Silhouette einer Person mit ausgestreckten Armen vor Sonnenuntergang am Meer Foto: Pixabay/geralt

Streiflicht, Freitags-Kolumne: Leistung und Soziales

16. Januar 2026 | von Klaus Pohlmann

Jugend und Soziale Marktwirtschaft: Die gerade veröffentlichten Ergebnisse einer Umfrage machen einigermaßen nachdenklich. Die Bertelsmann-Stiftung hat 16- bis 25-Jährige in Deutschland befragen lassen. Mit Werten von 90 Prozent und mehr sprechen sie sich dafür aus, dass eine gerechte Gesellschaft sowohl Leistung belohnen als auch für gleiche Chancen sorgen muss. Wer im Beruf viel leistet, soll auch mehr verdienen. Gleichzeitig geht der Daumen hoch für eine angemessene Grundversorgung oder Unterstützung für alle, die sich um ihre Kinder oder pflegebedürftige Angehörige kümmern. Junge Menschen stehen hinter dem Leistungsprinzip und ebenso wie hinter dem Sozialstaat: Wo weit, so gut.

Zum Erfolgsmodell der Sozialen Marktwirtschaft gehört aber vielleicht noch etwas mehr: Nicht nur, das Leistungsprinzip grundsätzlich zu akzeptieren. Sondern für sich selbst einen Sinn darin zu sehen. Gerade mal ein Viertel der Befragten glaubt, dass junge Menschen heute einen höheren Wohlstand erreichen als ihre Eltern. In den frühen Jahren der Bundesrepublik, als die Soziale Marktwirtschaft zum Motor des wirtschaftlichen Aufschwungs wurde, war das anders. Und auch die Rente als Pfeiler der sozialen Absicherung stand nicht zur Diskussion.

Ja, das Leistungsprinzip wird von jungen Menschen akzeptiert. Aber sie sehen offenbar auch, dass sie mit Anstrengung das Wohlstandsniveau ihrer Eltern allenfalls halten. Ohne Zweifel ist das Bekenntnis zu den Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft angesichts der gravierenden Veränderungen, die unser Wirtschaftssystem derzeit beeinflussen, eine ermutigende Nachricht, wie auch die Bertelsmann-Expertin Sandra Zillinger die Studienergebnisse kommentiert. Aber in trockenen Tüchern ist damit noch nichts.

Umso ermutigender weitere Ergebnisse. Zum Beispiel wünschen sich 90 Prozent der jungen Menschen mehr Geld für Bildung: Auch das, Bildung als Voraussetzung zur wirtschaftlichen Teilhabe, gehört zur Sozialen Marktwirtschaft. Damit eng verbunden: gleiche Startchancen für alle. Und eine große Mehrheit der jungen Generation wünscht sich mehr Informationen über die Wirtschaft. Natürlich in der Schule. Aber auch, und das ist überraschend, am Arbeitsplatz: Hier gibt es also in den Unternehmen noch etwas zu tun. 

Dass junge Menschen die Soziale Marktwirtschaft grundsätzlich gut finden, ist eine Grundlage. Aber sie müssen mitgenommen, motiviert werden. Und hier liefert die Umfrage auch einen Grund zur Unruhe: Drei Viertel der Befragten glauben nicht, dass junge Menschen bei politischen Entscheidungen berücksichtigt werden. (pm)