zu KI zeigen Widersprüchliches.
Drei von vier Menschen, die KI nutzen, sagen: Das macht Spaß. Quer durch alle Bevölkerungsgruppen verwenden fast 60 Prozent der Menschen in Deutschland Künstliche Intelligenz. Das ergab eine Studie im Auftrag des Branchenverbands Bitkom, die im Mai veröffentlicht wurde. Wobei man angesichts der rasenden Entwicklung fast schon zögert, sich auf Ergebnisse zu stützen, die im Frühjahr erhoben wurden.
Aber was Spaß macht, kommt auch im Job an. Fast die Hälfte der Beschäftigten setzen nach einer ebenfalls repräsentativen Umfrage des TÜV-Verbandes Künstliche Intelligenz bei der Arbeit ein. An erster Stelle steht mit 78 Prozent die Suche nach Informationen, gefolgt vom Erzeugen oder Bearbeiten von Texten (46 %), um auf Ideen zu kommen (41 %) oder um Bilder und Videos zu erstellen (19 %). Seltener sind komplexere Anwendungen wie Berechnungen, das Schreiben von Code oder die Analyse von Datensätzen mit Hilfe von KI. Was im Übrigen heißt: Bei diesen Anwendungen geht es vor allem um generative KI.
Und die ist in den meisten Bereichen des Arbeitsalltags oft schneller angekommen, als dass in Unternehmen dafür klare Strukturen geschaffen werden, heißt es dazu vom TÜV-Verband. Mehr als die Hälfte der Befragten gaben an, im Job weder konkrete Regeln noch ein KI-Verbot zu haben. Nur bei knapp einem Drittel der Beschäftigten gibt es konkrete Vorgaben für den Einsatz von KI. Ein explizites Verbot ist mit lediglich fünf Prozent die Ausnahme. Und acht Prozent können die Frage nach KI-Regeln nicht einmal beantworten. „Vielen Beschäftigten fehlt es an einer verbindlichen Orientierung im Umgang mit Künstlicher Intelligenz“, sagt Joachim Bühler, Geschäftsführer des TÜV-Verbands. „Hier müssen Arbeitgeber mit klaren Vorgaben für den Einsatz von KI nachlegen.“ Umso mehr, als mit dem Stichtag 2. August der europäische AI Act verschiedene Kennzeichnungspflichten, aber auch Schulung von Mitarbeitenden fordert.

Generative KI wird im Job genutzt, oft auch gerne – aber was ist mit der Angst? Ein Drittel der in der TÜV-Studie Befragten geht davon aus, dass die eigene Tätigkeit vollständig oder teilweise durch Künstliche Intelligenz ersetzt werden kann. Und die Bitkom-Befragung machte deutlich, dass sich viele Menschen von KI abgehängt oder überfordert fühlen – und zwar umso mehr, je weniger sie die Technik nutzen. Die KI-Fernen wünschen sich sogar zu fast 60 Prozent in eine Welt ohne KI zurück. Und selbst bei denen, die Spaß an Künstlicher Intelligenz haben, ist es laut Bitkom noch jeder Dritte.
Hier müssen Qualifizierungs- und Bildungsangebote ansetzen, sagt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst: „Das beste Mittel gegen Verunsicherung ist Wissen.“ Ein digitaler Graben zwischen Menschen mit und ohne KI dürfe gar nicht erst entstehen.
Die Bitkom-Studie förderte aber auch noch ein Ergebnis zu Tage, das nachdenklich macht. Fast 60 Prozent der Befragten sagen, dass KI sie schlauer macht. Und das führt mitten rein in eine der großen Fragen zur Künstlichen Intelligenz. Macht KI klüger? Oder: „Macht die KI uns dumm?“ Das fragte das Nachrichtenmagazin Der Spiegel in diesem Frühjahr. Droht De-Skilling, also der Abbau von Fähigkeiten und Kompetenzen, weil das Denken auf die Künstliche Intelligenz verlagert wird? Klar ist das noch nicht, wie so vieles rund um die KI. Aber eine Regel wird immer wieder betont: Erst selber denken, dann die KI fragen – der reflektierte Umgang könnte dann nicht nur Spaß, sondern auch echten Nutzwert bringen. W
