Inleap Photonics: Drohnen-Abwehr made in Hannover
23. März 2026 | von Georg ThomasDie Inleap Photonics GmbH aus Hannover hat ein System entwickelt, das mit einem Hochleistungslaser in einer Minute 300 Drohnen vom Himmel holen kann. In Tests hat das System bereits überzeugt.
Sie brauchten nur vier Monate Entwicklungszeit: Kurz vor Weihnachten konnte die Inleap Photonics GmbH ihr System zu Abwehr von Drohnen auf einem Übungsgelände der Bundeswehr erfolgreich testen. Das „Inleap Fastlight Shield“ ist ein Laser-Schutzschirm, das heranfliegende Drohnen mithilfe eines Lasers zerstört und zum Absturz bringt. Das System schafft es, in einem Umkreis von drei Kilometern 300 Drohnen innerhalb einer Minute vom Himmel zu holen. Es passt auf zwei Europaletten, kann somit auf einem LKW installiert werden und ist mit zusätzlichem Dieselaggregat und Batteriespeicher auch flexibel einsetzbar.
Unternehmen ist Ausgründung des Laser Zentrums Hannover
Seit einem Bericht des Deutschlandfunks vor wenigen Wochen kann sich das junge Unternehmen, das 2024 den hannoverschen Gründungswettbewerb Start-up-Impuls gewann, vor Anfragen nicht mehr retten. Denn das System der Ausgründung des Laser Zentrums Hannover hat im Vergleich mit konkurrierenden Verfahren zur Abwehr von Drohnen zahlreiche Vorteile. So beziffert das Unternehmen etwa die Kosten eines Abfangvorgangs auf weniger als einen Euro. Und der hocheffiziente Laser benötigt zudem deutlich weniger Energie.
Konversion: Der Fokus liegt nun voll auf dem System zur Drohnenabwehr
Das System erfasst die Drohnen mit Elektrooptik, einer ausgeklügelten Bilderkennung, kombiniert mit künstlicher Intelligenz. „Das System ist extrem agil. Es erkennt den Drohnentyp und weiß, wie dieser unschädlich gemacht wird. Bei einem Schwarm kann es selbstständig entscheiden, welche Drohne zuerst ins Visier genommen und mit dem Laser punktförmig an der entscheidenden Stelle durchbohrt wird“, erklärt Dr. Marius Lammers. Der 33-Jährige Maschinenbauingenieur hat das Unternehmen vor drei Jahren zusammen mit Dr. Felix Wellmann und Katharina Haas gegründet. „Wir ergänzen uns ideal. Ich bringe durch mein Studium die Produktionstechnik mit, Felix ist in Sachen Optik, Sensorik und dem Laser top und Katharina ist für Betriebswirtschaft und Marketing zuständig.“ Ihr eigentliches Ziel war es, ihre Entwicklungen in der industriellen Produktion einzusetzen – was ihnen auch gelungen ist. „Wir fokussieren uns nun aber auf die Drohnenabwehr – die Aufträge aus der Industrie bearbeiten wir aber weiterhin“, erklärt Lammers.

Dass sie ihre Technologie auch für Verteidigungszwecke einsetzen, war so nicht geplant. „Der Schlüsselmoment war eine Veranstaltung der Unternehmerverbände Niedersachsen im Mai 2025, bei der berichtet wurde, dass die Polizei im Land aktuell kein System zur Abwehr von Drohnen hat“, erinnert sich Lammers. Durch die Frage eines ihrer Anteilseigner entstand dann die Idee, ein solches System zu entwickeln.
Produktion soll jetzt hochgefahren werden
Aktuell arbeitet Inleap Photonics daran, die Produktion weiter hochzufahren. Dabei hilft, dass unter den Gesellschaftern auch ein ehemaliger Manager des VW-Konzerns ist, der viel Erfahrung für das Skalieren mitbringt. Seit der letzten Finanzierungsrunde ist der High-Tech-Gründerfonds, zu dessen Investoren neben zahlreichen namhaften Unternehmen auch das Bundeswirtschaftsministerium und die KfW gehören, an Inleap Photonics beteiligt. Außerdem gehört ventis Capital zu den Geldgebern.
Der Laser-Schutzschild aus Hannover kann sowohl zum Schutz von Flughäfen, Industrieanlagen, anderer kritischer Infrastruktur oder von Großveranstaltungen mit vielen Menschen im Inland genutzt werden, als auch in militärischen Auseinandersetzungen. Das Gerät soll ab dem dritten Quartal dieses Jahres bereit für den praktischen Einsatz sein. Dafür müssen gerade für den Einsatz in Deutschland noch einige Genehmigungen eingeholt werden. „Selbst für die Tests auf einem Übungsplatz war einiges an Papieren und Genehmigungen nötig“, berichtet der Geschäftsführer.
Langes Warten auf Glasfaser-Anschluss…
Dass es manchmal nicht so schnell geht, wie erwünscht, stellt die Firma immer wieder fest: „Wir haben unsere Zentrale im August letzten Jahres bezogen – und warten noch immer auf unseren Glasfaser-Anschluss“, so Lammers. Erst nachdem sie die Wirtschaftsförderung eingeschaltet haben, erhielten sie einen Termin für die Freischaltung in diesen Tagen.
Inleap Photonics möchte in diesem Jahr aus eigener Kraft wachsen. Aktuell besteht das Team aus zehn Köpfen, bis Ende des Jahres sollen es laut Marius Lammers 20 bis 30 sein. „Elektrotechnikingenieure und Softwareentwickler können sich gern bei uns bewerben. Und wir sind auch am Austausch mit anderen Unternehmen aus der Branche interessiert.“
Bei der Entwicklung seiner Produkte hat das junge Unternehmen sehr von der Verbindung zum Laser Zentrum Hannover profitiert. „Wir konnten dort Prototypen bauen und Versuche durchführen, was uns bei der Entwicklung im letzten Jahr natürlich sehr geholfen hat.“
Internetseite von Inleap Photonics
Bericht des Deutschlandfunks über Inleap Photonics
