Illustration - natürlich an dieser - mit KI, hier Copilot.
Streiflicht, Freitags-Kolumne: Beweise, Beweise
16. Oktober 2026 | von Klaus Pohlmann
Es vergeht kaum noch eine Woche, in der nicht KI an Grundfesten rüttelt. Und dazu gehören noch nicht einmal unbedingt die aufgeheizten französischen Supermarkt-Kühltruhen: Ein Weckruf, wie er lauter nicht sein kann. Für den Hack reichte wohl brauchte man wohl höchstens natürliche, nicht aber künstliche Intelligenz. Ohne Frage aber wird KI Sicherheitslücken noch besser finden und solche Angriffe noch leichter machen. Und das sollte auf jeden Fall die Überzeugung erschüttern, wenn es sie überhaupt noch gibt, dass irgendwelche kritische Infrastruktur sicher ist.
Jedoch schüttelte KI zuletzt die Mathematik mal völlig durch. Zu Hunderten wurde Beweise veröffentlicht, an denen Forschende sich seit Jahren oder Jahrzehnten die Zähne ausgebissen haben. Was das in der Wissenschaft anrichtet und mit Mathematikerinnen und Mathematikern macht, kann ich nur ahnen. Und erwarten, dass da Türen aufgestoßen werden: Was, wenn die KI nicht nur Beweise liefert, sondern ganz neue Fragen stellt und Probleme aufwirft in mathematischen Galaxien, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat? Und deren Lösung ein Mensch nicht mehr nachvollziehen kann. Aber das sollen Mathematik und KI bitte untereinander klären.
In der Diskussion um die beweisführende KI taucht aber noch etwas auf, was über die Mathematik hinausreicht und auch einiges erschüttern könnte. Denn: Schnell stand die Frage im Raum, womit die KI gefüttert wurde oder woher sie sich die Grundlagen besorgt hat, um die Ergebnisse zu liefern. Die vergangenen Monate haben ja nur allzu deutlich gezeigt, wo überall sich KI-Agenten herumtreiben und auf was alles sie sich Zugriff verschaffen. (Und ist es nicht faszinierend, dass schon seit dem ersten Teil der Matrix-Trilogie die Programme, die im digitalen Raum die digitalen Abbilder von Menschen jagen, Agenten heißen? Aber das hat seinen Grund.)
Natürlich gilt auch gegenüber der KI die Unschuldsvermutung. Allerdings tauchte nach Veröffentlichung der Mathe-Beweise auch schnell dieser Reflex in der Diskussion auf: Lieber nichts mehr ins Internet stellen, Wissen erstmal für sich behalten. Und muss man sich das nicht nur in der Wissenschaft hinter die Ohren schreiben, sondern ansonsten auch in der Sorge, dass es wirklich geschützte Räume nicht mehr gibt? Das Internet ist mal entstanden auch zum Austausch in der Forschung –nicht nur an diesen Fundamenten wird vielleicht gerade gerüttelt. (pm)
